Zentrum für Dialog und Gebet in Oświęcim

1965-11-18 Botschaft der polnischen an die deutschen Bischöfe

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Hirtenbrief der polnischen Bischöfe an ihre deutschen Amtsbrüder
vom 18. November 1965

und die Antwort der deutschen Bischöfe
vom 5. Dezember 1965

Hochwürdige Konzilsbrüder!

Es sei uns gestattet, ehrwürdige Brüder, ehe das Konzil sich verab­schiedet, unseren nächsten westlichen Nachbarn die freudige Bot­schaft mitzuteilen, daß im nächsten Jahr ‑ im Jahre des Herrn 1966 ‑ die Kirche Christi in Polen und mit ihr zusammen das gesamte pol­nische Volk das Millenium seiner Taufe und damit auch die Tau­sendjahrfeier seines nationalen und staatlichen Bestehens begehen wird.
Wir laden Sie hiermit in brüderlicher, aber auch zugleich in feierlich­ster Weise ein, an den Kirchenfeiern des polnischen Milleniums teil­zunehmen; der Höhepunkt des polnischen Te deum laudamus soll Anfang Mai 1966 auf der Jasna Gära, bei der heiligen Mutter Gottes, der Königin Polens, stattfinden.
Die folgenden Ausführungen mögen als historischer und zugleich auch sehr aktueller Kommentar unseres Milleniums dienen und vielleicht auch mit Hilfe Gottes unsere beiden Völker im gegenseiti­gen Dialog einander noch näherbringen.
Es steht geschichtlich einwandfrei fest, daß im Jahr 966 der polni­sche Herzog Mieszko I. durch Einfluß seiner Gemahlin, der tsche­chischen Königstochter Dombrowka, zusammen mit seinem Hof­staat als erster polnischer Herzog das heilige Sakrament der Taufe empfing.
Von diesem Augenblick an wurde das christliche Missionswirken in Polen ‑ seit Generationen durch christliche Apostel schon vorher in unserem Land verkündet ‑ im ganzen polnischen Volksraum ver­breitet.
Der Sohn und Nachfolger Mieszkos, Bolesław Chrobry (der Tapfere) setzte das Christianisierungswerk seines Vaters fort und erwirkte vom damaligen Papst Silvester II. die Errichtung einer eigenen pol­nischen Hierarchie mit der ersten Metropole in Gniezno (Gnesen) und drei Suffraganbistümern Kraków, Wrocław, Kołobrzeg (Krakau, Breslau, Kolberg). Bis 1821 blieb Gniezno weiterhin Metropole des Breslauer Bistums. Im Jahre 1000 begab sich der damalige Herrscher des Römischen Imperiums, der Kaiser Otto III., zusammen mit Bo­lesław Chrobry als Pilger zum Märtyrerschrein des heiligen Woj­ciech‑Adalbert, der einige Jahre vorher bei den baltischen Preußen den Märtyrertod erlitten hatte. Die beiden Herrscher, der römische und der zukünftige polnische König (er wurde kurz vor seinem Tode zum König gekrönt), gingen barfuß eine weite Strecke Weges zu den heiligen Gebeinen in Gniezno, die sie alsdann mit großer Andacht und innerer Ergriffenheit verehrten.
Das sind die geschichtlichen Anfänge des christlichen Polens und zugleich auch die Anfänge seiner nationalen und staatlichen Ein­heit. Auf diesen Fundamenten ‑ christlich, kirchlich, national und staatlich zugleich ‑ wurde sie durch alle Generationen weiter ausge­baut von Herrschern, Königen, Bischöfen und Priestern, 1000 Jahre hindurch. Die Symbiose Christentum, Kirche, Staat bestand in Po­len seit Anfang und wurde eigentlich nie gesprengt. Sie erzeugte mit der Zeit die fast allgemeine polnische Denkart: Polnisch ist zugleich katholisch. Aus ihr heraus entstand auch der polnische Religionsstil, in dem seit Anfang an das Religiöse mit dem Nationalen eng verwo­ben und verwachsen ist, mit allen positiven, aber auch negativen Seiten dieses Problems.
Zu diesem religiösen Lebensstil gehört auch seit jeher als sein Hauptausdruck der polnische Marienkult. Die ältesten polnischen Kirchen sind der Mutter Gottes geweiht (u.a. die Gnesener Metro­politan‑Kathedrale); das älteste polnische Lied, sozusagen das Wie­genlied des polnischen Volkes, ist ein bis heute noch gesungenes Marienlied: "Bogurodzica‑dziewica, Bogiem Sławiona Maryja" (Got­tesgebärerin ‑ Jungfrau Maria). Die Tradition bringt sein Entstehen mit dem heiligen Wojciech zusammen, ähnlich wie die Legende es mit den polnischen weißen Adlern im Nest von Gniezno tut. Diese und ähnliche Traditionen und Volkslegenden, welche die Ge­schichtstatsachen wie Efeu umranken, haben das Gemeinsame von Volk und Christentum so eng miteinander verwoben, daß man sie einfach schadlos nicht auseinanderbringen kann. Von ihnen her wird alles spätere polnische Kulturgeschehen, die gesamte polnische na­tionale und kulturelle Entwicklung, bestrahlt, ja sogar zu einem Großteil geprägt.
Die allerneueste Geschichtsschreibung gibt diesen unseren Anfän­gen folgende politische und kulturelle Bedeutung: "In der Begeg­nung mit dem Imperium Ottos des Großen vor einem Jahrtausend hat sich Polens Eintritt in die lateinische Christenheit vollzogen, und durch die bewundernswert geschickte Politik Mieszkos I. und sodann Bolesław des Tapferen ist es zu einem gleichberechtigten Glied des universal konzipierten, auf Erfassung der gesamten nicht­byzantinischen Welt gerichteten Imperium Romanum Ottos III. ge­worden, womit Polen einen entscheidenden Beitrag zu der Gestal­tung des östlichen Europa geleistet hat..."
Damit war die Grundlage gelegt und die Form und Voraussetzung geschaffen für die kommenden fruchtbaren deutsch‑polnischen Be­ziehungen und die Ausbreitung der abendländischen Kultur.
Leider sind die deutsch‑polnischen Beziehungen im späteren Ver­lauf der Geschichte nicht immer fruchtbar geblieben und haben sich sozusagen in den letzten Jahrhunderten in eine Art nachbarliche "Erbfeindschaft" verwandelt. Darüber später.

Der Anschluß des neuen polnischen Königreiches an das Abend­land, und zwar mit Hilfe des Papsttums, dem sich die polnischen Könige immer wieder zur Verfügung stellten, brachte im Mittelalter einen in jeder Hinsicht regen und äußerst reichen Austausch zwi­schen Polen und den abendländischen Völkern, insbesondere mit den süddeutschen Ländern, aber auch Burgund und Flandern, mit Italien und später mit Frankreich und Österreich und den italieni­schen Renaissancestaaten, wobei natürlicherweise Polen als jünge­res Staatsgebilde, als jüngster von den älteren Brüdern des christli­chen Europas, anfangs mehr der nehmende als der gebende Teil war.
Es wurden zwischen Kalisz und Kraköw, der polnischen Königsstadt des Mittelalters, und zwischen Bamberg, Speyer, Mainz, Prag, Paris, Köln und Lyon und Clairvaux und Gent nicht nur Waren ausge­tauscht. Es kamen aus dem Westen die Benediktiner, die Zisterzien­ser und später die Bettelorden und erhielten in Polen, im christlichen Neuland, sofort einen schwunghaften Auftrieb; dann kam im Mittelalter das deutsche Magdeburger Recht dazu, das bei polni­schen Stadtgründungen große Dienste leistete. Es strömten auch nach Polen deutsche Kaufleute, Architekten, Künstler und Siedler, von denen sehr viele im polnischen Volkstum aufgingen: Ihre deut­schen Familiennamen ließ man ihnen. In der großen Krakauer Bür­gerkirche St. Maria finden wir noch heute die Grabinschriften zahl­reicher deutscher Familien aus dem Mittelalter, die mit der Zeit alle polnisch geworden sind, woraus Hitler und andere ‑ unseligen Ge­denkens ‑ den einfachen Schluß zogen, daß Kraków und ganz Polen nur eine deutsche Siedlung seien und demgemäß behandelt werden müssen. ‑ Das klassische Beispiel deutsch‑polnischer Zusammenar­beit in Kultur und Kunst im hohen Mittelalter ist wohl der weltbe­rühmte Bildhauer Veit Stoß aus Nürnberg (Wit Stwosz), der fast sein ganzes Leben lang in Kraków wirkte; seine Werke dort sind alle vom Genius loci der polnischen Umgebung inspiriert: Er schuf in Kra­köw eine eigene Künstlerschule, die noch Generationen hindurch nachwirkte und das polnische Land befruchtete.
Die Polen haben ihre Brüder aus dem christlichen Westen, die als Boten der wahren Kultur zu ihnen kamen, sehr geehrt und ver­schwiegen niemals ihre nichtpolnische Stammesherkunft. Wir haben der abendländischen ‑ auch der deutschen ‑ Kultur wahrhaftig sehr viel zu verdanken.

 


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