Zentrum für Dialog und Gebet in Oświęcim

Manfred Deselaers, „Und Sie hatten nie Gewissensbisse?“

DESELAERS, Manfred

„Und Sie hatten nie Gewissensbisse?“

Die Biographie von Rudolf Höß, Kommandant von Auschwitz
und die Frage nach seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen

 

429 Seiten. Leipzig: St. Benno-Verlag, 2001, 2. Auflage

Eine PDF – Kopie, zum privaten Gebrauch, können Sie hier kostenlos erbitten: [manfred@cdim.pl]
Wegen der Dateigröße in 8 Einzeldateien:

Hoess1 [1,0 MB]: 002-023, Titel, Inhaltsverzeichnis, Vorwort, Einleitung
Hoess2 [6,8 MB]: 024-113, Biografie, Der Weg nach Auschwitz
Hoess3 [5,2 MB]: 114-172, Biografie, Auschwitz
Hoess4 [5,5 MB]: 173-231, Biografie, "Endlösung" und Ende
Hoess5 [3,5 MB]: 232-279, Reflexion, Struktur des Guten und Abfall
Hoess6 [5,5 MB]: 280-353, Reflexion, Struktur des Bösen und Heilung
Hoess7 [3,8 MB]: 354-406, Interpretation
Hoess8 [1,5 MB]: 407-429, Epilog, Abkürzungsverzeichnis, Quellen- und Literaturverzeichnis

 

 

Zum Inhalt:

 

Theologie, Rede über Gott, ist immer die Frucht einer Be­geg­nung von Glaube und Leben. Diese fundamentaltheologische Arbeit ist eine Frucht meiner Begegnung als gläu­bi­ger Christ mit den Zeugnis­sen von Auschwitz.

Der Aufbau der Arbeit entspricht diesem Ansatz: Der erste Hauptteil (Teil 1) versucht, als historische Dar­stel­lung aufgrund von Dokumenten möglichst sachlich das Leben zu beschrei­ben, auf das sich der Glaube beziehen will.

Teil 2 der Arbeit ist der Versuch einer an­thropo­logisch-theologischen Analyse der Biografie. Diese vollzieht sich in zwei großen Schritten. Zunächst wird in einer grundlegen­den Reflexion (Teil 2A), noch ohne direkte Bezugnah­me auf "Auschwitz", über "Gott und das Böse" aus der Sicht des Glaubens nachgedacht (wobei ich mich zu einem großen Teil auf die Philosophie von Emma­nuel Levi­nas stütze, die sich aus­drücklich als Philoso­phie "nach Au­schwitz " versteht). Damit sind in den ersten zwei Teilen der Arbeit (1+2A) die Pole dargestellt, die sich begeg­nen: Die Wirklichkeit von Auschwitz und die Per­spektive des Glaubens. Erst daran schließt sich als Teil 2B die direkte Interpre­tation der die Biografie von Rudolf Höß betreffenden Zeug­nis­se an.

Seine Autobiografie "Meine Psyche. Werden, Leben und Erleben" schloß Höß im Februar 1947 in Krakau mit den Worten:

"Mag die Öffentlichkeit ruhig weiter in mir die blutrünstige Bestie, den grausamen Sadi­sten, den Millionenmörder sehen - denn an­ders kann sich die breite Masse den Komman­danten von Auschwitz gar nicht vorstellen. Sie würde doch nie verstehen, daß der auch ein Herz hatte, daß er nicht schlecht war".

Dieser Text trifft genau den Kern des Problems: Höß war kein gewissenloses Tier, keine "blutrün­stige Be­stie". Höß war kein kranker, nicht zur Verantwor­tung zu ziehender Mensch, kein "grausa­mer Sadist". Aber er war doch der "Millionenmör­der". Gerade weil er "ein Herz hatte", war er verantwortlich - erst von daher läßt sich die Frage überhaupt stellen, ob er "schlecht war".

Etwa zwei Monate später, am Ende seines Lebens, scheint er das selbst gesehen zu haben. An seinen ältesten Sohn schrieb er zum Abschied:

"Werde ein Mensch, der sich vor allem in erster Linie von einer warm empfin­den­den Mensch­lichkeit leiten läßt. Lerne selb­stän­dig zu denken und zu urtei­len. Nimm nicht alles kritiklos für un­umstößlich wahr hin, was an Dich her­angetragen wird. Lerne aus meinem Leben. Der größte Fehler meines Le­bens war, daß ich auf alles, was von «oben» kam, gläu­big vertraute und nicht den gering­sten Zweifel an die Wahrheit des Gege­benen wagte. Gehe mit offenen Augen durchs Leben. Werde nicht einseitig, betrachte bei allen Dingen das Für und Wider. Bei allem, was Du unternimmst, laß nicht nur den Ver­stand sprechen, sondern höre vornehmlich auf die Stimme Deines Her­zens".

"Vornehmlich auf die Stimme des Herzens" zu hö­ren, sich "in erster Linie von einer warm empfindenden Menschlichkeit leiten" zu lassen, und von daher alles kritisch zu prüfen - das ist nicht nur das genaue Gegenteil der SS-Hal­tung, damit ist auch der Kern des Versagens im Leben von Rudolf Höß angegeben.

Die Frage nach dem Her­zen ist der zentrale Schlüssel unserer Aus­wertung. Es ist die Grund­frage nach dem "Ort" im Men­schen, an dem die Beziehungen zu anderen Men­schen und die immer unendli­che Sehnsucht nach Gott in eine bestimmte Richtung gelenkt werden.

Unsere Überlegungen folgen dem Spannungsbogen, den die Biografie widerspiegelt: Am Anfang des Lebens fanatisch-katholische Erziehung in einem äußerlich in­tak­ten Eltern­haus. Dann Bruch mit der familiären Hei­mat, Finden einer neuen Heimat im Soldatenmilieu und in der SS, fanatisch über­zeugter Nationalsozialist in Au­schwitz. Schließlich Zusammen­bruch der NS-Welt und Rückkehr in den katholischen Glauben. Diesem Span­nungsbogen folgend fragen wir, was er mit der Liebe zu tun hat. Nach Gott in der Biogra­fie von Höß zu fra­gen, bedeutet, danach zu fragen, wo er dem unendlic­hen Anspruch begegnet, sein Leben in Liebe zu ver­schenken. Nach dem Bösen in der Biografie von Höß zu fra­gen, bedeutet, danach zu fragen, wo er der Ver­ant­wor­tung der Liebe ausweicht und sich egoistisch ver­schließt.

 

 

 

INHALTSVERZEICHNIS

VORWORT

EINLEITUNG

TEIL 1

DARSTELLUNG DER BIOGRAFIE

I. EINFÜHRUNG

1. Quellen

2. Glaubwürdigkeit?

II. WEICHENSTELLUNGEN

1. Katholische Kindheit

2. Bruch mit der familiären Heimat

3. Freikorpskameradschaft

4. Parchimer Fememord

5. Gefängnis und Besinnung

6. Bei den Artamanen

III. BEI DER SS: SELBSTVERSTÄNDNIS UND ERSTE AUFGA­BEN

1. Eintritt in die SS

2. Bormann und Himmler

3. Das Selbstverständnis der SS

a) Höß' Kurzfassung

b) Fanatischer Glaube

c) Der "Orden der SS"

d) Die Moral der SS

e) Konzentrationslager für Staatsfeinde

f) Slawen

g) Juden

h) Zigeuner

i) Christentum

j) Führertreue

k) "Gott"

4. In Dachau

a) Vor dem "Feind hinter dem Draht"

b) Mitgefühl

c) Schlechte und gute Bewacher

d) Steinerne Maske

e) Warum opponiert Höß nicht?

f) Zeugnisse

5. Sachsenhausen

a) Konsolidierungsphase

b) Die "harten Gesetze des Krieges"

IV. KOMMANDANT IN AUSCHWITZ

1. "Meine Hauptaufgabe"

2. Das Verhältnis von Höß zu SS-Kameraden

a) "Kameradschaft"

b) SS-Vorgesetzte

(Glücks, Liebehenschel, Pohl, Kammler, Mau­rer, Eich­mann)

c) SS-Untergebene

Positive Zusammenarbeit (Schwarz, Bischoff)

"Feinde" (Caesar, Grabner)

"Personalschuttabladeplatz"

Kameradschafts-"Farce"

3. Das Verhältnis von Höß zu Häftlingen

a) Die äußeren Unterbringungsbedingungen

b) Arbeitseinsatz

c) Häftlingsbeherrschung

Das Ideal

Entschuldigungen

Persönliches Verhalten von Höß

Divide et Impera!

d) Medizinische Experimente

e) "Private" Häftlinge

f) Bereicherung?

4. Die "Endlösung"

a) Die Aufgabe

b) Der Blick auf die Opfer

c) Gewissensbisse

d) Trotz des Zwiespalts weitergemacht

5. Privatleben

a) Idylle

b) Der Wohnraum

c) Frau Höß

d) Affairen

e) Die Kinder

f) Homosexualität?

g) Pferde

V. DAS ENDE

1. Weltuntergang

2. Kriegsverbrecherprozeß

a) Aussagebereitschaft

b) In Nürnberg

c) In Krakau

d) In Warschau

3. Bekehrung

a) Rückkehr zur Menschlichkeit

b) Beichte

c) Der letzte Weg

TEIL 2

ANTHROPOLOGISCH-THEOLOGISCHE ANALYSE DER BIOGRA­FIE

2A GOTT UND DAS BÖSE. GRUNDSÄTZLICHE ÜBERLEGUN­GEN.

I. EINFÜHRUNG

II. DIE STRUKTUR DER GÜTE

1. Der methodische Zugang zur Urgüte des Menschen

2. Berufung zur Liebe

a) "Vorursprüngliche Empfänglichkeit"

b) Von Angesicht zu Angesicht

c) Aufrichtiges unendliches Begehren

3. Die Welt des "Es gibt"

a) Leibhaftige Liebe

b) Sprache

4. Das gesellschaftliche Zusammenleben

a) Ansehen

b) Macht

5. Die göttliche Dimension

a) "Illéité"

b) Schöpfung

c) Volk Gottes

6. Sterben können

III. DER ABFALL VOM GUTEN

1. Es gibt das Böse

a) Wie zeigt sich das Böse?

b) Der Grund der Möglichkeit der Trennung vom absoluten Guten

2. Die Abwendung von Gott

a) Todesangst, die von außen kommt

b) Verzweiflung, die Innenseite der Angst

c) Gottesferne

d) Freiheit

IV. DIE STRUKTUR DES BÖSEN

1. Herr und Knecht

2. Fundamentalidol SEIN

3. Spaltung

4. Hang zum Bösen und Erbsünde

5. Idolische Beziehung zur Welt

a) Die Macht des Sinnlichen

b) Ideologie

6. Idolische Beziehung zum Menschen

a) Der Versuch, sich die Bejahung zu sichern

b) Der Versuch, die unendliche Dimension durch Versachlichung auszuschalten

c) Der Versuch, den Anderen zu eliminieren

7. Idolische Beziehung zu Gott

a) "Gott" im Weltbild

b) "Gott" im religiösen Vollzug

8. Das systemimmanente "Gewissen"

a) Die ausgeschaltete Gewissensstimme

b) Das idolische "Gewissen" nach innen

c) Das idolische "Gewissen" nach außen

9. Zerstörerische Wucherung des Bösen

V. DIE ERLÖSUNG

1. Der Anspruch Gottes

a) Der Gewissensbiß

b) Gottes-Begegnung

c) Angst vor der Entscheidung

2. Offenbarung Gottes

a) Offenbarungsgeschehen

b) Tradierung der Offenbarung

c) Erkenntnis der Sünde

3. Bekehrung

a) Herzensrevolution

b) Schuld und Sühne

c) Á-Dieu

d) Vergebung

e) Der neue Weg

f) Nach dem Tod?

4. Zivilisation der Liebe

a) Der einseitig verkündete Friede

b) Die andere Gewalt

c) Volk Gottes

2B INTERPRETATION DER BIOGRAFISCHEN ZEUGNISSE

I. EINFÜHRUNG

II. WEG IN DIE IDOLVERFALLENHEIT

1. Liebe setzt Liebe voraus

a) Die "vorursprüngliche" Gottes-Beziehung

b) Menschliche Vermittlung

c) Verschlossenheit

d) Verantwortung

e) Mißbrauchte Religion

2. Ausbruch

a) Berufung: Soldat

b) Die Glut des Glaubens erlischt

3. Entscheidung

a) Krise

b) Flucht ins SEIN

c) Gewissensentscheidung?

d) Neuorientierung

e) Was war falsch an dieser Orientierung?

III. LEBEN IN IDOLVERFALLENHEIT ...

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