Zentrum für Dialog und Gebet in Oświęcim

1965-11-18 Botschaft der polnischen an die deutschen Bischöfe

Strona: 4

Die Antwort der deutschen Bischöfe an die polnischen Bischöfe
vom 5. Dezember 1965

 

Hochwürdigste Mitbrüder im bischöflichen Amt!

Mit Bewegung und Freude haben wir Ihre Botschaft vom 18. No­vember dieses Jahres und Ihre freundliche Einladung zur Tausend­jahrfeier der Christianisierung des polnischen Volkes empfangen. Wir betrachten es als eine kostbare Frucht unserer gemeinsamen Konzilsarbeit, daß Sie dieses Wort an uns richten konnten. Dankbar greifen wir es auf und hoffen, den begonnenen Dialog in Polen und in Deutschland miteinander fortsetzen zu können. Mit Gottes Hilfe wird dieses Gespräch die Brüderlichkeit zwischen dem polnischen und dem deutschen Volk fördern und festigen.
Wir sind uns bewußt, wie schwer es für viele Christen in Europa war und noch ist, nach den Schrecken des Zweiten Weltkrieges die fun­damentale Wahrheit unseres Glaubens mit ganzem Herzen festzu­halten, daß wir Kinder des himmlischen Vaters und Brüder in Chri­stus sind. Diese christliche Brüderlichkeit fand im Jahre 1948 beim Kölner Domjubilämn durch den Besuch französischer und engli­scher Kardinäle und Bischöfe ihren ersehnten Ausdruck. So möge auch im kommenden Jahr das Millenium der Taufe Polens ein sol­ches Zeichen werden.
Sie haben uns in Ihrem Schreiben, ehrwürdige Brüder, in Erinne­rung gerufen, mit wie vielen Banden das polnische Volk seit Jahr­hunderten an das christliche Europa gebunden ist und welche Rolle es in der Geschichte dieses christlichen Europa gespielt hat ‑ und so, so hoffen wir, auch weiterhin spielen wird. Sie hatten dabei die Großherzigkeit, aus all diesen Jahrhunderten zunächst und vor al­lem Beispiele zu erwähnen, die sowohl Ihrem wie auch unserem Volke zur Ehre gereichen, Beispiele gemeinsamer Arbeit, aufrichti­ger Achtung, fruchtbaren Austausches und gegenseitiger Förderung, obwohl dies alles hätte zurücktreten können angesichts des Un­rechts und des Leides, das das polnische Volk im Laufe der Ge­schichte zu tragen hatte. Es ist ein tröstlicher Hinweis auf die von uns erhoffte und mit allen Mitteln zu erstrebende Zukunft, wenn Sie uns daran erinnern, wie die polnische Kirche im Mittelalter über alle Grenzen hinweg mit deutschen Städten, Gemeinden und Orden in vielfältigem Austausch gestanden hat. Es berührt uns tief, daß wir in der Verehrung der heiligen Hedwig vereint sind, die deutschen Geblütes und doch ‑ wie Sie schreiben ‑ die größte Wohltäterin des polnischen Volkes im 13. Jahrhundert war. Diese hellen Seiten des polnisch‑deutschen Verhältnisses in der Geschichte verdanken wir ohne Zweifel unserem gemeinsamen christlichen Glauben. Wir sind daher überzeugt und mit Ihnen, ehrwürdige Brüder, darin einig: Wenn wir über alle Unterschiede hinweg Brüder Christi sein wollen, wenn wir Bischöfe, wie es bei diesem Konzil deutlich wurde, zuerst und vor allem das Kollegium der Hirten sein wollen, die dem einen Volke Gottes dienen, und wenn wir so auch unsere Teilkirchen füh­ren, dann müssen die Schatten weichen, die leider noch immer über unseren beiden Völkern liegen.
Furchtbares ist von Deutschen und im Namen des deutschen Volkes dem polnischen Volke angetan worden. Wir wissen, daß wir Folgen des Krieges tragen müssen, die auch für unser Land schwer sind. Wir verstehen, daß die Zeit der deutschen Besatzung eine brennende Wunde hinterlassen hat, die auch bei gutem Willen nur schwer heilt. Um so mehr sind wir dankbar, daß Sie angesichts dieser Tatsache mit wahrhaft christlicher Großmut anerkennen, wie in der Zeit des Na­tionalsozialismus auch ein großer Teil der deutschen Bevölkerung unter schwerem Gewissensdruck gestanden hat. Wir sind dankbar, daß Sie auch angesichts der Millionen polnischer Opfer jener Zeit sich an die Deutschen erinnern, die dem Ungeist widerstanden und zum Teil ihr Leben hingegeben haben. Es ist uns ein Trost, daß viele unserer Priester und Gläubigen in jener Nacht des Hasses betend und opfernd für das entrechtete polnische Volk eingetreten sind und für diese christliche Liebe Gefängnis und Tod auf sich genommen haben. Wir sind dankbar, daß Sie neben dem unermeßlichen Leid des polnischen Volkes auch des harten Loses der Millionen vertrie­bener Deutscher und Flüchtlinge gedenken.
Eine Aufrechnung von Schuld und Unrecht ‑ darin sind wir einer Meinung ‑ kann uns freilich nicht weiterhelfen. Wir sind Kinder des gemeinsamen himmlischen Vaters. Alles menschliche Unrecht ist zunächst eine Schuld vor Gott, eine Verzeihung muß zunächst von ihm erbeten werden. An ihn richtet sich zuerst die Vaterunserbitte "Vergib uns unsere Schuld!" Dann dürfen wir auch ehrlichen Her­zens um Verzeihung bei unseren Nachbarn bitten. So bitten auch wir zu vergessen, ja wir bitten zu verzeihen. Vergessen ist eine menschliche Sache. Die Bitte um Verzeihung ist ein Anruf an jeden, dem Unrecht geschah, dieses Unrecht mit den barmherzigen Augen Gottes zu sehen und einen neuen Anfang zuzulassen.
Dieser Anfang ist besonders belastet durch die bitteren Folgen des von Deutschland begonnenen und verlorenen Krieges. Millionen von Polen mußten aus dem Osten in die ihnen zugewiesenen Ge­biete übersiedeln. Wir wissen wohl, was darum für das heutige Polen diese Gebiete bedeuten. Aber auch Millionen Deutsche mußten ihre Heimat verlassen, in der ihre Väter und Vorfahren lebten. Diese wa­ren nicht als Eroberer in das Land gezogen, sondern im Laufe der Jahrhunderte durch die einheimischen Fürsten gerufen worden. Deshalb müssen wir Ihnen in Liebe und Wahrhaftigkeit sagen: Wenn diese Deutschen von "Recht auf Heimat" sprechen, so liegt darin ‑ von einigen Ausnahmen abgesehen ‑ keine aggressive Ab­sicht. Unsere Schlesier, Pommern und Ostpreußen wollen damit sa­gen, daß sie Rechtens in ihrer alten Heimat gewohnt haben und daß sie dieser Heimat verbunden bleiben. Dabei ist ihnen bewußt, daß dort jetzt eine junge Generation heranwächst, die das Land, das ih­ren Vätern zugewiesen wurde, ebenfalls als ihre Heimat betrachtet. Christliche Liebe versucht, sich jeweils in die Sorgen und Nöte des anderen hineinzuversetzen und so Spannungen und Grenzen zu überwinden. Sie will den Ungeist des Hasses, der Feindschaft und des Revanchismus ausmerzen. So wird sie dazu beitragen, daß alle unseligen Folgen des Krieges in einer nach allen Seiten befriedigen­den und gerechten Lösung überwunden werden. Sie dürfen über­zeugt sein, daß kein deutscher Bischof etwas anderes will und jemals etwas anderes fördern wird als das brüderliche Verhältnis beider Völ­ker in voller Aufrichtigkeit und ehrlichem Dialog.
Zu solcher Brüderschaft des guten Willens kann uns die Erfahrung des Konzils Mut machen. Auch beim Konzil waren die Wege nicht immer überschaubar. Nicht immer leuchtete das Ziel klar und deut­lich, und oft standen die Väter zögernd an Wegkreuzungen, aber dann wurde uns durch Gottes Gnade ein Weg gezeigt und manch­mal eine überraschende Lösung geschenkt. So hoffen wir mit Ihnen, daß Gott auch unseren beiden Völkern in Zukunft Lösungen zeigen wird, wenn wir ihm Beweise unseres guten Willens geben. Als Zeichen unseres guten Willens, ehrwürdige Brüder, wollen wir, in auf­richtiger Dankbarkeit für Ihre Einladung, als Pilger zu Ihrem Ma­rienheiligtum nach Tschenstochau kommen und Anteil nehmen an Ihrer und Ihres ganzen Volkes Freude. Wir wollen mit Ihnen an den Heiligtümern beten, wo das polnische Volk sich oft und besonders in der heutigen Zeit Kraft und Segen von Gott erbittet. Wir verspre­chen, unsere Gläubigen aufzufordern, sich im kommenden Marien­monat mit unserem und Ihrem Gebet zu vereinen.
Wir wollen alles tun, daß diese Verbindung nicht mehr abreißt. Im Jahr 1968 wird der Deutsche Katholikentag in Essen stattfinden. Im gleichen Jahr begeht das Bistum Meißen die Tausendjahr­feier seiner Gründung. Es wäre für uns und unsere Gläubigen eine große Freude, bei diesen Gelegenheiten polnische Bischöfe begrü­ßen zu dürfen. Bei unseren Einladungen haben wir mit Ihnen den Wunsch, daß die Begegnung der Bischöfe und der begonnene Dialog sich fortsetzen möge in allen Lebensbereichen unserer beiden Völ­ker. Alle Schritte, die diesem Ziel dienen können, werden wir von Herzen begrüßen. Darum erfüllen wir auch mit Freude Ihre Bitte, Ihren besonderen Gruß unseren evangelischen Brüdern in Deutsch­land zu übermitteln. Darüber hinaus dürfen wir uns in unseren Be­mühungen um gegenseitiges Verständnis einig wissen mit allen Menschen guten Willens.

Hochwürdigste Brüder! Das Konzil hat uns zusammengeführt an heiliger Stätte zu gemeinsamer Arbeit und gemeinsamem Gebet. Die Grotten von St. Peter bergen die kleine Kapelle der Tschensto­chauer Madonna. Dort fanden wir auch das Bild der heiligen Hed­wig, die Ihr Volk besonders verehrt und die Sie "als den besten Aus­druck eines christlichen Brückenbaues zwischen Polen und Deutschland" ansehen.
Von dieser großen Heiligen wollen wir lernen, uns in Ehrfurcht und Liebe zu begegnen. Am Schluß Ihres Schreibens stehen die kostba­ren Worte, die für unsere beiden Völker eine neue Zukunft eröffnen können: "Wir strecken unsere Hände zu Ihnen hin in den Bänken des zu Ende gehenden Konzils, gewähren Vergebung und bitten um Vergebung." Mit brüderlicher Ehrfurcht ergreifen wir die dargebote­nen Hände. Der Gott des Friedens gewähre uns auf die Fürbitte der "regina pacis", daß niemals wieder der Ungeist des Hasses unsere Hände trenne!

 

Rom, 5. Dezember 1965

Die Namen der deutschen Unterzeichner:
Jos. Card. Frings, Erzbischof von Köln
Julius Card. Döpfner, Erzbischof von München und Freising
Lorenz Card. Jaeger, Erzbischof von Paderborn
Josef Schneider, Erzbischof von Bamberg
Hermann Schäufele, Erzbischof von Freiburg
Alfred Bengsch, Erzbischof, Bischof von Berlin
Joseph Schröffer, Bischof von Eichstätt
Franz Hengsbach, Bischof von Essen
Adolf Bolte, Bischof von Fulda
Hermann Volk, Bischof von Mainz
Rudolf Graber, Bischof von Regensburg
Isidor Marcus Emanuel, Bischof von Speyer
Carl Jos. Leiprecht, Bischof von Rottenburg
Josef Stangl, Bischof von Würzburg
Wilhelm Kempf, Bischof von Limburg
Matthias Wehr, Bischof von Trier
Josef Stimpfle, Bischof von Augsburg
Heinrich Maria Janssen, Bischof von Hildesheim
Helmut Hermann Wittler, Bischof von Osnabrück
Johannes Pohlschneider, Bischof von Aachen
Otto Spülbeck, Bischof von Meißen
Joseph Höffner, Bischof von Münster
Gerhard Schaffran, Bischof und Kapitelsvikar in Görlitz
Heinrich Pachowiak, Weihbischof in Hildesheim
Walter Kampe, Weihbischof in Limburg
Johannes v. RudIoff, Weihbischof in Hamburg
Augustinus Frotz, Weihbischof in Köln
Eduard Schick, Weihbischof in Fulda
Hugo Aufderbeck, Weihbischof in Erfurt
Joseph Buchkremer, Weihbischof in Aachen
Heinrich Tenhumberg, Weihbischof in Münster i.W.
Alfons Kempf, Weihbischof in Würzburg
Julius Angerhausen, Weihbischof in Essen
Karl Gnädinger, Weihbischof in Freiburg
Joseph Zimmermann, Weihbischof in Augsburg
Carl Schmidt, Weihbischof in Trier
FriedrichRintelen,Weihbischof in Magdeburg 
Josephus Hiltl, Weihbischof in Regensburg
Wilhelm Cleven, Weihbischof in Köln
Bernardus Stein, Weihbischof in Trier
Bernhard Schräder, Weihbischof in Schwerin
K Josef Maria Reuss, Weihbischof in Mainz


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