Zentrum für Dialog und Gebet in Oświęcim

Halina Birenbaum

Halina Birenbaum

Ich erinnere ihre Liebe zueinander, ihren Lebensdurst

An die Jugend zum 60-ten Jahrestag der Befreiung aus Auschwitz

So viele Gedanken, Gefühle und Worte bedrängen Herz und Mund heute, an diesem großen Jahrestag der Befreiung des Todeslagers Auschwitz! Noch immer ist so viel der Welt mitzuteilen, zu erforschen, zu erklären! Unzählbare Erinnerungen, menschliche Erfahrungen vom Abgrund zum Tode, die für die jungen Generationen schon weit entfernte, unbegreifbare Vergangenheit sind, Geschichte ...

Der heute schon symbolische, schreckerregende Name „Auschwitz” vermag in der gegenwärtigen Welt aktueller Probleme und verschiedenster Konflikte immer weniger der Menschheit zu vermitteln, welchen Inhalt er birgt – wieviel ermordetes Leben, wieviel vergebliches Leiden, wieviel Märtyrertum und gebrachten Tod. Und es fällt schwer, sich damit abzufinden, dass Zeit und Unwissenheit die Spuren verwischen können ebenso wie das Verstehen und die notwendigen Schlussfolgerungen für die Zukunft.

Leider werden wir immer weniger, die wir diese Qualen durchgemacht und für immer im Gedächtnis behalten haben, und die wir sie mit allen Kräften später dokumentieren wollten, um sie der Erinnerung der Menschheit zu erhalten und so vor der Möglichkeit einer Wiederholung zu warnen. Neue Generationen werden geboren und wachsen auf, für die diese Geschichte völlig unvorstellbar ist, so weit entfernt, also ob sie sie nichts angehe. Zudem ist sie so grausam tragisch – und vor Traurigem und Tragischem will man lieber weglaufen als sich in es vertiefen ...

Aber das geht nicht, und das darf nicht sein! Schwierige Wahrheiten aus dem Gedächtnis von Gemeinschaften und Einzelnen zu streichen ist ganz einfach gefährlich. Ohne Vergangenheit gibt es keine Zukunft.

Ich war zehn Jahre alt, als im September 1939 der Krieg ausbrach, und dreizehn Jahre, als ich nach Auschwitz-Birkenau verschleppt wurde, nachdem ich aus der Gaskammer in Majdanek herausgekommen war, wo den Deutschen zufällig Gas gefehlt hatte.

Meine Mutter hatte mir im Warschauer Getto beigebracht, dass ich bei Razzien für den Abtransport in die Todeslager sagen sollte, ich wäre siebzehn Jahre alt. Jüdische Kinder, Alte und Kranke wurden nicht in das Lager gelassen – man schickte sie direkt in Gaskammern und Krematorien zum Verbrennen. Es ist ein Wunder, dass ich vier Todeslager überlebt habe. Meine ganze enge und weitere Familie mit Ausnahme eines Bruders wurde in den Gaskammern von Treblinka, Majdanek und Auschwitz vernichtet.

Auf meinem linken Unterarm ist eine Nummer eingeritzt – der auschwitzer Personalausweis ... Bis heute ist keine Ziffer davon verblasst. Und auch nicht das kleinste Stückchen Erinnerung an diese Jahre des protzigen und allmächtig herrschenden teuflischen Bösen.

In all den Jahren seit meiner Befreiung höre ich nicht auf, von dem zu erzählen, was ich damals erlebt habe und wovon ich Zeuge wurde. Mein ganzes Leben lang trage ich die Bilder meiner ermordeten Angehörigen, Mutter, Vater, Bruder, Schwägerin sowie der Leidensgefährten im Getto und in den Lagern in mir, ihr unmenschliches Leiden und Sterben, die in meine Seele eingeritzt sind wie diese tätowierte Nummer auf meinem Arm.

Ich erinnere mich an ihre Liebe zueinander, wie sie sich an den kleinsten Funken Hoffnung, überleben zu können, geklammert haben, wie sie sich ihre Menschlichkeit in der Hölle auf Erden bewahrt haben, indem sie ihre Lieben retteten.

Es war ihnen nicht gegönnt, die Erfüllung zu erleben – die Freiheit. Aber als eine von ihnen, wenn ich auch mehr Glück hatte, weil ich sogar noch diesen großen Jahrestag erlebe, möchte ich dieses Flehen um Erinnerung und um eine bessere, gerechtere Welt verbreiten.

Urteile des Schicksals kann man nicht verändern und die in Auschwitz und anderen Vernichtungslagern zu Tode Gequälten nicht dem Leben zurückgeben. Aber mit Sicherheit kann man ihrer gedenken und sich dafür einsetzen, dass menschliche Werte, dass der Humanismus sich vom Bösen nicht besiegen lässt. Und dazu ist besonders die Jugend fähig, die schließlich die Zukunft der Welt ist. Die Jugend hat noch viele Jahre zum Handeln vor sich, und die Jugend hat Kraft.

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