Zentrum für Dialog und Gebet in Oświęcim

2020-04-29 Deutsche Bischofskonferenz - Deutsche Bischöfe im Weltkrieg

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IV. Lehren für die Zukunft

Am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg in Europa mit der Kapitulation Deutschlands. Es hat lange gedauert, bis in der katholischen Kirche in Deutschland und auch unter den Bischöfen die eigenen Verstrickungen in das Dritte Reich und den Zweiten Weltkrieg thematisiert und selbstkritisch betrachtet wurden. Der grundsätzliche Widerspruch zur nationalsozialistischen Weltanschauung, der Verweis auf die vielen Märtyrer der Konzentrationslager und Hinrichtungsstätten sowie die Anwaltschaft der Bischöfe für das eigene deutsche Volk galten lange Zeit der Mehrheit als hinreichende Antwort auf die Fragen nach der Mitverantwortung und Schuld im Krieg und im Nationalsozialismus. Heute blicken wir mit Trauer und Scham auf die Opfer und diejenigen, deren existentielle Fragen angesichts der Verbrechen und des Krieges ohne angemessene Antwort aus dem Glauben blieben. Mit dem Abstand der Jahre ist der Umstand, dass für die Leiden und die Opfer der Anderen lange Zeit jeder Blick fehlte – von offenen Worten ganz zu schweigen –, besonders beschämend.

Der Austausch und die Wege der Versöhnung mit unseren Nachbarn, insbesondere mit Frankreich und Polen, haben uns geholfen, diese von Vermeidung, Verdrängung und eigenem Schmerz geprägten verengten Sichtweisen hinter uns zu lassen. In der kritischen, nicht selten spannungsreichen und schmerzhaften Auseinandersetzung mit den Erfahrungen und dem Leid der Anderen, insbesondere der Juden, konnte die Kirche in Deutschland erst nach und nach zu sich selbst finden. Dabei haben wir erleben können, dass diese Begegnungen wesentlich auch zur Erneuerung der Kirche beigetragen haben und beitragen.

Das Verhalten unserer Vorgänger im Amt wurzelte in einer Verstrickung in den nationalen Zeitgeist und in kirchlichen Vorstellungen über das Staat-Kirche-Verhältnis, die unter anderen historischen Umständen entwickelt worden waren und aus theologischer Sicht keine Allgemeingültigkeit beanspruchen können. Sie wurden in den Jahren 1933–1945 nur unzureichend in Bezug auf ihre Grenzen und ihre Zeitbedingtheit hinterfragt und entfalteten deshalb hochproblematische Wirkungen. Es bedurfte der erschreckenden Erfahrungen der Moderne und auch der kritischen exegetischen und theologischen Anfragen, damit die Kirche das Verhältnis von Gesellschaft und Religion neu bestimmte und die Rolle der Kirche im Staat im Sinne einer kritischen Zeitgenossenschaft schärfte. Die Kirche versteht sich heute berufen und verpflichtet, die in der Gottesebenbildlichkeit gründende Würde aller Menschen, die unveräußerlichen Menschenrechte, die sittlichen Grundsätze über die soziale Ordnung und alles, was dem Heil der Seelen dient, in jedem Staat und von jeder Regierung einzufordern und selbst zur Verwirklichung beizutragen. Die erneuerte Form der Militär- und Gefängnisseelsorge ist ein beispielhaftes Zeugnis für das neue Miteinander von Staat und Kirche. Wir haben zudem wiederentdeckt, dass die Botschaft des Evangeliums nicht an der eigenen Landesgrenze endet und Solidarität im christlichen Sinn nicht auf das eigene Volk begrenzt ist. Die Überwindung allen Leids weltweit entspricht der Nachfolge Jesu.

Nicht zuletzt konnten wir die zentralen Einsichten der Lehre vom „Gerechten Krieg“ im Leitbild des „Gerechten Friedens“ so zur Geltung bringen, dass sie ihrer Intention der Gewalteindämmung besser gerecht werden. Wir verstehen es als unsere Aufgabe, dazu beizutragen, diese Lernprozesse fortzusetzen und damit die kirchliche Friedenslehre im Lichte neuer Erfahrungen zu vertiefen. Die in Vorbereitung befindliche Fortschreibung unseres Worts „Gerechter Friede“ (2000) geschieht wesentlich aus diesem Verständnis heraus.

Heute stellen wir dankbar fest, dass die Bereitschaft, sich den bohrenden Fragen und drängenden Problemen zu stellen, uns näher zu Christus und zu einem tieferen Verständnis des Evangeliums geführt hat. Eine besondere Bedeutung kommt dabei der memoria passionis, der Erinnerung an die Leiden der Opfer, zu. In ihnen begegnen wir Christus.


Deutsche Bischöfe im Weltkrieg. Wort zum Ende des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren / hg. vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz. – Bonn 2020. – 23 S. – (Die deutschen Bischöfe ; 107)
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