Zentrum für Dialog und Gebet in Oświęcim

2000-08-25 Polnische Bischofskonferenz - Vergebungs- und Versöhnungsbitte

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Eine der dringendsten Formen der Zusammenarbeit ist die Ausübung des Gebotes der Nächstenliebe. In einer Welt, die zusammenwächst, in der immer häufiger Gläubige verschiedener Religionen nebeneinander wohnen, dienen gegenseitige Achtung, Solidarität und Zusammenarbeit der Entwicklung des gemeinsamen Wohles. Für den Christen ist grundlegend, in das Geheimnis der Menschwerdung Einsicht zu haben, dessen feierliches Jubiläum wir gerade begehen.

In seiner Rede am 23. März 2000 im Päpstlichen Institut Notre Dame in Jerusalem sagte der Papst: Nächstenliebe

„basiert auf der Überzeugung, daß, wenn wir unseren Nächsten lieben, wir unsere Gottesliebe zum Ausdruck bringen, und daß, wenn wir unseren Nächsten verletzen, wir Gott beleidigen. Dies bedeutet, daß die Religion sich gegen jedwede Form von Ausgrenzung und Diskriminierung, von Haß und Rivalität, von Gewalt und Konflikten richtet."

In unseren Beziehungen zu Gläubigen anderer Religionen in Polen wollen wir uns die Worte zu eigen machen, die der Heilige Vater an die Muslime gerichtet hat:

„Wir müssen aus dem Reichtum unserer jeweiligen religiösen Tradition schöpfen und das Bewußtsein verbreiten, daß die Probleme der heutigen Zeit nicht gelöst werden können, wenn wir einander nicht kennen und voneinander getrennt sind. Wir alle wissen um die Mißverständnisse und Konflikte der Vergangenheit, die auch heute noch schwer auf den Beziehungen zwischen Juden, Christen und Muslimen lasten. Wir müssen alles tun, was in unseren Kräften liegt, damit sich das Bewußtsein der vergangenen Kränkungen und Sünden verwandelt in den festen Entschluß zum Aufbau einer neuen Zukunft, in der es zwischen uns nur noch respektvolle und fruchtbare Zusammenarbeit geben wird."

Dieser Wille und diese Aufgabe betrifft auch alle Gläubigen der katholischen Kirche in Polen. Nur eine Haltung des Dialoges ermöglicht ein wirkliches Erkennen dessen, was gut und heilig im Glauben und im Leben anderer Menschen ist, und ein harmonisches Zusammen- arbeiten für unser gemeinsames Wohl. Das Jubiläum ist nach dem Wunsch von Johannes Paul II. eine ausgezeichnete Gelegenheit für „ein fruchtbares Zusammenwirken im gemeinsamen Tun all der vielen Dinge, die uns einen und die sehr viel mehr sind als diejenigen, die uns trennen" (TMA 16).

4. Eine weiterhin drängende und schwierige Aufgabe bleibt der Dialog mit den Nicht- gläubigen. In dieser Hinsicht haben wir in Polen eine spezifische Situation. Wir spüren die Bedingungen und Erbschaften, die für Länder des ehemaligen kommunistischen Blocks charakteristisch sind. Jahrelang wurden wir einer von oben, vom Staat, verordneten Säkularisierung, Indoktrination und Atheisierung unterzogen, die eine große Verwüstung in den Herzen, Gedanken und Gewissen der Menschen hinterlassen hat, ganz zu schweigen von den Opfern an Menschenleben z. B. in der Zeit des Stalinismus. Die Folgen davon werden wir noch lange spüren. Das macht unsere Beziehung zu den Nichtgläubigen nicht leichter, von denen ein Teil aktiv an diesem Prozeß beteiligt war. Wir dürfen jedoch nicht vergessen, daß viele Nichtgläubige sich in der Zeit des Totalitarismus für die Verteidigung der Menschenrechte eingesetzt haben, darunter auch für Religionsfreiheit, und daß lange vor den tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen in unserem Land der Dialog zwischen der Kirche und dem Milieu der laizistischen Humanisten aufgenommen worden war.

Ausdruck für den Willen der Kirche, die Verpflichtungen und Herausforderungen in diesem Bereich neu aufzunehmen, wurde die Veröffentlichung von Hinweisen für die Seelsorger „Nichtgläubige in der Gemeinde" im Sommer 1999. Darin erinnert die Kommission für den Dialog mit den Nichtgläubigen, daß jeder Mensch - unabhängig von seiner Einstellung zum Glauben - ein Kind Gottes ist. Darin besteht seine Größe und Würde.

Viele Menschen, die heute Nichtgläubige sind, waren einmal in der Kirche. Nicht nur einmal wurden sie verletzt und wandten sich entmutigt ab mit dem Gefühl von Unrecht, das ihnen von Vertretern der Kirche angetan worden war. Heute - im Jahr des Großen Jubiläums - schmerzen uns diese Fälle, in denen es Menschen der Kirche an Liebe zu den Nichtgläubigen fehlte. Das erinnert uns daran, daß die Kirche auf Erden von wirklicher, aber noch unvollkommener, Heiligkeit gekennzeichnet ist (KKK 825).

Denken wir auch daran, daß in den Augen der Nichtgläubigen das Bild der Kirche von den gläubigen Menschen geprägt wird. Die richtige Einstellung zu Nichtgläubigen muß sich auf das Evangelium stützen, sich also in Liebe, Geschwisterlichkeit und Achtung ausdrücken. Obwohl die Kirche die Haltung des Atheismus völlig ablehnt, nimmt sie dennoch im Hinblick auf die gemeinsame Sorge um die Welt, in der Gläubige und Ungläubige zusammen leben, den Dialog mit denen auf, die in ihrem Leben eine andere Wahl getroffen haben. Der Schöpfer selbst hat den Menschen in seiner großen Liebe mit Freiheit beschenkt.

Die einen wie die anderen, Gläubige und Nichtgläubige, sind berufen, gemeinsam zu handeln zum Wohl ihrer lokalen Gemeinschaften, des Vaterlandes, der Welt. Die Sorge um die Armen und Bedürftigen, um gesellschaftliche Gerechtigkeit und Frieden, Widerstand gegen gesellschaftliche und wirtschaftliche Ungleichheiten, Sorge um Versöhnung und friedliches Zusammenleben von Menschen verschiedener Kulturen und Weltanschauungen, und auch die Achtung der Würde jeder Frau und jedes Mannes, die Sorge um die Ehe, die Familie, Jugend und Erziehung - das sind beispielhafte Bereiche, die Christen und nichtgläubige Menschen auch in Polen verbinden und einander näher bringen können und sollen.

5. Wir schreiben diese Worte in Anknüpfung an die jahrhundertealte Tradition, ein Polen der Toleranz und gegenseitiger Fürsorge zu bauen, zu der die Kirche einen großen Beitrag geleistet hat. Weil sie jedoch in der ferneren und näheren Vergangenheit schweren Prüfungen unterlegen war, bitten wir diejenigen um Vergebung, die - unter welchen Umständen auch immer - von unserer Seite Unverständnis, Ablehnung oder Leiden erfahren haben, was aus unserem Vergessen der grundlegenden Wahrheit entstanden ist, daß wir alle Kinder des einen Gottes sind. Wir tun das nicht aus politischen Gründen und nicht um irgendwelcher anderer gelegentlicher Ziele oder Nutzen, sondern aus einem tiefen Bedürfnis des Herzens, das aus evangelischen Motiven erwächst. Auf diese Weise antworten wir auf den Appell von Johannes Paul II.,

„daß die Kirche, gestärkt durch die Heiligkeit, die sie von ihrem Herrn empfängt, in diesem Jahr der Barmherzigkeit vor Gott niederkniet und von ihm Vergebung für die Sünden ihrer Kinder aus Vergangenheit und Gegenwart erfleht" (Bulle Incarnationis Mysterium, 11).

Wir tun das in der Hoffnung, daß unsere Haltung und Gesten richtig verstanden und angenommen werden als Appell an Gott und die Menschen um Versöhnung, um Zusammenarbeit in allen Angelegenheiten, die Menschen guten Willens verbinden.

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Polnischer Wortlaut in: katolicka agencja informacyjna vom 25. August 2000.
Übersetzt aus dem Polnischen von Manfred Deselaers.

Anmerkung

1) Damit ist das bereits im Text angesprochene öffentliche Schuldbekenntnis des Primas von Polen gemeint. Polens Kardinal-Primas Josef Glemp hatte am 20. Mai 2000 in Warschau im Rahmen einer umfangreichen Predigt vor versammelter Bischofskonferenz ein öffentliches Bekenntnis abgelegt. Unter anderem sagte er: „Ich bereue das Verhalten der Geistlichen, die die Liebe zu den Menschen verloren haben and ihr privates Leben ausbauten, indem sie viel reisten oder sich bequeme Wohnungen einrichteten, anstatt ihre ganze Zeit den Armen and besonders der Jugend zu widmen. Der Verlust der Liebe zu den Menschen zeigte sich manchmal in Geringschätzung von Personen anderen Bekenntnisses oder im Tolerieren von Erscheinungen von Antisemitismus. Ich bitte um Vergebung für die, die nicht treu ihre Verpflichtung erfüllen, besonders ihre seelsorgerischen oder erzieherischen, and den Religionsunterricht vernachlässigen." Den grundsätzlichen Sinn eines Bekenntnisaktes der Kirche hatte Kardinal Glemp bereits in einer Predigt am 14. Mai 2000 in Krakau behandelt.


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