Zentrum für Dialog und Gebet in Oświęcim

2020-04-29 Deutsche Bischofskonferenz - Deutsche Bischöfe im Weltkrieg

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II. Das Verhalten der katholischen Bischöfe in Deutschland während des Zweiten Weltkriegs

Mit dem Angriff auf Polen im September 1939 begann das nationalsozialistische Deutschland seinen weltanschaulichen Vernichtungskrieg. Am Beginn unzähliger Verbrechen während des Zweiten Weltkriegs standen die Deportation und die Ermordung der polnischen Intelligenz, darunter katholische Geistliche in großer Zahl. Fast zwei Millionen Polinnen und Polen wurden zur Zwangsarbeit in deutsche Betriebe verschleppt – auch in viele Einrichtungen der katholischen Kirche in Deutschland. Mit dem Angriff auf die Sowjetunion 1941 begann schließlich die exterminatorische Phase des Holocaust. Auschwitz, Treblinka, Warschau und viele Orte mehr wurden zu Synonymen für die lebensvernichtende Gewalt der nationalsozialistischen Ideologie und insbesondere für den Völkermord an den Juden und an Sinti und Roma.

Bei aller inneren Distanz zum Nationalsozialismus und bisweilen sogar offener Gegnerschaft war die katholische Kirche in Deutschland Teil der Kriegsgesellschaft. Daran änderten auch die zunehmende Repression gegen das Christentum, der Vernichtungskrieg sowie die seit der Wende des Kriegsgeschehens und mit dem Bombenkrieg gegen Deutschland anwachsenden Verluste der Deutschen wenig. Trotz massiver Bedrängnisse der Kirche durch Staat und NSDAP, blieb – wie schon im Ersten Weltkrieg – die patriotische Bereitschaft, die materiellen, personellen und geistigen Ressourcen der Kirche für den Kriegseinsatz zu mobilisieren, bis zum Ende ungebrochen. Als Divisions-, Lazarett- oder Gefängnispfarrer waren Hunderte Militärgeistliche seelsorglich in den Einsatzgebieten der Wehrmacht tätig. Priester, Seminaristen und Ordensleute waren im Rahmen der Wehrpflicht im Heer als Sanitäter eingebunden. Mehrere Tausend klösterliche und kirchliche Häuser dienten Lazarettzwecken, Zehntausende Ordensfrauen erfüllten vor allem in Krankenhäusern ihre „vaterländische Pflicht“. Zum Kriegsalltag sowohl an der Front als auch an der „Heimatfront“ gehörten ungezählte Fälle seelsorglicher und menschlicher Zuwendung, aber auch schuldhaftes Versagen. Eine besonders problematische und negative Rolle spielte Feldbischof Franz Justus Rarkowski. Nicht der Bischofskonferenz zugehörig und ein deutsch-nationaler Außenseiter in der Kirche, suchte er die religiösen und spirituellen Kräfte der Soldaten ganz im Sinne der Wehrmachtsführung zu mobilisieren.

Mit dem völkerrechtswidrigen Angriff der deutschen Truppen auf Polen standen die Bischöfe vor der Frage, wie sie sich zu diesem Krieg verhalten sollten. Nach den Erfahrungen des Ersten Weltkrieges ließen sie in ihren Predigten und Hirtenbriefen eine spürbare Zurückhaltung erkennen. Aber ganz im Sinne der kirchlich tradierten Sicht des Krieges riefen sie die Soldaten und Gläubigen zu Treue, Gehorsam und Pflichterfüllung, zu Bewährung, Sühne und Opfersinn auf. Dabei wiesen die Tonlagen der einzelnen Äußerungen durchaus Unterschiede auf, wenngleich die Melodie dieselbe war. Allein der Berliner Bischof Konrad von Preysing verzichtete auf solche Mahnungen, sprach von den „Gefahren der Zeit“ und zeigte Wege auf, mit der drohenden Wirklichkeit des Sterbens umzugehen.

Den von Deutschland ausgehenden Krieg legitimierten die Bischöfe nach den 1914 bis 1918 gemachten Erfahrungen zwar nicht mehr ausdrücklich als „gerecht“. Aber die leidvollen Opfer, die es zu bringen und – je länger desto mehr – zu beklagen galt, wurden wie ehedem aus einem nationalen, „vaterländischen“ Denken heraus akzeptiert. Nach dem Sieg über Frankreich 1940 läuteten im Reich die Glocken. Mit dem Angriff auf die Sowjetunion verband sich die Vorstellung eines „Kreuzzugs“ gegen den „gottlosen Bolschewismus“, was das Kriegsgeschehen zusätzlich religiös auflud. Zwar teilten die Bischöfe nicht die rasseideologische Begründung des Krieges durch die Nationalsozialisten, aber ihre Worte und Bilder bestärkten sowohl Soldaten als auch das kriegsführende Regime, indem sie dem Krieg einen zusätzlichen Sinn verliehen.

Unter dem Eindruck der vielfachen Verbrechen an der Front, in den besetzten Gebieten und im Reich veränderte sich die Perspektive der bischöflichen Äußerungen. Die letztlich euphemistische Vorstellung vom Krieg als aufrichtigem und ehrenvollem Kampf mit dem Gegner wich zusehends einem Entsetzen über das enorme Leiden und Sterben der Soldaten. Sie wurde auch durch den Bombenkrieg gegen die heimische Zivilbevölkerung erschüttert. Die Leiden der Anderen kamen hingegen nur ungenügend in den Blick.

Sowohl im September 1939 als auch danach blieb der offene Protest der deutschen Bischöfe gegen den nationalsozialistischen Vernichtungskrieg aus. Die tradierte kirchliche Sicht des Krieges und das nationale Bewusstsein standen gegen aufkommende Zweifel. Auch gegen die ungeheuerlichen Verbrechen an den als „rassenfremd“ diskriminierten und verfolgten Anderen, insbesondere den Juden, erhob sich in der Kirche in Deutschland kaum eine Stimme. Es bedurfte des Anstoßes durch Patientenmorde und „Klostersturm“, damit einzelne Bischöfe die allzu lange geübte Praxis schriftlicher Eingaben verließen und offenen Widerspruch wagten. Am bekanntesten ist die scharfe Kritik des Münsteraner Bischofs Clemens August Graf von Galen an den Euthanasieverbrechen.

Erst am 19. August 1943 gelang es der Bischofskonferenz, sich zu einem gemeinsamen Hirtenbrief („Über die zehn Gebote als Lebensgesetz der Völker“) durchzuringen, in dem sie die Bindung jeder staatlichen Ordnung an Wahrheit und göttliches Recht, den Schutz von Ehe und Familie, die Rückbindung des Gehorsams an das Gewissen, das bedingungslose Recht auf Leben und den Schutz des Eigentums öffentlich einklagte.

Das änderte aber nichts daran, dass die Soldaten weiterhin zu treuer Pflichterfüllung aufgerufen wurden. Jene Soldaten, für die sich die Kriegserfahrungen von hemmungsloser Gewalt zu existentiellen Fragen nach dem Sinn und nach Gott verdichteten, standen weitestgehend allein. Auch diejenigen, die zweifelten, sich mit dem Gedanken der Desertion trugen oder tatsächlich desertierten, fanden keine Stütze in den Äußerungen der Bischöfe. Sie blieben mit ihren Gewissensnöten allein.

Letztlich fanden die Bischöfe keinen Ausweg aus der Spannung, die sich aus der geteilten Vorstellung patriotischer Verpflichtung im Krieg, der Legitimität staatlicher Obrigkeit, den daraus resultierenden Gehorsamspflichten sowie den offenkundigen Verbrechen ergab. Die christlichen Maßstäbe zur Einordnung des Krieges trugen offenkundig nicht mehr. So blieb der Blick für die Fragen der eigenen Soldaten und das Leid der Anderen verstellt. Die Äußerungen der Bischöfe, bei allen den jeweiligen Persönlichkeiten geschuldeten Nuancen, scheiterten an der Realität der verbrecherischen Gewalt. Sie blieben auf die (illusorische) Verhaltensänderung der politischen Führung, auf die Einhaltung der rechtlichen Vereinbarungen sowie auf die tugendhafte Pflichterfüllung der Geführten, gewissermaßen also auf ein „richtiges Leben im Falschen“ (Adorno), gerichtet. Den teuflischen Verstrickungen in die Verbrechen und den daraus erwachsenen Nöten wurde man damit nicht gerecht.

Mehr noch:  Indem die Bischöfe dem Krieg kein eindeutiges „Nein“ entgegenstellten, sondern die meisten von ihnen den Willen zum Durchhalten stärkten, machten sie sich mitschuldig am Krieg.
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