Zentrum für Dialog und Gebet in Oświęcim

Dialog an der Schwelle von Auschwitz. Band 2. Perspektiven einer Theologie nach Auschwitz

Das vorliegende Buch ist eine Frucht des IV. Kongresses der Vereinigung Polnischer Fundamentaltheologen, der vom 25. bis 27. September 2008 im Zentrum für Dialog und Gebet in Oświęcim (Auschwitz) stattfand. Die Konferenz reiht sich ein in eine – noch junge – Tradition des religiösen Dialoges an diesem Ort. Die Polnischen Professoren luden dazu auch Referenten aus Deutschland und Israel ein.
 
 

Herausgegeben von Manfred Deselaers
Biblioteka CDiM 10
UNUM Verlag, Zentrum für Dialog und Gebet, Krakau-Oświęcim 2010
[Leider nicht mehr lieferbar.]
In polnischer Sprache erhältlich.
Kontakt: edukacja@cdim.pl

 

„Hier ist locus theologicus!“

Das sind Worte von Kardinal Stanisław Nagy, die er während der Heiligen Messe im Karmelitinnen-Kloster beim IV. Kongress der Vereinigung Polnischer Fundamentaltheologen sagte, der im September 2008 am Zentrum für Dialog und Gebet in Oświęcim zum Thema Perspektiven einer Fundamentaltheologie nach Auschwitz stattfand. Die Worte des Kardinals mögen das Leitmotiv für dieses außergewöhnliche Buch sein.

Mehrere Gründe tragen zum Außergewöhnlichen dieses Buches bei. Erstens fehlt im großen theologischen Diskurs nach Auschwitz eine deutliche polnische Stimme, insbesondere in der Fundamentaltheologie, worauf Kardinal Nagy hinwies. Zu solcher Reflexion hatte Papst Benedikt XVI bei seinem Besuch im ehemaligen Lager Auschwitz-Birkenau ermutigt, als er sagte: „Wo war Gott in jenen Tagen? Warum hat er  geschwiegen? Wie konnte er dieses Übermaß von Zerstörung, diese Triumph des Bösen dulden? […] Wenn dieses Volk einfach durch sein Dasein Zeugnis von dem Gott ist, der zum Menschen gesprochen hat und ihn in Verantwortung nimmt, so sollte dieser Gott endlich tot sein  und die Herrschaft nur noch dem Menschen gehören – ihnen selber, die sich für die Starken hielten, die es verstanden hatten, die Welt an sich zu reißen. Mit dem Zerstören Israels, mit der Schoah, sollte im letzten auch die Wurzel ausgerissen werden, auf der der christliche Glaube beruht“ (Oświęcim, 28.05.2006). In den vergangenen Jahren hatte die polnische Fundamentaltheologie durch wissenschaftliche Reflexionen über das Kreuz, das Leiden, die Hoffnung und durch Versuche, auf existentielle Fragen des modernen Menschen Antwort zu geben, sich darauf vorbereitet, die Herausforderung anzunehmen, die Auschwitz war und ist.

Die zweite Ermutigung zur Vertiefung dieses außergewöhnlichen locus theologicus kommt von Johannes Paul II, der während seiner ersten Pilgerreise nach Polen im Jahr 1979 in Auschwitz gesagt hatte: „Man weiß, dass ich oft hier war – wie oft! Oft bin ich in die Todeszelle von Maximilian Kolbe hinabgestiegen, habe ich vor der Todesmauer gekniet und bin zwischen den Trümmern der Krematorien von Birkenau umher gegangen. Ich konnte als Papst den Besuch hier nicht auslassen. […] Ich bin hier, um mich gemeinsam mit Euch, unabhängig davon, was Euer Glaube ist, noch einmal der Frage nach dem Menschen zu stellen. […] Christus will, dass ich als Nachfolger des Petrus vor der Welt Zeugnis gebe für das, was die Größe des Menschen unserer Zeit und sein Elend zugleich ausmacht. Was seine Niederlage und was sein Sieg ist“. In diesen außergewöhnlichen Kongress integriert war ein Kreuzweggebet in Birkenau und Gebet und Schweigen, an denen auch Repräsentanten des jüdischen und des deutschen Volkes teilnahmen: Rabbi Dr. Alon Goshen-Gottstein, Direktor des Elijah Interfaith Institute in Jerusalem, und Prof. Gregor Maria Hoff, Dozent an der katholisch theologischen Fakultät der Universität in Salzburg, beide Referenten der Konferenz.

Drittens hat gerade ihre Anwesenheit, neben den vorher genannten Gründen, den Kongress der polnischen Fundamentaltheologen außergewöhnlich werden lassen. Weil Theologie in dem Maße reif ist, als sie zum Dialog und zum Ernstnehmen anderer Stimmen in der Lage ist, insbesondere bezüglich der Offenbarung Gottes, lag uns an einem lebendigen Dialog auf zwei Ebenen, christlich-jüdisch und jüdisch-polnisch-deutsch, um zu einem besseren gegenseitigen Verständnis und zur Versöhnung beizutragen.

Den Inhalt des Buches bilden verschiedene Texte. Die erste Gruppe bilden Vorträge, die beim Kongress gehalten wurden. Pfarrer Dr. Manfred Deselaers vom Zentrum für Dialog und Gebet in Oświęcim erläuterte den Einfluss verschiedener historischer Erfahrungen und religiöser Kontexte auf die Gestalt einer Theologie nach Auschwitz. Rabbi Dr. Alon Goshen-Gottstein charakterisierte die jüdische theologische Perspektive nach Auschwitz, Prof. Gregor Maria Hoff die deutsche Perspektive. Pfarrer Prof. Henryk Seweryniak von der Kardinal-Stefan-Wyszyński-Universität in Warschau stellte wichtige Züge polnischen religiösen Denkens nach Auschwitz dar. Die zweite Gruppe bilden Artikel von Kongressteilnehmern: Frau Dr. Elżbieta Kotkowska, Priester Dr. Krzysztof Kaucha und Priester Dr. Wojciech Szukalski.

Im Namen der Vereinigung Polnischer Fundamentaltheologen danke ich den Autoren der in diesem Buch gesammelten Reflexionen herzlich. Ich danke dem Hilfswerk der deutschen Katholiken Renovabis sowie dem polnischen Amt für Angelegenheiten der Kriegsveteranen und Verfolgten, die die Konferenz mitfinanziert haben. Vor allem danke ich Pfarrer Dr. Manfred Deselaers vom Zentrum für Dialog und Gebet in Oświęcim für die Organisation eines außergewöhnlichen Kongresses und dieser Redaktion der Publikation sowie dafür, dass er schon seit langer Zeit auf fruchtbare Weise aus dem locus theologicus schöpft, der sich auf polnischer Erde befindet.
Professor Marian Rusecki, Vorsitzender der Vereinigung Polnischer Fundamentaltheologen
 

Inhalt

Kardinal Stanisław Dziwisz – Ansprache an die Teilnehmer des 4. Kongresses der Vereinigung Polnischer Fundamentaltheologen

Manfred Deselaers, Jan Nowak – Dialog an der Schwelle von Auschwitz, Fortsetzung

Professor Marian Rusecki – Hier ist locus theologicus!

Manfred Deselaers – Die Bedeutung von Perspektiven für eine Theologie nach Auschwitz

Alon Goshen-Gottstein – Die Frage nach Gott und Auschwitz

Gregor Maria Hoff – Ein unmöglicher Ort, eine notwendige Sprache. Theologie nach Auschwitz? Eine deutsche Stimme

Henryk Seweryniak – Theologie nach Auschwitz: die polnische Perspektive

Krzysztof Kaucha – Perspektiven der polnischen Fundamentaltheologie nach Auschwitz

Elżbieta Kotkowska – Gesamtheit und τέλος der Erinnerung der Kirche

Wojciech Szukalski – Die Universale Botschaft der Schoah in der Lehre von Papst Johannes Paul II

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