Zentrum für Dialog und Gebet in Oświęcim

2020-04-29 Deutsche Bischofskonferenz - Deutsche Bischöfe im Weltkrieg

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I. Die Gegenwart der Erinnerung

75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, der vom nationalsozialistischen Deutschland ausging, haben wir immer noch mit den vielfältigen Folgen dieses Krieges für unser Land, für Europa und für die Welt zu tun. Der Krieg und seine Opfer, Verluste und Entbehrungen, Schuld und Scham haben viele Familien über Generationen geprägt. Auch die deutschen Bischöfe erlebten und erleben diese Prägung. Sie haben sich daher seit 1945 wiederholt mit dem Nationalsozialismus und seinen Folgen kritisch auseinandergesetzt. Diese Reflexion war oft schmerzhaft, da es neben der Würdigung der Opfer auch darum gehen musste, Schuld und Versagen zu thematisieren.

Am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg in Europa. Für die große Mehrheit der Deutschen bedeutete dies Kapitulation und Niederlage. Das Kriegsende war verbunden mit Gefühlen der Demütigung und der Angst vor dem Kommenden. Aber auch Scham und Schuld sowie die Erleichterung darüber, dass Krieg und Nationalsozialismus ein Ende gefunden hatten, waren für diesen Tag bezeichnend. Für viele war das Kriegsende auch mit schmerzhaften Vertreibungserfahrungen und dem Verlust ihrer Heimat verbunden. Erst im Laufe der Generationenfolge und der Versöhnung mit unseren Nachbarn wurde der 8. Mai von der Mehrheit der Gesellschaft als ein Tag der Befreiung wahrgenommen und empfunden. Dieser Prozess war in der offenen Gesellschaft der Bundesrepublik von vielen Konflikten geprägt, in denen um das Selbstverständnis der Gesellschaft gerungen wurde.

Die DDR verfolgte in ihrem Umgang mit dem Kriegsende einen anderen Weg als die Bundesrepublik Deutschland, indem sie die Erinnerung politisch im Dienste des Bündnisses mit der Sowjetunion verzweckte. Die SED-Führung stellte sich auf die Seite der sowjetischen Sieger, was sie daran hinderte, sich in angemessener Weise mit den Ambivalenzen und Brüchen der eigenen Erfahrungen auseinanderzusetzen. Das erschwerte die aufrichtige Versöhnung der Deutschen mit ihren Nachbarn und mit sich selbst eher, als dass es sie förderte.

Im Wandel der Erinnerung spiegelt sich bis heute die politisch-kulturelle Transformation Deutschlands seit dem Zweiten Weltkrieg. Die deutsche Erinnerungskultur ist mehrheitlich von dem Bewusstsein geprägt, dass der 8. Mai in einen europäischen Kontext zu stellen und in einer Weise zu begehen ist, die den Entwicklungen seit 1945 Rechnung trägt. Zu diesen Entwicklungen gehört, dass sich die Deutschen mit sich selbst, ihrer schuldbelasteten Vergangenheit sowie ihren Nachbarn weitgehend ausgesöhnt haben. Die Bereitschaft unserer Nachbarn zur Versöhnung ist dabei ein bleibendes Geschenk, für das wir demütig dankbar sind. Die kritische Auseinandersetzung mit unserer Vergangenheit gehört heute zum Selbstverständnis der Bundesrepublik Deutschland. Der Wandel der Erinnerung an den 8. Mai 1945 ist Ausdruck dieses Prozesses. Es ist daher kein Zufall, dass diejenigen, die eine grundlegend andere Gesellschaft und Republik wollen, diesen breiten Konsens fundamental infrage stellen.

Mit Sorge beobachten wir, dass auch außerhalb Deutschlands die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg – insbesondere in der östlichen Hälfte Europas – zu oftmals unwürdigem Streit führt. Dieser hat seine Wurzeln in den andauernden Verwundungen des Zweiten Weltkriegs, aber auch in den darauffolgenden Erfahrungen von Unrecht und Gewalt in der Zeit des Kommunismus. Nicht alle können offensichtlich der Versuchung widerstehen, mittels durchsichtiger Vereinfachungen die gesellschaftlichen Empfindsamkeiten für politische Zwecke zu missbrauchen. Es besteht, um nur ein Beispiel zu nennen, kein Zweifel, dass die Völker der Sowjetunion immense Opfer für den Sieg über den Nationalsozialismus gebracht haben. Aber es gehört genauso zur Wahrheit über den Zweiten Weltkrieg, dass die Sowjetunion den deutschen Angriff auf Polen mit dem Hitler-Stalin-Pakt gefördert und sich selbst an der Zerschlagung Polens beteiligt hat. Zudem ging der Sieg über den Nationalsozialismus im östlichen Europa einher mit der Errichtung einer jahrzehntelangen kommunistischen Gewaltherrschaft. Auch diese Erinnerungen werden am Jahrestag des 8. Mai 1945 gegenwärtig. Das europäische Haus benötigt, damit wir gemeinsam in Frieden in ihm leben können, eine Kultur des Dialogs und des Respekts vor den Leiden der Menschen. Die Tonlagen des Mitgefühls, der Trauer und der Nachdenklichkeit sollten uns stärker bestimmen als die schrillen Töne gegenseitiger Anklage.

Gerade im Sinne dieser Nachdenklichkeit haben wir uns aus Anlass dieses Jahrestages mit dem Verhalten unserer Vorgänger im Amt während des Zweiten Weltkriegs befasst. Wir wurden in dieser Auseinandersetzung nicht zuletzt durch die Klagen bestärkt, dass die katholischen Bischöfe in Deutschland die katholischen Soldaten in ihrer Gewissensnot allein gelassen und sich – mehr noch – am Krieg beteiligt hätten. In der Tat gibt der Blick auf das historische Material viel Anlass zu kritischen Fragen. Es ist uns daher ein Anliegen, diese Periode der Geschichte kritisch zu betrachten und auch Verfehlungen zu benennen. Unsere Haltung ist dabei vom Respekt vor den Opfern sowie dem Bemühen bestimmt, die Gründe für das Handeln unserer Vorgänger zu erkennen und daraus für unser eigenes Wirken zu lernen. Wir sehen uns darin durch das Zeugnis des hl. Papstes Johannes Paul II. bestärkt, der die Kirche in seinem Schuldbekenntnis im Heiligen Jahr 2000 zur Erneuerung und Reinigung ihres Gedächtnisses aufgefordert hat.
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