Zentrum für Dialog und Gebet in Oświęcim

1989-08-27 Johannes Paul II - Apostolisches Schreiben zum 50. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkrieges

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Abrüstung
9. Eine der wesentlichen Bedingungen für dieses „Zusammenleben“ ist jedoch die Abrüstung.
Die fürchterlichen Prüfungen, welche Soldaten und Zivilbevölkerung zur Zeit des Zweiten Weltkrieges erduldeten, müssen die Verantwortlichen der Nationen dazu antreiben, alles zu tun, daß man unverzüglich zur Erarbei­tung von Prozessen der Kooperation, der Kontrolle und der Abrüstung gelangt, die den Krieg undenkbar machen. Wer wollte es noch wagen, den Gebrauch von grausamsten Waffen, welche die Menschen töten und ihre Werke zerstören, zu rechtfertigen, um Streitfälle zwischen den Staaten zu lösen? Wie ich bei anderer Gelegenheit gesagt habe, „ist der Krieg in sich selbst irrational, und... der ethische Grundsatz, Konflikte friedlich zu regeln, ist der einzige Weg, der des Menschen würdig ist“.[5]
Deshalb müssen wir unbedingt die Verhandlungen ermutigen, die zur Zeit für die Abrüstung nuklearer und konventioneller Waffen sowie für die völ­lige Ächtung chemischer und anderer Waffen stattfinden. Der Heilige Stuhl hat schon mehrmals erklärt, daß er es für notwendig hält, daß sich die Verhandlungsparteien wenigstens auf ein möglichst niedriges Waffenni­veau verständigen, das mit ihren Bedürfnissen an Sicherheit und Verteidi­gung vereinbar ist.
Diese hoffnungsvollen Initiativen haben allerdings nur dann Aussicht auf Erfolg, wenn sie getragen und begleitet sind von der Bereitschaft, die Zusammenarbeit ebenso auf anderen Gebieten, vor allem im Bereich von Wirtschaft und Kultur, zu verstärken. Die jüngste Versammlung der Kon­ferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, die kürzlich in Paris zum Thema der „menschlichen Dimension“ stattgefunden hat, hat das Ver­langen der Länder in beiden Teilen Europas offenkundig gemacht, überall die Ordnung des Rechtsstaates errichtet zu sehen. Diese Staatsform erscheint ja in der Tat als der beste Garant für die Rechte der Person ‑ darunter das Recht auf Religionsfreiheit ‑, deren Achtung ein unersetzli­cher Faktor für den sozialen und internationalen Frieden ist.
Erziehung der jungen Generationen
10. Durch die Irrtümer und Fehler der Vergangenheit klug geworden, haben die Europäer von heute schließlich die Pflicht, an die jungen Genera­tionen einen Lebensstil und eine Kultur weiterzugeben, die von Solidarität und Achtung vor dem Nächsten getragen sind. In dieser Hinsicht müßte das Christentum, das die geistigen Werte dieses Kontinents so tief geprägt hat, eine Quelle ständiger Inspiration sein: Seine Lehre von der Person, die nach dem Bilde Gottes erschaffen ist, kann gewiß zum Erstarken eines erneuer­ten Humanismus beitragen.
In der unvermeidlichen sozialen Auseinandersetzung, bei der unterschiedli­che Auffassungen von der Gesellschaft aufeinandertreffen, sind es sich die Erwachsenen schuldig, ein Beispiel für die Achtung des Nächsten zu geben, indem sie jeweils den Teil der Wahrheit anerkennen, der sich beim andern findet.
In einem Kontinent mit vielen Kontrasten muß man beständig lernen, sich unter den Personen, Volksgruppen und Ländern mit unterschiedlicher Kul­tur, Religion oder Sozialordnung gegenseitig anzunehmen. Die Erzieher und die Medien spielen in dieser Hinsicht eine grundlegende Rolle. Leider muß man feststellen, daß die Erziehung zur Achtung vor der Würde der Person, die nach Gottes Bild erschaffen ist, ganz sicher nicht gefördert wird durch Darbietungen von Gewalt und Unmoral, wie sie die sozialen Kom­munikationsmittel allzuoft verbreiten: Das sich heranbildende Gewissen junger Menschen wird dabei verunsichert und der moralische Sinn der Erwachsenen abgestumpft.
Förderung ethischer Werte im öffentlichen Leben
11. Das öffentliche Leben kann nicht auf ethische Kriterien verzichten. Der Friede wird zuallererst auf dem Feld menschlicher Werte gewonnen, die von den Bürgern und Völkern gelebt und weitergegeben werden. Wenn das moralische Gewebe einer Nation brüchig wird, ist alles zu befürchten.
Die wache Erinnerung an die Vergangenheit müßte uns heutige Zeitgenos­sen aufmerksam machen für die stets möglichen Mißbräuche im Umgang mit der Freiheit, welche die Generation dieser Epoche zum Preis so vieler Opfer errungen hat. Das empfindliche Gleichgewicht des Friedens könnte in Gefahr geraten, wenn in den Herzen erneut solche Übel erwachten wie Rassenhaß, Fremdenverachtung, Ausgrenzung der Kranken und Alten, Ausschluß der Armen, Anwendung von privater und kollektiver Gewalt. Aufgabe der Bürger ist es, unter den politischen Entwürfen diejenigen her­ausfinden zu können, die sich an Vernunft und moralischen Werten aus­richten; den Staaten kommt es zu, darauf zu achten, daß die Ursachen für Verbitterung oder Ungeduld dieser oder jener benachteiligten Gruppe der Gesellschaft eingegrenzt werden.
Appell an Europa
12. Euch, den Staatsmännern und Verantwortlichen der Nationen, bekun­de ich noch einmal meine tiefe Überzeugung, daß die Achtung vor Gott und die Achtung vor den Menschen zusammengehören. Sie stellen das absolut notwendige Prinzip dar, das es den Staaten und politischen Blöcken ermöglichen wird, ihre Gegensätze zu überwinden.
Insbesondere können wir nicht Europa vergessen, wo jener schreckliche Krieg entstanden ist und das sechs Jahre lang eine wahre „Passion“ durch­lebt hat, bei der es zerstört wurde und ausgeblutet ist. Nach 1945 sind wir Zeugen und Teilnehmer an lobenswerten und erfolgreichen Anstrengungen geworden, um Europa in materieller wie geistiger Hinsicht wieder aufzu­bauen.
Gestern hat dieser Kontinent den Krieg exportiert; heute kommt es ihm zu, „Baumeister des Friedens“ zu sein. Ich habe das Vertrauen, daß die Bot­schaft von Humanismus und Befreiung, ein Erbe seiner christlichen Geschichte, die Völker noch immer zu befruchten vermag und auch weiter­hin in der Welt aufleuchten wird.
Ja, Europa, alle schauen auf dich, weil sie sich bewußt sind, daß du immer noch eine Botschaft zu verkünden hast, nach dem Schiffbruch jener Jahre des Feuers: daß wahre Zivilisation nicht in der Gewalt liegt; daß sie viel­mehr die Frucht des Sieges über sich selbst darstellt, über die Mächte von Ungerechtigkeit, Egoismus und Haß, die den Menschen sogar ganz und gar entstellen können.
Botschaft an die Katholiken
13. Zum Schluß möchte ich mich in ganz besonderer Weise an die Hirten und Gläubigen der katholischen Kirche wenden.
Wir haben uns soeben an einen der mörderischsten Kriege der Geschichte erinnert, der auf einem Kontinent mit christlicher Tradition entstanden ist. Eine solche Feststellung muß uns zu einer Gewissensprüfung über die Qua­lität der Evangelisierung Europas anspornen. Der Verfall der christlichen Werte, der die Irrtümer von gestern begünstigt hat, muß uns dafür wach­sam machen, wie das Evangelium heute verkündet und gelebt wird.
Wir müssen leider beobachten, daß der moderne Mensch in vielen Berei­chen seiner Existenz denkt, lebt und wirkt, als ob es Gott nicht gebe. Dort liegt dieselbe Gefahr wie gestern: der Mensch, der Macht des Menschen ausgeliefert.
Während Europa zur Zeit dabei ist, eine neue Gestalt anzunehmen, wäh­rend in gewissen Ländern seines mittleren und östlichen Teils positive Ent­wicklungen stattfinden und die Verantwortlichen der Nationen zur Lösung der großen Probleme der Menschheit immer mehr zusammenarbeiten, ruft Gott seine Kirche dazu auf, ihren eigenen Beitrag zum Kommen einer brü­derlicheren Welt zu leisten.
Zusammen mit den anderen christlichen Kirchen wollen wir, trotz unserer noch unvollkommenen Einheit, der Menschheit von heute erneut verkün­den, daß der Mensch nur dann „wahr“ ist, wenn er sich als Kreatur von Gott her empfängt; daß der Mensch nur dann seiner Würde bewußt ist, wenn er in sich selbst und in den anderen das Siegel Gottes erkennt, der ihn nach seinem Bild erschaffen hat; daß er nur in dem Maße „groß“ ist, wie er aus seinem Leben eine Antwort auf die Liebe Gottes macht und sich dem Dienst an seinen Brüdern widmet.
Gott verzweifelt nicht am Menschen. Christen, auch wir dürfen nicht am Menschen verzweifeln; denn wir wissen, daß er stets größer ist als seine Irr­tümer und Fehler.
In Erinnerung an die vom Herrn einst ausgerufene Seligpreisung: „Selig, die Frieden stiften!“ (Mt 5, 9), möchten wir alle Menschen einladen, um Dessentwillen, der mit seinem Leib ein für allemal „die Feindschaft getötet hat“ (Eph 2,16), einander zu vergeben und zu dienen.
Maria, der Königin des Friedens, vertraue ich diese Menschheit an und empfehle ihrer mütterlichen Fürsprache die Geschichte, an der wir mitwir­ken.
Damit die Welt niemals mehr die Unmenschlichkeit und Barbarei erfahren muß, die sie vor fünfzig Jahren verwüstet haben, wollen wir ohne Unterlaß unseren Herrn Jesus Christus verkünden, „durch den wir jetzt schon die Versöhnung empfangen haben“ (Röm 5,11), das Unterpfand der Versöh­nung aller Menschen miteinander!
Sein Friede und sein Segen seien mit euch allen!
Joannes Paulus PP. II
Aus dem Vatikan, am 27. August 1989, im elften Jahre meines Pontifika­tes.
 
[1] Radiobotschaft vom 24. August 1939: AAS, 31 (1939), S. 334.
[2] Actes et Documents du Saint-Siège relatifs à la seconde guerre mondiale, Libreria editrice Vaticana,1970, Vol. 1, S. 455.
[3] AAS, 37 (1945), S.166.
[4] 14. März 1937: AAS, 29 (1937), S.149 und S.171.
 
[5] Botschaft zum Weltfriedenstag, 8. Dezember 1983, Nr. 4: AAS, 76 (1984), S. 295.

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