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1989-08-27 Johannes Paul II - Apostolisches Schreiben zum 50. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkrieges

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Apostolisches Schreiben von Papst Johannes Paul II.
zum 50. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkrieges



 



An meine Brüder im Bischofsamt,
an die Priester und die Ordensfamilien,
an die Söhne und Töchter der Kirche,
an die Regierungen,
an alle Menschen guten Willens


 


Die Stunde der Dunkelheit
1. „Du hast mich ins tiefe Grab gebracht, tief hinab in finstere Nacht“ (Ps 88, 7). Wieviele Male hat dieser Aufschrei des Leids sich nicht aus den Her­zen von Millionen von Frauen und Männern erheben müssen, die vom 1. September 1939 bis zum Ende des Sommers 1945 von einer der zerstöre­rischsten und unmenschlichsten Tragödien unserer Geschichte heimgesucht worden sind!
Während Europa noch unter dem Schock der Gewaltakte stand, die durch das Reich verübt worden waren und zum Anschluß von Österreich, zur Zerstückelung der Tschechoslowakei und zur Eroberung von Albanien geführt hatten, sah Polen sich am ersten Tag des Monats September 1939 vom Westen durch den Einmarsch der deutschen Truppen überfallen und am 17. desselben Monats vom Osten durch den der Roten Armee. Die Ver­nichtung des polnischen Heeres und das Martyrium eines ganzen Volkes sollten leider nur das Vorspiel für das Schicksal werden, das bald zahlrei­chen europäischen Völkern und in der Folge vielen anderen im größten Teil der fünf Kontinente zuteil werden würde.
Seit 1940 besetzten die Deutschen nämlich Norwegen, Dänemark, Holland, Belgien und die Hälfte von Frankreich. Während dieser Zeit annektierte die Sowjetunion, nachdem sie sich schon durch einen Teil von Polen vergrö­ßert hatte, Estland, Lettland und Litauen und nahm von Rumänien Bes­sarabien und gewisse Territorien von Finnland in Besitz.
Dann begannen der Krieg und die menschlichen Dramen, die ihn unerbitt­lich begleiten, wie ein um sich greifendes zerstörerisches Feuer schnell die Grenzen des „alten Kontinents“ zu überschreiten, um „weltweit“ zu wer­den. Einerseits trugen Deutschland und Italien die Kämpfe über den Balkan hinaus und in das an das Mittelmeer angrenzende Afrika, andererseits marschierten die deutschen Truppen in Rußland ein. Schließlich stürzten die Japaner durch die Zerstörung von Pearl Harbour die Vereinigten Staa­ten in den Krieg an der Seite von England. Das Jahr 1941 ging zu Ende.
Man mußte bis 1943 warten, bis mit dem Erfolg der russischen Gegenoffen­sive, die die Stadt Stalingrad aus der deutschen Umklammerung befreite, eine Wende in der Geschichte des Krieges eintrat. Den alliierten Mächten einerseits und den sowjetischen Truppen andererseits gelang es schließlich um den Preis erbitterter Kämpfe, die von Ägypten bis Moskau Millionen von schutzlosen Menschen unter der Zivilbevölkerung unsagbares Leid zufügten, Deutschland zu besiegen. Am 8. Mai 1945 bot dieses seine bedin­gungslose Kapitulation an.
Aber der Kampf ging weiter im Pazifik. Um seine Beendigung zu beschleu­nigen, wurden am Beginn des Monats August desselben Jahres zwei Atom­bomben auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki geworfen. Am folgenden Tag nach diesem entsetzlichen Geschehen präsentierte auch Japan seinerseits sein Kapitulationsgesuch. Es war der 10. August 1945. Kein anderer Krieg hat so sehr den Namen „Weltkrieg“ verdient. Er war auch ein totaler Krieg. Denn man darf nicht vergessen, daß sich zu den Kriegshandlungen zu Lande auch Luftkämpfe und Seeschlachten auf allen Weltmeeren hinzugesellten. Ganze Städte wurden das Opfer schonungslo­ser Zerstörung, die die verstörte Bevölkerung in Furcht und Elend stürzte. Rom selbst wurde bedroht. Die Intervention von Papst Pius XII. verhin­derte es, daß die Stadt zum Kampfplatz wurde.
Dies ist das düstere Bild der Ereignisse, deren wir heute gedenken. Sie verur­sachten den Tod von fünfundfünfzig Millionen Menschen, hinterließen die Sieger gespalten und ein Europa, das wieder neu aufgebaut werden mußte.
Sich erinnern
2. Fünfzig Jahre danach haben wir die Pflicht, uns vor Gott dieser dramati­schen Tatsachen zu erinnern, um die Toten zu ehren und all denen unsere Anteilnahme zu bekunden, die diese Flut der Grausamkeit in ihren Herzen und Körpern verwundet hat, indem wir zugleich die Beleidigungen verzei­hen.
In meiner pastoralen Sorge für die ganze Kirche und besorgt um das Wohl der ganzen Menschheit, konnte ich diesen Jahrestag nicht verstreichen las­sen, ohne die Brüder im Bischofsamt, die Priester und die Gläubigen sowie alle Menschen guten Willens dazu einzuladen, über den Prozeß nachzuden­ken, der diesen Konflikt bis an den Abgrund der Unmenschlichkeit und der Trostlosigkeit geführt hat.
Wir haben nämlich die Pflicht, aus dieser Vergangenheit eine Lehre zu zie­hen, auf daß sich das Bündel der Ursachen nie wiederholen kann, die imstande wären, einen ähnlichen Weltbrand neu zu entfachen.
Wir wissen es inzwischen aus Erfahrung, daß die willkürliche Teilung von Nationen, die zwangsweise Umsiedlung von Volksgruppen, die unbegrenzte Wiederaufrüstung, der unkontrollierte Gebrauch hochtechnisierter Waf­fen, die Verletzung der Grundrechte der Personen und Völker, die Nichtbe­achtung der internationalen Verhaltensregeln sowie die Auferlegung von totalitären Ideologien nur zum Ruin der Menschheit führen können.
Initiativen des Heiligen Stuhles
3. Vom Beginn seines Pontifikates an, am 2. März 1939, hat es Papst Pius XII. nicht unterlassen, zum Frieden aufzurufen, den alle übereinstimmend als ernsthaft gefährdet betrachteten. Einige Tage vor dem Ausbruch der Feindseligkeiten, am 24. August 1939, hat er warnende Worte gesprochen, deren Echo noch widerhallt: „Wiederum schlägt eine schwere Stunde für die große Menschheitsfamilie... Die Gefahr ist imminent, aber es ist noch Zeit. Nichts ist verloren mit dem Frieden. Alles kann verloren sein mit dem Krieg.“[1]
Leider ist die Warnung dieses großen Papstes nicht gehört worden, und das Unglück ist eingetreten. Nachdem der Heilige Stuhl nicht dazu beitragen konnte, den Krieg zu verhindern, hat er sich ‑ im Rahmen seiner Möglich­keiten ‑ darum bemüht, seine Ausdehnung einzuschränken. Der Papst und seine Mitarbeiter haben sich sowohl auf diplomatischer Ebene wie auch im humanitären Bereich unermüdlich dafür eingesetzt, ohne sich dazu verleiten zu lassen, im Konflikt Partei zu ergreifen, der Völker verschiede­ner Ideologien und Religionen entzweite. Bei diesen Bemühungen trugen sie auch dafür Sorge, daß die Lage der Völker, die außergewöhnlichen Prüfun­gen ausgesetzt waren, nicht erschwert und ihre Sicherheit nicht beeinträch­tigt wurden. Hören wir noch einmal Papst Pius XII., als er zu dem, was sich in Polen ereignete, sagte: „Wir müßten feurige Worte gegen solche Geschehnisse sagen; der einzige Grund, der uns davon abrät, ist das Wissen darum, daß, wenn wir reden, wir die Lage jener Unglücklichen noch schwe­rer machen würden“.[2]
Einige Monate nach der Konferenz von Jalta (1. ‑ 11. Februar 1945), als der Krieg in Europa gerade beendet war, hat derselbe Papst in seiner Ansprache an das Kardinalskollegium am 2. Juni 1945 es nicht unterlassen, seine Aufmerksamkeit auf die Zukunft der Welt zu richten und den Sieg des Rechtes zu fordern: „Die Nationen, besonders die kleinen und die von mittlerer Größe, verlangen, daß es ihnen gestattet wird, ihr eigenes Schick­sal in die Hand zu nehmen. Sie können dazu bewogen werden, nach ihrem freien Ermessen und im Interesse des gemeinsamen Fortschritts Verpflich­tungen zu übernehmen, die ihre souveränen Rechte beeinträchtigen. Nach­dem sie aber zur Vernichtung des Systems brutaler Gewalt ihren Teil, ihren großen Teil an Opfern beigetragen haben, haben sie das Recht, es nicht zu dulden, daß ihnen ein neues politisches oder kulturelles System aufgezwun­gen wird, das die große Mehrheit ihrer Bevölkerung entschieden ablehnt... Im Grunde ihres Gewissens fühlen die Völker, daß ihre politischen Führer sich in Mißkredit bringen, wenn sie dem Wahnsinn einer Vorherrschaft der Gewalt nicht den Sieg des Rechtes folgen lassen“.[3]
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