Zentrum für Dialog und Gebet in Oświęcim

Józef Kołodziej

Borzęcin, November 2005

Liebe Jugendliche aus meiner geliebten Heimat Polen, aus Deutschland und der ganzen Welt!
 
Selig sind, die Frieden schaffen

Der 60. Jahrestag der Beendigung des von Hitler, dem Führer des deutschen Dritten Reiches, ausgelösten 2. Weltkrieges sowie der Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau und anderer Lager – jeder dieser Jahrestage ist außergewöhnlich. Wer auf das ganze Ausmaß der Leiden schaut, auf das Meer vergossenen Blutes und Tränen, wer dem Echoklang zerstörter Städte und verbrannter Dörfer lauscht, der weiß, dass die Welt noch lange brauchen wird, bis die der Menschheit während dieses größten Flächenbrandes des Krieges mit seinem Völkermord zugefügten Wunden geheilt sind.

Noch lange wird (auch bei künftigen Generationen) die Trauer über den Verlust der etwa 54 Millionen ermordeten menschlichen Wesen (Soldaten, Zivilisten, Frauen und unschuldige Kinder) aus 16 Staaten der Welt im Gedächtnis bleiben. So ein Schicksal hat der Mensch dem Menschen bereitet. Die einen kamen an den Fronten des wahnsinnigen Krieges um, andere wurden in den von den Hitlerfaschisten errichteten Konzentrationslagern ermordet – in einem dichten Netz in Polen und in Europa verbreiteter Todesfabriken –, während noch andere während der Bombardierungen oder bei der Explosion von Granaten starben oder vor Ort erschossen wurden.

Viele haben überlebt, trugen aber für immer Verletzungen am Leib und manchmal auch an der Seele davon.

Über die unvorstellbaren Ausmaße des verbrecherischen Völkermordes an vielen Nationen der Welt während des 2. Weltkrieges sind schon viele Tonnen Papier geschrieben und viele Worte gesagt worden. Gut, dass die Erinnerung fortlebt.
Dem großen Ruf der Welt: „Nie wieder Krieg!” möchte auch ich meine bescheidene Stimme hinzufügen.
Wie viele andere habe ich ein heiliges Recht darauf, weil der Krieg mir die schönsten Jahre des Lebens genommen und ein schmerzliches Brandmal in meiner Seele hinterlassen hat.

Im 21. Lebensjahr schloss sich hinter mir das Tor der irdischen Hölle des Konzentrationslagers Auschwitz, nur weil ich ein Sohn der polnischen Erde war und deshalb des Rechts auf Leben beraubt wurde.
Auschwitz war eine Realität, die alle menschlichen Grenzen und menschlichen Worte übersteigt und die niemand rekonstruieren kann, aber ich bitte euch, meine jungen Freunde, hört euch die knappen Aussagen von uns, den nur noch wenigen Überlebenden an, die der liebe Gott noch zum Leben bestimmt hat, damit wir die Wahrheit bezeugen können.
Die Wirklichkeit des Todeslagers Auschwitz-Birkenau, die der Aufschrift auf dem Eingangstor „Arbeit macht frei” Hohn sprach, war geplant für die „Liquidierung” von Millionen Männern, Frauen und Kindern – das war eine geplante Entmenschlichung in unmenschlichen Foltern.
Die unablässig für Hitler „arbeitenden” Gaskammern und die Tag und Nacht rauchenden Krematorien.
Der stickige Gestank verbrannter Leichen und verwesender Leiber (die oft noch lebendig waren).
KZs und wieder KZs – Orte der Folter. Bunker für den Hungertod.
Tausende Verurteilte – menschliche Schatten (keine Menschen), ohne Vornamen, ohne Nachnamen, Abertausende von Nummern in Sträflingskleidung.
Banden wutentbrannter Henkersknechte, die sich an Gewalt und Entwürdigung des Menschen weiden. Für die stärkeren Häftlinge aufreibende Sklavenarbeit unter unmenschlichen Bedingungen – die schwächeren kamen direkt in die Gaskammern. Durchdringende Kälte, Hunger, Angst und Hass.
Als Ruheort schmutzige Pritschen, zerfressen von überall grassierendem Ungeziefer.
Das geschändete Bild des MENSCHEN – eines von Gott geschaffenen Wesens.

Liebe junge Freunde

Es freut mich, dass ihr euch im Namen Gottes vereint, um dem Bösen auf der Welt Einhalt zu gebieten. Es ist euer Wunsch, die Sünden derer auszuwischen, die 1939 die Welt in Brand gesetzt und den Flächenbrand des 2. Weltkrieges ausgelöst haben, weil sie diese Welt beherrschen wollten.
Aber Sünden vergeben kann nur Gott – und wir können in Seinem Namen nur vergeben.
Ihr Lieben! In euren klugen Überlegungen und Äußerungen stellt ihr uns Überlebenden von Auschwitz eine Reihe von Fragen und bittet uns um Ratschläge für euren Lebensweg und die Zukunft der Welt.
Versucht doch einmal im Geiste auf dieser riesigen Grabstätte menschlichen Leidens niederzuknien – auf dem größten Friedhof der Welt, des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau und aller Lager in Europa – und lauscht aufmerksam dem lauten Schrei dieses Schweigens des von vorheriger Folter und dem Golgatha menschlichen Leidens geheiligten Todes.
Dann werdet ihr die tiefe Wahrheit vernehmen und verstehen, dass Gott, der die Gehenna des 2. Weltkrieges zugelassen hat, den dem Menschen einst verliehenen freien Willen bis zuletzt respektiert hat, der Menschheit zugleich aber auch klarmacht, dass sich der Mensch nicht über seinen Schöpfer stellen darf. Und Gott sagt auch, dass das Böse nur mit Gutem besiegt werden kann.
Vielleicht hat Er deshalb die Person des im Hungerbunker zu Tode gequälten heiligen Maximilian Maria Kolbe so hoch (wie eine helle Fackel) vor den Augen der ganzen Welt erhöht.
Bittet doch diesen großen Fürsprecher vor Gott, dass er euch die unbedingte Liebe zu Gott und jedem Menschen lehrt, sogar zum eigenen Henker. Schaut auf seinen Kampf um Liebe und Frieden, und sein letztendlicher Triumph wird in euren Herzen und auf der ganzen Welt Einzug halten. Entsprechend dem polnischen Sprichwort „Ohne Gott keinen Schritt über die Schwelle” müsst ihr Gott grenzenlos vertrauen und Ihn inständig darum bitten, dass ihr imstande sein werdet, das Böse auf der Welt mit Seiner göttlichen Liebe zu besiegen.
Wir Häftlinge, wir Verurteilten, haben so wie unser Herr Jesus Christus, der von der Anhöhe von Golgatha aus vergab, unseren Schindern und Henkern ebenfalls vergeben. Wir hegen keinerlei Hass gegen sie, aber die Trauer und die Erinnerung an die Vergangenheit lebt in uns fort wie Narben von Wunden.
Wenn ihr in Gott stark seid, dann werdet ihr nie zulassen, dass der Faschismus wiederersteht – dieses Ungeheuer, das sich an böse Mächte verkauft hat.
Daher müsst ihr jungen Menschen – die Zukunft der Völker und der Welt – Tag für Tag für die Liebe kämpfen, um durch ständiges und restloses Einander-Vergeben zu erreichen, dass es nie zu einer Wiederholung dieser schmachvollen Geschichte kommt.

Mit herzlichen Grüßen
Häftling des Konzentrationslagers Auschwitz
sowie Häftling des Lagers in Buchenwald
Józef Kołodziej

PL 32-825 Borzęcin 47 a
Małopolska (Kleinpolen)

Übersetzt von Herbert Ulrich.

 

 

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