Centre for Dialogue and Prayer in Oświęcim

Monastic Community of Jerusalem, Cologne, Germany

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Sr. Edith Kürpick, Prioress

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Text:  (German)

Mit Edith Stein bin ich schon lange unterwegs. Eigentlich seit Kindertagen. Meine Eltern haben mir schon früh gesagt: „Deine Namenspatronin ist Edith Stein. Du wirst sehen, irgendwann wird sie heiliggesprochen!“ Also dachte ich als Kind: Gut, das ist jetzt meine! Später habe ich dann gelernt, dass man Namenspatronen auch teilen muss. Und je besser ich sie heute kennenlerne, desto mehr glaube ich: Ja, von ihr gibt es viel zu teilen – von ihrem Leben und ihrem Sterben, von ihren Gedanken und Gebeten und überhaupt allem, was sie uns schriftlich hinterlassen hat!

Wenn du nur auf die großen Linien ihres Lebens schaust, kannst du schnell eingeschüchtert sein: eine große Denkerin, Philosophin mit steiler Universitätskarriere, Eintritt in den Karmel, Lebenshingabe in Auschwitz …
Mich hat immer an ihr fasziniert, dass sie zwei Dinge so authentisch zusammenbekommen hat: das Gut-geerdet-Sein, das wache und kritische Mitgehen mit ihrer Zeit und … ihr klares, einfaches Verwurzeltsein in Gott, voller Vertrauen. Mit einer unerschütterlichen Himmelshoffnung trotz aller Erdenschwere ihrer Zeit. Sie hat das in einem ihrer Texte einmal so ausgedrückt:
... auf der Erde zu stehen, über die schmutzigen und rauen Wege dieser Erde zu gehen und doch mit Christus zur Rechten des Vaters zu thronen, mit den Kindern dieser Welt zu lachen und zu weinen und mit den Chören der Engel ohne Unterlass Gottes Lob zu singen, das ist das Leben des Christen, bis der  Morgen der Ewigkeit anbricht“[1].

Das war für sie also kein Widerspruch. Ich glaube, gerade weil sie in beidem so tief verankert und wach unterwegs war, konnte sie auch die starken Gegensätze ihrer Zeit aus-halten. Weil sie immer wieder bei Gott inne-halten konnte. Und dann von daher auf die Welt und auf die Menschen geschaut hat.

Für mich liegt gerade darin eine starke Botschaft für uns heute: Ich finde manchmal erschreckend, wie schnell wir im Umgang miteinander und mit dem, was uns fremd ist, verurteilen, reduzieren, abkanzeln, respektlos werden … Und ich finde noch entsetzlicher, wie selbstverständlich in unserer Zeit, in unserem Europa Hass und Gewalt, Häme und Ehrfurchtslosigkeit, Ausgrenzung und Spaltung, wieder salonfähig geworden sind.

Darum möchte ich diesen offenen und zugleich liebenden Blick auf alles von Edith Stein lernen: Also: mit wahrhaftigem Herzen und klaren Augen durch dieses Leben gehen, unterscheiden lernen, wo Gegensätze bereichern und fruchtbar sind oder, im Gegenteil, wo sie nur polarisieren, abwerten und tödlich ausgrenzen.

Bei einem letzten Gespräch mit einem Überlebenden im Übergangslager Westerbork soll sie gesagt haben:
„Die Welt besteht aus Gegensätzen. Manchmal ist es gut, dass sie bestehen. Ein Mildern derselben kann Verwischen bedeuten, und das ist nicht gut. Letzten Endes wird nichts von diesen Kontrasten übrigbleiben. Nur die große Liebe wird bestehen bleiben. Wie könnte es auch anders sein?“[2]

Mir helfen diese Sätze, nicht zu früh stehenbleiben. Und immer wieder, allein oder mit anderen, alles, was ist, Gott hinzuhalten und unser Denken, Reden und Tun von ihm prägen zu lassen.
 
Herr, du Gott des Lebens, du Freund der Menschen,
deine Liebe wird das letzte Wort haben.
Ich danke dir für diese wunderbare Verheißung!
Lass nicht zu, dass die Mauern zwischen uns Menschen
„so hoch (werden), dass wir nicht mehr
mit den Händen hinübergelangen.“[3]
Führe uns gemeinsam auf Wege der Wahrheit,
der Versöhnung, der brennenden Sehnsucht
nach dem vollen Leben.
Und du, liebe heilige Edith Stein,
bitte für uns.
Und begleite uns auf unserem Weg
hin zu dem Licht, das nie untergeht.
Ad orientem.
Amen.
 



Dr. Simone Pichler, Lecturer, West University, Timisoara, Romania

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Luz Lüdtke, prospective lawyer

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[1] E. Stein, Kreuzesliebe. Einige Gedanken zum Fest des hl. Vaters Johannes vom Kreuz (24. November 1933): ESGA 20, 113.
[2] E. Stein, zitiert von H. Wielek, Artikel vom 9.6. 1962 über seinen Aufenthalt im Lager Westerbork im August 1942.
[3] Vgl. E. Stein, Brief an R. Ingarden (1917), in: ESGA 4(2005), Br. 18.

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