Zentrum für Dialog und Gebet in Oświęcim

Sonja Vieten, Geldern, Deutschland

Leiterin der Volkshochschule Gelderland

https://www.vhs-gelderland.de/



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Text:

Mein Name ist Sonja Vieten. Ich lebe in Deutschland, in der Nähe von Düsseldorf. Beruflich bin ich in der Erwachsenenbildung tätig.

Im Sommer 2009 war ich Teilnehmerin an einer Wallfahrt der deutschen Edith-Stein-Gesellschaft nach Auschwitz. Die Tage in der Gedenkstätte und im Zentrum für Dialog und Gebet in Oswiecim, haben mich damals tief beeindruckt, und meinen weiteren Lebensweg sicherlich auch nachhaltig beeinflusst. Besonders Herrn Pfarrer Manfred Deselaers gilt in diesem Zusammenhang mein Dank.

Anlässlich des 79. Jahrestages des Todes von Edith Stein im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau möchte ich einen kleinen Beitrag zur Erinnerung an sie leisten.

Was hat mich an Edith Stein beeindruckt oder beeindruckt mich immer noch?

Ich habe Edith Stein stets vor dem Hintergrund ihrer Zeit betrachtet, und dennoch ihr Leben und Werk als höchst aktuell und in unsere Zeit sprechend, wahrgenommen. Für mich sind im Laufe der Jahre dabei drei Aspekte von Bedeutung geworden:

1.  Edith Stein als Intellektuelle:
Ihre Leidenschaft für das Denken und das Verstehen-wollen, ihre wache Aufmerksamkeit für Politik und Zeitgeschehen, ihre Weit- und Klarsicht, was sich in Deutschland und Europa bereits „zusammenbraute“. Ihre Wissbegierde, Disziplin und Beharrlichkeit, ihr Wunsch, als Frau eine wissenschaftliche Karriere anzustreben: ihre unermüdlichen, diversen Habilitationsversuche, die in der noch männerdominierten akademischen Welt damals zum Scheitern gebracht wurden.
Edith Stein hat sich engagiert. Sie war motiviert, gesellschaftliche  Veränderungen voranzubringen, sie mischte sich ein, erprobte neue pädagogische Konzepte und gestaltete ihre Beziehungen in den verschiedenen Rollen, als Dozentin und Lehrerin, nahbar und persönlich. Sicherlich ist das in der damaligen Zeit nicht die Norm gewesen.

2. Edith Stein als Suchende:
Edith Stein versuchte mit den ihr zugänglichen wissenschaftlichen Ansätzen die Seelenwelt des Menschen zu verstehen: ihre persönliche tiefe und angestrengte Suche nach Sinn und Erfüllung, sowohl in ihrem philosophischen Denken, in der Entwicklung ihres Gottesbezuges und in ihrer Suche nach privatem Glück.
Edith Stein ist für mich daher keine Säulenheilige, deren Lebensrealität erhaben über der ihrer Mitmenschen stattfand. Edith Stein lebte mit Tiefschlägen und Brüchen, die sich in ihrem Leben ereigneten, die sie in sich barg, und die sicherlich tiefe Spuren in ihrer Seele hinterließen. Damit ist sie uns allen ähnlich, und vielleicht sogar im besten Sinne ein wenig seelenverwandt!

3. Edith Stein als Frauenrechtlerin, zumal später im katholischen Kontext.
Sie war nicht ohne Widersprüche, wenn sie einerseits von der Gleichberechtigung der Geschlechter sprach, und andererseits spezifische „weibliche Wesensarten“ herausarbeitete, und da auch entsprechende Rollenzuschreibungen mit verband.
Aber Edith Stein hat in ihrem Leben sicherlich einen eigenen Weg entwickelt, ist ihren eigenen Weg gegangen, in einer Zeit, in der eine persönliche Lebensgestaltung, nach eigenen Maßstäben und Vorstellungen, für eine Frau noch sehr ungewöhnlich war. Sie verließ früh den damals noch selbstverständlich vorgezeichneten Weg in die Ehe und Mutterschaft, sicherlich nicht ganz freiwillig. Aber Edith Stein hat ihr Leben in die eigenen Hände genommen. Sie hat es aktiv und selbstverantwortlich gestaltet, bis zu ihrem letzten Tag.

Was bedeutet es heute, um das Leben Edith Steins zu wissen?

Für mich bedeutet es, sich für die Welt zu interessieren, wach zu sein, sich einzumischen, sich zu engagieren. Es bedeutet ferner, das eigene Leben zu gestalten, nach dem Eigenen, dem persönlich Sinnvollen und Sinnstiftenden zu suchen, sich weiterzuentwickeln, Kopf und Herz zu bilden, und an sich und den Mitmenschen ein aufrichtiges Interesse zu haben.

Für mich persönlich bedeutete die erste Begegnung mit dem Ort ´Auschwitz´ 2009 (wenn man so möchte, in der Begleitung von Edith Stein) den Beginn einer intensiven und noch immer stattfindenden Auseinandersetzung mit meiner eigenen Familiengeschichte. In welcher Weise war meine Herkunftsfamilie in die Zeit des Nationalsozialismus verstrickt? Welche Spuren haben Krieg und Holocaust hinterlassen, was wurde wie wirksam in den Seelen meiner Großeltern und Eltern, was in meiner eigenen Biographie, in meiner Psyche? Wie kann ich umgehen mit Gefühlen von Scham über die Verbrechen, die in unserem Land, und durch dieses Land geschahen? Wie wirken die übernommenen Schuldgefühle in mir nach, wozu motivieren sie mich heute in meiner eigenen Lebensgestaltung?

In Edith Stein bin ich einer Frau begegnet, in deren Leben ich Parallelen wie Anknüpfungspunkte zu meinem eigenen Leben gefunden habe. Sie war und ist Ausgangsort wertvoller Reflexionen und so mancher Selbsterkenntnis. Dafür bin ich dankbar.

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