Zentrum für Dialog und Gebet in Oświęcim

Manfred Deselaers – Die Bedeutung von Perspektiven für eine Theologie nach Auschwitz

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Manfred Deselaers

Die Bedeutung von Perspektiven
für eine Theologie nach Auschwitz

 

Fundamentaltheologie nach Auschwitz

Ausgangspunkt für alle Fundamentaltheologie ist die Aufforderung des Hl. Petrus: „Seid jederzeit bereit zur Rechenschaft gegenüber jedem, der euch fragt nach dem Grund der Hoffnung, die in euch lebt!” (1 Petr. 3,15). Fragen nach dem Glauben ergeben sich aus Erfahrungen, die zweifeln lassen. Deshalb sind auch Glaubenszeugnisse und -begründungen Antworten auf  konkrete Erfahrungen gegenüber konkreten Menschen, die aufgrund ihrer Erfahrungen uns nach dem Sinn unseres Glaubens fragen.

Wie das Erdbeben von Lissabon im Jahre 1755 eine Welle von theologischen Reflexionen auslöste, so ist heute die Erinnerung an „Auschwitz“ eine der größten theologischen Herausforderungen. „Wo war Gott in Auschwitz?“, „Wie kann Gott gut und allmächtig sein, wenn er Auschwitz zulässt?“ – wer kennt solche und ähnliche Fragen nicht? Auch die Fragen „Wo war der Mensch?“ „Wo waren die Christen, wo war die Kirche?“ fordern unser Glaubenszeugnis heraus, reinigen es aber auch. Glaubensbekenntnis und Gewissenserforschung gehören immer zusammen.

Um ernstzunehmend auf die Anfragen antworten zu können, müssen wir den Bezugspunkt der Frage ernst nehmen: wovon reden wir eigentlich, wenn wir „Auschwitz“ sagen? Was ist konkret in dem ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz mit seinen Nebenlagern, insbesondere Birkenau, geschehen und warum? Und was ist gemeint, wenn Auschwitz als Symbolwort für einen größeren Zusammenhang gebraucht wird? Die erste Anstrengung einer Theologie nach Auschwitz besteht deshalb darin, den Bezugspunkt Auschwitz ganz ernst zu nehmen und ihn so gut wie möglich kennen zu lernen.

Eine Erfahrung zu deuten bedeutet immer, sie in Zusammenhang mit anderen Erfahrungen zu bringen und mit dem Sinn, den diese anderen Erfahrungen für unser Verstehen von Welt haben. Dieselbe Erfahrung wird anders erlebt, wenn sie anders eingeordnet wird, zum Beispiel noch im Rahmen von Gottes Liebe zu mir oder nicht mehr. Die Fragen, die sich aufgrund der Nicht-Integrierbarkeit der neuen Erfahrung Auschwitz stellen, haben einen Zusammenhang mit dem mitgebrachten Bezugszusammenhang. Die zweite Anstrengung einer Theologie nach Auschwitz besteht deshalb darin, den Sinnzusammenhang zu verstehen, aus dem die Fragen erwachsen.

Oft ist sowohl der Bezug zu „Auschwitz“ als Ereignis als auch der Glaubenskontext beim Fragenden und beim Antwortenden sehr verschieden. Die Antworten, die wir geben, erwachsen aus unserem eigenen mitgebrachten Sinnzusammenhang, mit dem die neue Erfahrung in Beziehung gesetzt wird. Es ist deshalb sehr leicht, an einander vorbei zu reden. Die dritte Anstrengung einer Theologie nach Auschwitz besteht deshalb in der Rechenschaft über das eigene Verhältnis des Antwortgebenden zu der Erfahrung, auf die Bezug genommen wird („Auschwitz“), und zu dem religiösen Bezugsfeld, aus dem die Frage des Fragenden und die Antwort des Antwortenden kommen.

„Auschwitz“


Fakten

Das Wort „Auschwitz“ steht zunächst einmal für ein sehr konkretes historisches Ereignis, von dem sich auch alle symbolischen Bedeutungen ableiten. Deshalb ist zu fragen, was dieses historische Ereignis ausmacht.

„Auschwitz“ ist der deutsche Name für eine polnische Stadt, die, nachdem Polen 1939 überfallen und als Staat vernichtet worden war, dem deutschen Reich eingegliedert wurde. Zur Ausschaltung des polnischen Widerstandes und der polnischen Führungsschicht wurde in dieser Stadt 1940 ein Konzentrationslager eingerichtet, das schnell wuchs. 1941 nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion kamen sowjetische Kriegsgefangene ins Lager, ab 1942 Massentransporte von Juden, 1943 sogenannte „Zigeuner“, Sinti und Roma, und viele andere: politische Gegner, Kriminelle, sog. Asoziale, Bibelforscher, Homosexuelle, aus der Tschechoslowakei, Weißrussland, Frankreich, Russland, Jugoslawien, der Ukraine und anderen Ländern, darunter auch Deutschland. Neun Dörfer in der Umgebung wurden abgerissen und die Bewohner vertrieben, verhaftet oder ermordet, um das 40 km² große „Interessengebiet Auschwitz“ zu bilden. Es entstanden etwa 40 Nebenlager, etwa jeweils die Hälfte bei Industriebetrieben oder in der Landwirtschaft, viele außerhalb des Interessengebietes.

Wer ins Lager kam, wurde nicht mehr als Mensch behandelt, sondern als nummerierte Arbeitskraft. Die durchschnittliche Überlebensdauer der Häftlinge betrug 10 Monate. Der Grad der Entmenschlichung, des Terrors, der Todesnähe ist für uns heute nicht mehr vorstellbar. Selbst ehemalige Häftlinge können es oft nicht schildern. Nicht vorstellbar ist auch, wie Menschen Menschen so etwas antun können. Aber es ist tatsächlich geschehen.

Es kamen etwa 150.000 polnische Häftlinge ins Lager, von denen die Hälfte ermordet wurde. Es kamen etwa 15.000 sowjetische Kriegsgefangene ins Lager, von denen fast alle ermordet wurden. Es wurden etwa eine Million Juden nach Auschwitz gebracht, von denen die meisten nicht als Häftlinge ins Lager kamen, sondern direkt in Gaskammern ermordet wurden. Etwa 200.000 kamen ins Lager, von denen dort noch die Hälfte ums Leben kam. Es kamen etwa 23.000 Sinti und Roma ins Lager, von denen fast alle ermordet wurden.
Das sind die größten Opfergruppen. Gräber gibt es nicht, die Asche der verbrannten Leichen wurde zerstreut. Nicht vorstellbar ist das Loch durch das über eine Million Menschen spurlos verschwunden sind.

Unser Verstehen wird immer nur Annäherung, immer nur ein Ahnen bleiben. Und doch ist diese Annäherung, unser Versuch die konkrete Wahrheit kennen zu lernen, nötig, schon um der Achtung vor den Opfern willen. Ohne diesen Versuch können wir nicht glaubwürdig von einer „Theologie nach Auschwitz“ reden. Theologie nach Auschwitz beginnt mit Schweigen und Hören auf die Stimme der Opfer, auf die Stimme dieser Erde.
 
Symbol
 
Das KL Auschwitz war das größte Konzentrations- und Vernichtungslager des Dritten Reiches, aber nicht das einzige. Es steht in seiner Bedeutung deshalb symbolisch auch für größere Zusammenhänge. Zum Beispiel:
In Auschwitz denken wir nicht nur an die Juden, die hier ermordet wurden, sondern an die ganze Tragödie der Juden Europas während der Regierungszeit Hitlers. Es wurde zum Symbol für den jüdischen Holocaust, die Schoa.
Auschwitz ist ein Symbol für das Schicksal Polens während des Zweiten Weltkrieges.
Auschwitz ist ein Symbol für das Schicksal der Roma und Sinti während des Zweiten Weltkrieges und für eine fortdauernde Diskriminierungsgeschichte.
Die Sowjetarmee hat die letzten Häftlinge 1945 befreit; es ist in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion ein wichtiges Symbol in der Erinnerung an den „Großen Vaterländischen Krieg“, an die Befreiung Europas vom Faschismus.
Für politische Häftlinge vieler Länder, Sozialisten, Kommunisten und andere Widerstandsgruppen hat Auschwitz wichtigen Symbolwert für ihren Kampf.
Für die Zeugen Jehowas, damals Bibelforscher genannt, ist die Erinnerung an Gewaltfreiheit, Verfolgung und Tod als Glaubenszeugnis in Auschwitz wichtig.
Eine Häftlingskategorie waren Homosexuelle. Wenn es auch hier nur einige wenige als solche registrierte Häftlinge gab, hat Auschwitz für die Homosexuellenbewegung eine symbolische Bedeutung.
Für Deutschland ist Auschwitz eine mahnende Erinnerung an das größte Versagen und ein Ruf zur Umkehr in gute Beziehungen zu den ehemaligen Opfergruppen.
 
Wunde
 
Wer Auschwitz ernst nimmt, berührt eine Wunde, die noch nicht geheilt ist. Sie weckt eine Unruhe in uns, die nicht einfach zu beruhigen ist. Wenn eine Wunde berührt wird, ist die Reaktion oft sehr emotional und „unsachlich“. Oft lässt sich das Wesentliche nicht begreifen und in Worte fassen. Oft ist es besser zu schweigen als zu reden. Oft ist es besser, die Wunde nicht direkt zu berühren, sondern das Leben um sie herum zu stärken. Aber es ist falsch, weg zu laufen. Es geht deshalb um eine Theologie, die die Wunde ernst nimmt.

Diese Wunde hat mit unserer eigenen Identität zu tun. Wer, wie, wo wäre ich damals gewesen? Woran orientiere ich mich, woran glaube ich wirklich? Wer bin ich in meiner Verantwortung vor den Menschen und vor Gott? Wenn es mir schwer fällt, diese Fragen für mich zu beantworten, dann muss ich auch gestehen, dass ich noch viel weniger verstehe, was die Erinnerung an Auschwitz für den Anderen bedeutet, dem ich begegne. Dialog nach Auschwitz ist eine Begegnung von Verwundeten.

Diese Wunde ist nicht nur in uns, sie ist wesentlich in unseren Beziehungen. Auschwitz begann nicht mit der Ermordung von Menschen. Auschwitz begann mit der Vernichtung von Beziehung zwischen Menschen. Erst wurden Polen wie Arbeitstiere, Juden wie Ungeziefer betrachtet, dann konnte man sie guten Gewissens töten. Heilung nach Auschwitz ist eine Beziehungsgeschichte.
Die Fragen, die die Erinnerung an Auschwitz in der Theologie weckt, betreffen deshalb vielleicht mehr noch als die Dogmatik und die Fundamentaltheologie vor allem die Ethik.

Dialog nach Auschwitz fängt mit vertrauensbildenden Maßnahmen an. Dialog beginnt mit Schweigen und Hören, einander Zuhören. Das setzt voraus, dass ich den Anderen annehme und achte, wie er ist, in seiner Andersheit, mit seinen Wunden. Die wichtigste Aufgabe des Dialogs ist das Vorbereiten dieser Vertrauensebene, sozusagen des Vorzimmers, damit das Vertrauen da ist, einzutreten und dann im Wohnzimmer zu diskutieren, in der Gewissheit des gegenseitigen Vertrauenkönnens. Das hat auch eine theologische Dimension.

Alles beginnt hier mit Schweigen und Hören: Schweigen und Hören auf die Stimme dieser Auschwitzer Erde – was ist hier damals passiert? Schweigen und Hören auf die Stimme des eigenen Herzens – was bedeutet das für mich? Schweigen und Hören auf einander – was bedeutet das für Dich? Für unsere Beziehung? Schweigen und Hören auf Gott ...
Die Wunde ist auch in unserer Beziehung zu Gott. Selbst Papst Benedikt XVI. hat bei seinem Besuch in Birkenau gesagt: „An diesem Ort versagen die Worte, kann eigentlich nur erschüttertes Schweigen stehen – Schweigen, das ein inwendiges Schreien zu Gott ist: Warum hast du geschwiegen? Warum konntest du dies alles dulden? In solchem Schweigen verbeugen wir uns inwendig vor der ungezählten Schar derer, die hier gelitten haben und zu Tode gebracht worden sind...“ (28.05.2006). Glaubenszeugnisse, die nicht aus einem Ringen mit der Herausforderung der Erinnerung hervorgehen, und das bedeutet aus einer Achtung vor den Opfern, werden schnell zu hohlen Phrasen und zur Beleidigung, weil sie Missachtung sind.

Im Folgenden möchte ich in großer Kürze (und deshalb notwendig Verkürzung) drei theologische Perspektiven auf Auschwitz darstellen: polnisch katholisch, jüdisch religiös, deutsch christlich. Es soll vor allem deutlich werden, wie stark die jeweils eigenen Prägungen und damit Unterschiede sind, die meist unbewusst in den Dialog über Auschwitz einfließen. Etwas ausführlicher gehe ich auf die polnische Sichtweise ein, weil sie die unbekannteste ist.
 

Polnische Perspektiwe

Nazismus und Kommunismus

Polen erinnern ein doppeltes Gesicht des Zweiten Weltkrieges, der am 1. September 1939 mit dem Einmarsch Nazideutschlands begann und am 17 September desselben Jahres durch die Invasion der Sowjetunion. Beide Systeme waren antichristlich – der neuheidnische  Nationalsozialismus und der atheistisch-materialistische Kommunismus. Beide Systeme versuchten die Vernichtung polnischer Unabhängigkeit und polnischer Identität. Beide Systeme liquidierten die militärische Opposition und die Elite des Volkes.
Diese Erfahrungen reihen sich ein in eine lange Geschichte des Kampfes um eine unabhängige Existenz auf der europäischen Landkarte. Nach dem Ersten Weltkrieg, nach 123 Jahren Abwesenheit und vielen Aufständen, war sie endlich errungen. Nur für 21 Jahre.

Christliche Wurzeln

Von Anfang an war Polen mit dem Christentum und der katholischen Kirche verbunden, die in gewisser Weise das Rückgrat der nationalen Identität bildet. Die Taufe Polens 966 war gleichzeitig der Beginn der staatlichen Existenz und der Christianisierung Polens. 1386 entstand die Polnisch-Litauische Union, deren Ergebnis die Christianisierung der litauischen Gebiete im römischen Ritus war. In der Zeit der Adelsdemokratie (ab 1505) wurde der König gewählt, oft ein ausländischer. Die Stabilität im Land garantierte damals der polnische Primas als Interrex der Republik der beiden Staaten. 1656 nach einem Überfalls von Schweden und deren Rückzug aus Polen krönte König Jan Kazimierz die Gottesmutter in der Lemberger Kathedrale zur Königin der Krone Polens und machte anschließend feierliche Weiheversprechen. Seitdem wird die Gottesmutter als Patronin und Königin Polens verehrt.
1791 verkündete das Parlament (Sejm Wielki) die Verfassung vom 3. Mai, deren erster Paragraf festlegt, dass  „die herrschende nationale Religion der heilige römisch katholische Glaube ist und sein wird“. Gleichzeitig wurde die Achtung anderer Bekenntnisse und Religionsfreiheit garantiert. Kurz darauf, 1795, verschwand Polen von der Landkarte Europas. Im russischen, preußischen und österreichischen Teilungsgebiet wurde in den Kirchen weiterhin polnisch gesprochen. Dort konnte man sich wie nirgends sonst als Pole fühlen.
Der polnische Geist entwickelte sich vor allem unter den Pariser Emigranten, wo die Vision der Freiheit sich mit einer messianischen Vision verband. Adam Mickiewicz schrieb: „Und es sprach schließlich Polen: Wer immer zu mir kommt, wird frei und gleich sein, weil ich die FREIHEIT bin. Aber als die Könige davon hörten, erzitterten sie in ihren Herzen und sagten: […] Kommt, erschlagen wir dieses Volk. Und sie überlegten untereinander den Verrat. […] Und das polnische Volk wurde gekreuzigt und ins Grab gelegt, und die Könige schrien: Wir haben die Freiheit erschlagen und bezwungen. Und sie schrien dumm […]. Denn das polnische Volk ist nicht gestorben, sein Leib liegt im Grab, und seine Seele stieg aus der Erde, das heißt aus dem öffentlichen Leben, in den Abgrund, das ist das häusliche Leben der Völker, die Unfreiheit erleiden im Land […]. Und am dritten Tage wird die Seele wieder in den Leib zurückkehren und die Nation auferstehen und alle Völker Europas aus der Sklaverei befreien“.1 Die Überzeugung, dass Gott auf der Seite des polnischen Volkes ist und die Muttergottes Beschützerin des Vaterlandes (im Polnischen weibliche Form trotz des Wortstammes „Vater“, etwa „Mutterlandes“), der Mutter ist, wurzelte tief in den Überzeugungen der Menschen. Das verband sich mit einer Tradition, die einen tiefen Sinn im Martyrium sieht: es lohnt sich, Gott, dem Vaterland (der Mutter) und Werten treu zu bleiben, trotz Leiden, trotz Tod. Das Blut der Märtyrer bringt Frucht. Nach dem Tod folgt die Auferstehung als Gabe Gottes.
Als nach 123 Jahren Abwesenheit auf der Landkarte Europas Polen seine Staatlichkeit wiedererlangte, begann die Präambel der Verfassung von 1921 mit den Worten: „Im Namen des Allmächtigen Gottes!  Wir, das polnische Volk, danken der Vorsehung für unsere Befreiung aus anderthalb Jahrhunderten Sklaverei …”. Das neue unabhängige Polen wird als eine Gabe Gottes beschrieben.
Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1939 hat den polnischen Staat wieder vernichtet. Es gab also keine Auferstehung? Doch der Glaube ist unter dem Einfluss der Okkupation nicht zerbrochen, wenn er auch eine große Prüfung durchmachte. Der Eid der polnischen Untergrundarmee im II. Weltkrieg: „Vor Gott, dem Allmächtigen, vor der heiligen Jungfrau Maria, der Königin der Krone Polens, lege ich meine Hand auf dieses heilige Kreuz, Symbol des Märtyrertums und der Erlösung. Ich schwöre, dass ich die Ehre Polens mit aller meiner Kraft verteidigen will, dass ich mit der Waffe in der Hand kämpfen werde, um mein Vaterland von der Sklaverei zu befreien, bereit, mein Leben zu opfern.“

Auschwitz

Es existieren viele christliche Glaubenszeugnisse aus der Kriegszeit, auch von Opfern in Auschwitz.
Aus dem Kassiber von Waclaw Stacherski aus der Gefängniszelle in Block 11 an seine Frau vor der Hinrichtung am 18.09.1944: „O Iris! Es gibt Gott, auch wenn es hier so schwer ist, daran zu glauben. Gestern, am Sonntag, habe ich durch das Kellerfenster eine Messe gehört, die man geheim im Erdgeschoss gefeiert hat. Das erinnert an die urchristliche Zeit der Katakomben. Gott allein weiß, wo es mehr Heilige und Märtyrer gab – in Rom oder in Auschwitz“.2
Pater Maximilian Kolbe, der im Lager sein Leben für einen Mithäftling gab, wurde in Polen zum Symbol des Sieges der Liebe aus der Kraft des Glaubens in einer Welt des Hasses. In der Nachkriegszeit spielte Auschwitz eine wichtige Rolle in der offiziellen kommunistischen Erziehung als Symbol der Sowjetunion, die das Lager und Europa vom Faschismus befreit hatte. Bewusst wollte man nicht, dass sich mit dem Lager eine religiöse Dimension verband. Vor diesem Hintergrund repräsentierte der Kult von Maximilian Kolbe, der sich seit seiner Seligsprechung 1971 verbreitete, eine andere, religiöse Sicht der Erinnerung an Auschwitz.
Die größte katholische Jugendbewegung in Polen, „Oase“, wurde nach dem Krieg von dem Priester Franciszek Blachnicki , einem ehemaligen Auschwitzhäftling gegründet. Er hatte, als er auf den Vollzug seines Todesurteiles wartete, seine Bekehrung erlebt. Überraschend wurde das Urteil nicht ausgeführt. Seitdem war er überzeugt, dass wahre Freiheit innerlich ist und dass Menschen, die im Gebet verwurzelt sind und Christus vertrauen, keine Angst vor den Machthabern zu haben brauchen. Das ist der Ausgangspunkt für eine polnische Befreiungstheologie. Später spielten Mitglieder der Oase-Bewegung eine große Rolle bei der Revolution der Solidarność.
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