Zentrum für Dialog und Gebet in Oświęcim

Edith Stein Forschungszentrum an der Adam Mickiewicz Universität, Poznań, Polen

http://cbes.amu.edu.pl/


 


Prof. Dr. hab. Anna Grzegorczyk -  Kulturwissenschaftlerin, Direktor des Rates des  Edith Stein Forschungszentrums

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Text:

TEIL I
Meine Begegnung, oder besser gesagt, meine Begegnungen mit der heiligen Edith Stein dauern nun schon 30 Jahre an. Es begann damit, dass mein Vater mich dazu drängte, das wissenschaftliche Studium ihrer Philosophie aufzunehmen: "Kind, du schreibst über Philosophen, die nicht zu den Menschen sprechen. Vielleicht solltest Du Dich mit E. Stein befassen".  Ich war verärgert über diesen väterlichen Versuch mich zur Abkehr vom wissenschaftlichen Weg zu bringen. "Erzähle mir nichts von Edith Stein, sie ist keine Philosophin. Ich bin Wissenschaftler, kein religiöser Essayist", und ich habe meine Ohren vor seinen weiteren Aufforderungen verschlossen. Bis zu einem bestimmten Moment…

Ich hatte eine existenzielle Krise, aus der ich nicht mehr herausfand. Meine Freunde verwiesen mich an die Unbeschuhten Karmeliter in Posen, wo ich Hilfe suchte. Nach einem Gespräch mit einem von ihnen fiel mein Entschluss, nach Gdynia-Orłowo zu Schwester Immakulata Adamska zu fahren, einer spirituellen Spezialistin für Krisen und... E. Stein. Stein. Ich habe nach diesem Strohhalm gegriffen, weil ich so entschlossen war, dass mich der Hinweis auf E. Stein nicht aus der Fassung brachte.

Und man kann sagen, dass das philosophische und spirituelle "Abenteuer" mit E. Stein so in den 1990er Jahren begann und bis zum heutigen Tag andauert. S. Immaculata holte mich aus dem Tief in meinem Leben heraus und zog mich in das Werk von E. Stein. Und so sofort in das Größte, weil sie  zog mich in „ Endliches und ewiges Sein“. Denn sie war dabei, dieses Werk zu übersetzen und brauchte philosophischen Rat und einen Verleger. Wir schrieben das Jahr 1993, und es war nicht einfach, ein umfangreiches philosophisches Resümee zu veröffentlichen, das sowohl phänomenologisch als auch theologisch ist; außerdem war die Phänomenologie nicht mein Interessengebiet. Die Einzigartigkeit von Sr. Immaculata als geistliche Leiterin und tatkräftige, unternehmungslustige Person begeisterte mich jedoch so sehr für die Aufgabe, dass das Nischenwerk einen Zuschuss von der Kulturstiftung erhielt und gleichzeitig vom Verlag der Unbeschuhten Karmeliter in Posen und den Dominikanern in Krakau veröffentlicht wurde.

Später haben diese beiden heiligen Frauen so sehr auf mich eingewirkt, dass ich 2003 an der Adam-Mickiewicz-Universität das E.-Stein-Forschungszentrum unter der Schirmherrschaft des Rektors gegründet habe, dessen Rat sich aus bedeutenden Vertretern verschiedener humanistischer Disziplinen zusammensetzt.  Seitdem hat das Zentrum eine umfangreiche Tätigkeit entfaltet, indem es phänomenologische Jahrestagungen organisierte, wissenschaftliche Zeitschriften herausgab, Filme drehte, Vernissagen und Monographien zu verschiedenen Problemen der zeitgenössischen Geisteswissenschaften in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Universität, der Universität der Künste, der Musikakademie und dem Institut für karmelitanische Spiritualität organisierte.

Teil II

Meine Begegnung mit E. Stein hat mein Denken über Philosophie im Allgemeinen neu ausgerichtet. Ich begann mich zu fragen, wer für mich die wahren Philosophen sind, denn die Tatsache, dass sie Denker sind, die sich mit dem Denken beschäftigen, reicht nicht aus, um eine solche Qualifikation zu erhalten. Wie J. Maritain – bekannt mit Edith Stein - schrieb, bedeutet viel zu denken nicht unbedingt, klug zu denken. Nur die Denker, die wirklich nach der absoluten Wahrheit suchen und sie vertreten und bezeugen, sind gleichzeitig Philosophen par excellence.  Denn durch diesen Titel werden sie zu Weisen. Edith Stein war eine von ihnen. Zeitgenössische Überlegungen, die in ihren philosophischen und anthropologischen Untertönen den Überlegungen Steins ähneln, finden sich bei Rene Girard. Diese Parallele ist sehr aussagekräftig und zeigt die Vorrangstellung der Überlegungen der Schutzherrin Europas in Bezug auf die Diagnose der Krisenzeiten sowie ihren prophetischen Hinweis auf die Zeiten des Wertechaos, die Ausbreitung der mimetischen (Anm. d. Übers: „nachahmenden“) Plage und den damit verbundenen Mechanismus des Hasses; ein Hinweis auf die Zeiten, in denen wir uns befinden. Steins apokalyptische Themen finden nicht nur in der Anthropologie Girards eine Fortsetzung, sondern sind in unserer menschlichen Verfasstheit in Form der Ansteckung mit dem Bösen sichtbar, über die Stein u.a. an Papst Pius XI. in ihrem Brief über die Judenfrage schrieb.

Die Anti-Krisen-Philosophie von E. Stein wird nicht nur in der sozialen, sondern auch in der individuellen Dimension sichtbar.  In ihren Schriften finden wir Wege zur inneren Beruhigung, zum Abbau von Ängsten oder zur Bekämpfung von Depressionen.

Wir können also sagen, dass E. Stein das Denken und Leben tatsächlich umkrempeln kann; sie kann sich zu einer vom Evangelium erleuchteten Philosophie bekehren. Meine Begegnungen mit ihr waren von dieser Art. Daher klingen die Worte meines Vaters und von Schwester Immaculata, die sich auf E. Stein, ihr Werk und ihre Persönlichkeit beziehen, weiterhin in meinen Ohren. Und ich bedenke und erlebe ständig ihre spirituelle und lebenspraktische Hilfe. Und ich bin sehr froh, dass ich einst auf diese Worte hörte, dass ich die Hand von E. Stein ergriff, die mich in die Philosophie der Weisheit einführte und mich dazu brachte, Gott zu suchen. Und sie hat mir auch geholfen, aus verschiedenen Krisen herauszukommen.  Sie wurde für mich nicht nur zur wahrhaftigen Philosophin, sondern auch eine Anti-Krisen-Freundin.
 
(Übersetzt von Edith Gasper)





Prof. Dr. hab. Hanna Suchocka – Rechtsanwältin, Mitglied im Rat des  Edith Stein Forschungszentrums

1992-1993 Ministerpräsidentin von Polen. 2001-2013 Botschafterin Polens beim Vatikan.

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Zusammenfassung:

Edith Stein trat im Oktober 1999 in mein Leben, als Papst Johannes Paul II. sie, wie den heiligen Benedikt von Nursia, zur Mitpatronin Europas neben der heiligen Birgitta von Schweden und der heiligen Katharina von Siena ernannte.  Die Beweggründe für die Entscheidung des Papstes in Bezug auf Edith waren sehr aufschlussreich. Erstens: Sie war eine Frau. Mit ihrem Leben hat sie die gesellschaftliche Entwicklung der Frauen hervorgehoben. Sie wurde zu einem Symbol der europäischen Frau in einem gemeinsamen Europa. Sie wurde auch zu einem Symbol für den Dialog zwischen Judentum und Christentum, der für die Schaffung eines gemeinsamen Europas so wichtig ist.   Durch die Botschaft ihrer Schriften, ihrer Lehre und ihres Handelns wurde sie zu einem deutlichen Zeichen gegen die Instrumentalisierung der Religion und ihre Vereinnahmung für ideologische und politische Zwecke. Das zeigt zum Beispiel Edith Steins Brief über die Juden an Pius XI. aus dem Jahr 1933. Sie trug auch zur Vision eines Europas bei, das in sozialer und kultureller Hinsicht alle Grenzen und nationalen Trennungen überwindet, in Übereinstimmung mit der Vision von Johannes Paul II. Johannes Paul II. sagte über diese gemeinsame Vision, dass sie "über dem Alten Kontinent das Banner des Respekts, der Toleranz und der Offenheit erhebt und alle Menschen dazu aufruft, einander zu verstehen und zu akzeptieren, ungeachtet ethnischer, kultureller und religiöser Unterschiede, und danach zu streben, eine wahrhaft brüderliche Gesellschaft aufzubauen".

Das ist es, was nach der Begegnung mit den Gedanken  E. Steins in mein inneres Leben trat und mich in schwierigen und alltäglichen Momenten begleitet: das Vertrauen und die Zuversicht, die aus Gottes Schöpfungswerk fließen. Dieser Bezug gibt unserem ganzen Leben einen Sinn und macht es verständlich und gleichzeitig nicht zufällig, denn, wie E. Stein schreibt: "Was nicht in meinen Plänen war, war in Gottes Plänen. Und je öfter mir so etwas passiert, desto lebendiger wird in mir die aus dem Glauben fließende Überzeugung, dass es - von Gott aus gesehen - keine Zufälle gibt und dass sich mein ganzes Leben [...] als ein vollkommenes Sinngeflecht darstellt".

(Übersetzt von Edith Gasper)





Prof. Dr. hab.  Małgorzata Grzywacz – Kulturwissenschaftlerin, wissenschaftliche Sekretärin des  Rates des  Edith Stein Forschungszentrums

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Zusammenfassung:

Meine erste intensive Begegnung mit Edith Stein fand während meines Promotionsstudiums in Freiburg im Breisgau statt. Dort begann ich, die Person und das Werk von Edith zu entdecken, während ich die Stadt und die Menschen kennenlernte. Ihre Maxime: "Wer die Wahrheit sucht, der sucht Gott" hat mich durch mein ganzes (nicht nur) akademisches Leben begleitet. Dank Stein kann ich teilhaben an der Gemeinschaft von Erforschern und Erforscherinnen ihres Werkes und ihrer Botschaft, die so universell ist. Die Zeiten, in denen sie lebte, waren sehr schwierig, aber damals war es möglich, auch aus der Klausur viele Werke an die Nachwelt weiterzugeben, die sich mit einer Vielzahl von Themen befassen, die für die Freiheit des Menschen und seine Beziehung zu Gott, zur Wirklichkeit und zu anderen Menschen so wichtig sind. Deshalb lohnt es, sich unabhängig von Weltanschauungen und Religionen von Edith Stein inspirieren zu lassen.

(Übersetzt von Edith Gasper)

 



Dr. Joanna Kiersztejn – Theologin, Mitarbeiterin im Edith Stein Forschungszentrum

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Zusammenfassung:

Edith Stein trat ganz zufällig in mein Leben. Ein Fehler in der Schreibweise meines Namens ( Anm. d. Übers: Kiersztejn – Stein), durch den ich zum ersten Mal von dieser Heiligen hörte. Danach begegnete sie mir in meinem Leben immer öfter, wenn auch mehr im künstlerischen als im wissenschaftlichen Sinne. (Anm. d. Übers.: Frau Dr. Kierszteijn “vertextete“ mehrere Male Aussagen oder Begebenheiten aus dem Leben Edith Steins für Theaterszenen o.ä.). Sie ist eine Inspiration für mich und ein Beispiel dafür, dass Glaube und Wissenschaft keine Gegensätze sind, sondern sich gegenseitig durchdringen können. In letzter Zeit bin ich oft auf ihren Satz zurückgekommen: "Ich weiß, dass mich jemand unterstützt, und deshalb bin ich ruhig und fühle mich sicher. Es ist nicht das zuversichtliche Gefühl der Sicherheit eines Mannes, der aus eigener Kraft auf sicherem Boden steht, sondern das süße und glückliche Gefühl der Sicherheit eines Kindes, das von einer starken Schulter getragen wird."
 
(Übersetzt von Edith Gasper)




Prof. Dr. hab.  Kazimierz Ilski –   Historiker, Mitglied im Rat des  Edith Stein Forschungszentrums

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Zusammenfassung:

Kazimierz Ilski bemerkt zu Beginn, dass es angesichts der Erhebung von Edith Stein zu den Altären nicht angebracht sei, eine weitere Laudatio zu halten.

Er stellt mit großer Zufriedenheit fest, dass die Zugehörigkeit zur "Gemeinschaft des Zweifels", die die Universität (Anm. d. Übers.: für ihn) darstellt, welche vertikale und horizontale Beziehungen unterhält, es ihm ermöglicht, sowohl mit Edith Stein als auch mit anderen Gelehrten in Verbindung zu bleiben.

Er betont die Freude an der "akademischen Freiheit", die Edith Stein schätzte, als sie 1911 an der Universität Breslau anfing und den Lehrplan frei gestaltete. Unter den zahlreichen Fächern studierte sie mit großem Erfolg Griechisch, was es ihr ermöglichte, den Thukydides (ohne Vorbereitung) während einer Prüfung frei zu übersetzen.

Das Philosophiestudium in Husserls Seminar führte Edith Stein zur Formulierung einer Methodologie, die auf dem Schlüsselbegriff der "Einfühlung" basiert. K. Ilski bezweifelt, dass seine Kompetenz ausreicht, um diese methodische Annahme vollständig zu verstehen.

Er spricht davon, dass er von der Lektüre des Buches mit dem Titel "Endliches und ewiges Sein" unendlich profitiert habe. Er schlug eine andere Übersetzung des Titels vor: "Endendes und ewiges Sein". Er schätzt den Beitrag von Edith Stein zur Analyse der Begriffe Substanz – Essenz - Sein als äußerst wertvoll ein. Diese Art von Forschung sei von unverzichtbarer Bedeutung für das Verständnis des christlichen Glaubensbekenntnisses.
Er findet es angebracht, Anstrengungen zu unternehmen, um ein Faksimile des Testaments von Edith Stein mit einem entsprechenden Kommentar zu veröffentlichen. Er zitierte ein Fragment des Testaments, in dem Edith Steins Bereitschaft zum Tod als Ausdruck der "Tapferkeit des Seins" zum Ausdruck kommt.
 
(Übersetzt von Edith Gasper)




Prof. Dr. hab. Szczepan Cofta – Chefarzt des Universitätskrankenhauses der Verklärung des Herrn in Posen,  Mitarbeiter des Edith Stein Forschungszentrums

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Zusammenfassung:

Ich bewundere Edith Stein aus der Perspektive meiner medizinischen Erfahrung, vor allem wenn ich ihre Haltung während des Ersten Weltkriegs im Infektionskrankenhaus betrachte.   Als der Krieg ausbrach, war für Edith Stein selbstverständlich, dass sie ihre Heimat unterstützen musste, und sie meldete sich zu einem Krankenpflegekurs an, nach dessen Abschluss sie am 7. April 1915 im Auftrag des Roten Kreuzes zum Lazarett in Hranice in Mähren ging. Damit begann eine intensive fünfmonatige Zeit des Lernens, der Hingabe, der Demut, aber auch der Unterwerfung unter ein vorgegebenes Regelwerk und strenge Vorschriften. Edith Stein arbeitet zunächst auf der Infektionsstation mit Typhuspatienten und dann auf der chirurgischen Station. Sie akklimatisiert sich schnell an ihre neue Umgebung. Sie lernt die ihr anvertraute Arbeit zu lieben und widmet sich ihr ganz und gar, und sie beschreibt ihre Erfahrungen ausführlich in „Geschichte einer jüdischen Familie“. Sie erinnert sich detailliert an die neuen Orte, die Lebens- und Arbeitsbedingungen, die Beziehungen zu den Mitarbeitenden, die Freundschaften, die sie geschlossen und die Schwierigkeiten, die sie erlebt hat. Die ausführliche Aufzeichnung der Ereignisse aus dieser Zeit zeugt von ihrer tiefen Menschlichkeit, der Achtung der Menschenwürde und ihrer eigenen Gelassenheit in schwierigen Situationen. Es ist nicht schwer, die Parallelen zwischen den situativ verschiedenen Schwierigkeiten, die während des Typhusausbruchs und denen, die in der gegenwärtigen Covid-19-Pandemie zu überwinden waren, zu erkennen. Die Haltung von E. Stein steht beispielhaft für Jeden, der sich engagiert und solidarisiert mit den von einer ansteckenden Krankheit Betroffenen, insbesondere für die medizinischen Dienste.
 
(Übersetzt von Edith Gasper)

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