Zentrum für Dialog und Gebet in Oświęcim

Józef Krzepina

An das Zentrum für Dialog und Gebet in Oświęcim

 


Ich habe mit großem Interesse die an meine Adresse geschickte Publikation „Wir wollen uns daran erinnern, was hier geschehen ist“ gelesen. Es ist für uns, ehemalige Häftlinge hitlerischer Gefängnisse und Konzentrationslager, ein wichtiges Lebensziel, das im Gedächtnis zu bewahren, was diese ungeheuerliche Tragödie auf Millionen von Menschen zukommen ließ. Es ist für uns nicht einfach, unsere grausamen Erlebnisse wiederzugeben, wir haben aber das Gefühl, denen gegenüber verpflichtet zu sein, denen nicht gegeben wurde, die Befreiung zu erleben. Wir wollen die Wiederholung der ungeheuerlichen Verbrechen gegen die Menschheit verhindern.

In Polen und in Deutschland habe ich an vielen Begegnungen mit Jugendlichen teilgenommen. Ich habe für die jungen Leute volle Anerkennung. Sie nehmen mit großem Engagement an den Begegnungen teil und das, was sie erfahren haben, geben sie sogar oft weiter. Sie schreiben in lokalen Zeitungen Artikel darüber, sprechen darüber in den Geschichts- oder Religionsunterrichten, sie setzen Texte dazu an Wandtafeln in den Schulen.

Seit 13 Jahren steht unsere Gruppe aus Wałbrzych im lebendigem Kontakt mit Lehrern und Schülern aus dem Jack-Steinberger-Gymnasium in Bad Kissingen. In einem von vielen Presseartikeln haben sie die Begegnungen mit uns „eine lebendige Lektion der Geschichte“ genannt. Jedes Jahr besucht uns eine Gruppe von Lehrern und Schülern aus dieser Schule. Sie werden bei ehemaligen Häftlingen immer untergebracht und gemeinsam besuchen wir Bettlägerige. Sie treffen sich auch mit ehemaligen Häftlingen und mit Schülern des II. Lyzeums in Wałlbrzych, und unsere Repräsentanten nehmen an Begegnungen mit Lehrern und Schülern in Bad Kissingen teil.

Frauke Brünning, Mirjam Laux aus Hadamar in Deutschland schreiben: „Uns ist es bewusst, dass Deutsche euch dieses Leid bereitet haben.“ Ja, junge Freunde, aber ich möchte euch beteuern, dass wir weder euch noch alle Deutsche für die schrecklichen Verbrechen beschuldigen, weil wir uns für keine kollektive Verantwortung aussprechen. Wir akzeptieren es vollständig, was Viktor E. Frankl, Professor für Neurologie und Psychologie an der Wiener Universität, geschrieben hat.. In seinem Buch „... trotzdem ja zum Leben sagen. Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager“, hat er geschrieben: Auf der ganzen Erdkugel leben nur zwei Rassen von Menschen, nur diese zwei und keine anderen, die eine von anständigen Menschen und die andere von unanständigen Menschen. Beide Rassen sind allgemein verbreitet. Beide Rassen dringen in alle Gesellschaftsgruppen ein. Keine Gesellschaft besteht nur aus der einen oder der anderen Rasse.“

Mit Hoffnung und Glauben geben wir euch eine Chance und glauben daran, dass ihr sie gut nutzt und alles für „Nie wieder“ tut.

Meine Antwort auf die Frage von Jelena Bublov, Astrid Prokop und Manuela Mayer aus Hollabrunn fange ich mit den Worten von Abraham Lincoln an: “Hass gegen niemanden aber Barmherzigkeit (Mitgefühl) für alle.“ Lasst es nie dazu kommen, dass Hass in euren jungen Herzen Platz gewinne. Liebt Menschen ohne Rücksicht auf ihre Hautfarbe, Rasse, ihre Konfession oder politischen Ansichten. Kümmert euch um Gedenkstätten, Martyriumsorte, weil sie in unserer Aufgabe uns ersetzen werden, um die Wahrheit, wozu die schwarzen oder roten Diktaturen fähig sind, weiterzugeben. Nicht nur Auschwitz war eine Art von Todesfabrik. Andere Lager, wie Sachsenhausen, Dachau, Stutthof, Buchenwald, Majdanek, Treblinka und viele, viele anderen, waren ähnlich. Diese Stätten zu schützen, die stummen Zeugen der Verbrechen sind, die faschistische Mörder begangen haben, ist meiner Meinung nach eine wichtige Aufgabe für die Junge Generation. Es bedeutet nicht nur, die Stätte im richtigen Zustand zu erhalten. Es ist wichtig, diese Stätten zu besuchen, und jungen Generationen zu ermöglichen, über die verbrecherische Irrideologie des „Herrenvolkes“ zu erfahren. Ich bin der Meinung, dass die Errichtungsgeschichte der Konzentrationslager in jeder Marterstätte vorgestellt werden soll. Vielen würde bewusst werden, dass die ersten Konzentrationslager, wie Esterwegen, Sachsenhausen, Dachau, Ravensbrück und Buchenwald, gleich danach, als Hitler die Macht übernommen hat, in Deutschland gebaut worden sind. Deutsche Frauen, Kinder und Männer waren ihre ersten Opfer.

Viele von uns, ehemaligen Häftlingen, beschrieben ihre eigenen Erlebnisse und sendeten sie zu den Konzentrationslagern, in denen sie in Haft gehalten waren. Dadurch können die Besucher der Gedenkstätten ein Teil von der grausamen Wahrheit kennenlernen. Es ist aber nur ein Teil von der ganzen Wahrheit, was in den Lagern geschah, weil es unmöglich ist, die ganze Dimension des Geschehens vorzustellen.

Setzt euch jede Form des wiederauflebenden Faschismus entgegen.

Wir glauben daran, dass ihr die richtigen Schlüsse aus der Erfahrung zieht, die unsere, ältere Generation machen musste. Wir glauben daran, dass ihr von uns kluger werdet, was ich euch von ganzem Herzen wünsche.

Sei immer fröhlich und herzlich.

Józef Krzepina

Gefängnis der Gestapo in Kielce
Majdanek, Nr. 152
Sachsenhausen, Nr. 68329
Teilnehmer des „Todesmarsches“

ul. Blankowa 46a / 19
58-314 Wałbrzych
Polen

Übersetzt von Anka Bibrzycka

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