Zentrum für Dialog und Gebet in Oświęcim

Ewelina Matyjasik, Oswiecim

Bierun, 28.12.2004


Liebe ehemalige Häftlinge!


Zu Beginn meines Briefes möchte ich mich kurz vorstellen. Ich heiße Ewelina Matyjasik, bin 17 Jahre alt und wohne in dem winzigen Städtchen Bierun, das direkt neben Oswiecim liegt. Ich bin ein normaler, ein bischen verrückter Teenager, der seinen Ort in der Welt finden will und seinen Lebensweg.


Vielleicht beginne ich damit, wie ich vom Lager erfahren habe, wer mir davon erzählt hat. Dafür muß ich über 10 Jahre zurückblicken. Vor Jahren war die Brücke, die Babice mit Oswiecim verbindet, offen, aber bis ins vergangene Jahr dauerten Renovierungsarbeiten an diesem Objekt. Deshalb sind wir auch, als ich klein war und mit den Eltern nach Oswiecim fuhr, am Gelände der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau vorbeigefahren.


Das erste Mal, als wir vorbeifuhren, dachte ich mir (als das damals kleine Kind), dass das Kamine auf einem Kampingplatz seien. Doch meine weisen Eltern haben mir erklärt, wovon das Überreste sind.


Seitdem stellte ich mir jedesmal, wenn ich an Birkenau vorbeifuhr, die Frage: Wie konnte das geschehen? Aber damals hatte ich nicht das Bewußtsein, um das alles zu verstehen.


Später hatte ich in Laufe meines kurzen Lebens mehrmals die Gelegenheit, auf dem Gelände des Stammlagers zu sein. Aber die „Besichtigung" dieses Ortes gab mir keine endgültigen Antworten.


Seit Anfang dieses Schuljahres, d.i. seit September des Jahres 2004, habe ich die Ehre, an den Jugendtreffen im Zentrum für Dialog und Gebet in Oswiecim teilzunehmen. Bei diesen Treffen (geleitet von Frau Sylwia Stanska und Priester Manfred Deselaers) werden sehr wichtige Themen behandelt, die uns jungen Menschen helfen, die Vergangenheit zu verstehen und die Gegenwart zu ordnen. Das allgemeine Ziel des Projektes „Wohnort Oswiecim" ist, die Jugendlichen mit der Geschichte der Stadt unter besonderer Berücksichtigung des II. Weltkrieges bekannt zu machen, sowie sie auf den interkulturellen, interreligiösen und internationalen Dialog vorzubereiten.


Der erste Themenblock (von fünf) war „Auschwitz - Geschichte und Symbol", den wir Anfang November abschlossen.


Besonders während dieses Blockes begann ich einige Sachen zu verstehen. Die Begegnungen mit den ehemaligen Häftlingen Frau Halina Birenbaum und Herrn Smolen bewirkten, dass ich mir zum ersten Mal wirklich die schweren Bedingungen vorstellen konnte, die im Lager herrschten. Wie jeder neue Tag Angst brachte, Schmerz und Leid. Zum ersten Mal ist bei mir angekommen, wie wirklich schrecklich dieses „Leben" war. Nie vorher hatte ich das so tief empfunden. Wie für viele, war für mich Leid überhaupt, der Tod einer riesigen Menge von Menschen schrecklich, aber erschütternd und am schmerzlichsten war für mich der Tod eines Einzelnen. Das kann man am besten bemerken, wenn jemand stirbt, der uns nahe ist.


Vor allem durch Frau Birenbaum und Herrn Smolen sowie zahlreiche Begegnungen auf dem Gelände des ehemaligen Auschwitz I und Auschwitz-Birkenau begann ich darüber nachzudenken, warum und wie es dazu gekommen ist. Warum sind so viele „religiöse" Menschen von der trügerischen Vision einer besseren Welt der „besseren Rasse" verführt worden? Warum hat niemand reagiert, und wenn doch, warum hat er nicht wie Hitler Massen angezogen? Warum mussten so viele Menschen ihr Haus verlieren, ihre Familie, sogar ihr Leben? Schliesslich hat das auf lange Sicht diesen schlechten Menschen nichts gebracht, sie wurden dadurch nicht schön, jung, unsterblich. Im Gegenteil, sie verloren ihr Leben und erhielten nichts im Tausch dafür.


Dank dieser Treffen und der Erweiterung meines Wissens zum Thema Vernichtung habe ich viel verstanden. Ich habe erkannt, dass fehlende Liebe im Elternhaus, oder auch, dass man sie einander nicht zeigt, unabwendbare Folgen haben kann (wie es u.a. im Fall des Lagerkommandanten Rudolf Höß war).


Aber noch immer kann ich mir die Frage nicht beantworten, wie es möglich ist, dass „MENSCHEN MENSCHEN DIESES LOS BEREITETEN". Ich weiß auch nicht, ob ich das jemals werde begreifen können.


Ich kann nicht viel dazu tun, dass sich die Geschichte nicht im Kreis dreht. Ich will mich jedoch bemühen, dass meine Kinder die Wahrheit kennenlernen; ich will mein bescheidenes Wissen anderen jungen Leuten weitergeben, damit auch sie ihre Zukunft bauen können, weil sie den richtigen Weg kennen. Ich hoffe, dass ich wenigstens auf diese Weise alle Opfer des Holocaust ehre.


Ich danke Euch, liebe Zeitzeugen, dafür, dass Ihr uns mit Eueren Erzählungen helft, die Wahrheit kennen zu lernen, dafür, dass ihr uns helft, unseren Charakter zu formen und uns dessen zu freuen, was uns Gott gibt.




Hochachtungsvoll

Ewelina Matyjasik


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