Zentrum für Dialog und Gebet in Oświęcim

Empfehlenswerte Literatur

  • Edith Stein, die Botschaft vom Kreuz und Auschwitz

    Manfred DESELAERS
    Edith Stein, die Botschaft vom Kreuz und Auschwitz

    Zwei Vorträge. Hg. Edith-Stein-Gesellschaft Deutschland e.V., 67326 Speyer, PF 1649, 2002. Kontakt: esgd@bistum-speyer.de

  • Auschwitz – Geschichte und Gedenken

    Broschüre des Gesprächskreises „Juden und Christen“ beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken, gedacht als Orientierungshilfe für Besucher der Gedenkstätten Auschwitz-Birkenau. Katholisches Bibelwerk e.V., Stuttgart 2002. Kontakt: bibelinfo@bibelwerk.de

  • Mein Gott, warum hast Du mich verlas­sen...?

    DESELAERS, Manfred, "Mein Gott, warum hast Du mich verlas­sen...?" Kreuzweg­me­ditation in Au­schwitz. 5. Auflage. Ein­hard-Verlag: Aachen 2001. Kontakt: info@einhardverlag.de


    Manfred Deselaers

    KREUZWEGMEDITATION in AUSCHWITZ

    Diese Kreuzwegmeditation verdankt sich vor allem zwei Anstößen. Die polnische Stadt Oświęcim hat heute ca. 50.000 Ein­wohner. Der Tradition gemäß besuchen die katholischen Familien am Aller­heiligen- und Allersee­lentag jedes Jahres (1. und 2. November) die Gräber ihrer Angehörigen. Es lag nahe, daß die Menschen irgendwie auch den größten "Friedhof" Europas ehren wollten. Es ist inzwischen schon zur Tradition geworden, am Sonntag nach dem ersten November durch das riesige Gelände von Auschwitz-Birkenau zu ziehen und den Kreuzweg zu beten. Dieser Oświęcimer Tradition verdankt der vorlie­gende Text seine Grund­struktur und viele seiner Inhalte.

    Der zweite Anstoß bestand in einer praktischen Herausforde­rung. Christliche Gruppen und Einzelbesucher, die mehrere Tage am Rande von Auschwitz verbringen, um sich der Herausforderung der Erinnerung zu stellen und nach den Kon­sequenzen für ihr Leben zu fragen, haben das Bedürfnis, hier zu beten. Mit dieser Kreuz­wegmeditation wollte ich ihnen helfen, in einer Besinnungszeit anders als im Stil einer Museumsführung dem Gelände von Auschwitz-Birkenau und seinem "Ruf" zu begegnen.

    So ist dieser Text im Laufe der Zeit gewachsen und hat sich durch viele Begegnungs­erfahrungen und eigene Reflexionen ver­ändert. Es versteht sich von selbst, daß nur einige Aspekte des ungeheueren Geschehens von Auschwitz berührt werden können. Es ist der Versuch einer Annäherung mit Hilfe des christlichen Glaubens. Ein Versuch, der offen ist für weiteres Wachstum. Diese religiöse Begegnung bleibt ein lebendiger Prozeß.

    Mit der Veröffentlichung dieser Kreuzwegmeditation möchte ich auch dazu beitragen, die notwen­di­ge christli­che Besin­nung über "Au­schwitz" in mög­lichst viele Ge­meinden und zu mög­lichst vielen Menschen zu tragen. Sie macht nicht nur in Auschwitz Sinn. Weil die Züge nach Au­schwitz über­all ange­fangen haben, sind wir überall her­ausge­fordert.

     

    Der Text der Kreuzwegmeditation

  • Buch „Dialog an der Schwelle von Auschwitz“

    dialoguprogu

     

    In dem Buch Dialog an der Schwelle von Auschwitz werden Vorträge veröffentlicht, die während der Seminare „Am Rande von Auschwitz“ im Zentrum für Dialog und Gebet in Oświęcim gehalten wurden. Die Autoren sind: Manfred Deselaers, Halina Birenbaum, Wiesław Jan Wysocki, Marian Kołodziej, Teresa Świebocka, Łukasz Kamykowski, Michael Signer, Sacha Pecaric, Klaus Kienzler, Michael de Goedt, Marek Nowak, Heinzspeter Heinz.

     

    Diese Studientage, ursprünglich nur für polnische Studierende geplant, sind in den vergangenen Jahren langsam zu internationalen und interreligiösen Begegnungen gewachsen. Wir haben jüdische und christliche, deutsche, polnische, amerikanische, israelische Referenten und Teilnehmer gesucht, die bereit waren, sich auf eine Begegnung „an der Schwelle von Auschwitz“ einzulassen. Dabei sprachen die Referenten vor allem über sich selbst, nicht über Andere: Deutsche über die deutsche, Polen über die polnische, Christen über die christliche, Juden über die jüdische Perspektive. So entstand eine Atmosphäre des gegenseitigen Zuhörens und des Versuches, einander zu verstehen.

     

    Das Zeugnis der Menschen, die mit viel Mut und Ehrlichkeit von ihrem Leben gesprochen haben, sollte nicht verloren gehen. Auf der Erde von Auschwitz hat jedes Wort besonderes Gewicht, nicht nur in Bezug darauf, wovon es sprechen will, sondern auch, und vielleicht in diesem Fall besonders, in Bezug darauf, wo es gesprochen wurde. Wer diese Vorträge liest, sollte daran denken. Das Buch beansprucht nicht, die Fragen nach Auschwitz zu beantworten. Es will vielmehr eine Hilfe sein, Fragen zu stellen und zu zeigen, dass sie jeden Menschen betreffen.

     

     

    INHALT:


    Kardinal Franciszek Macharski:
    Vorwort
    Manfred Deselaers:
    Dialog an der Schwelle von Auschwitz? 
    Halina Birenbaum:
    Auschwitz – gestern und heute. Habe ich ein Recht, mich hier glücklich zu fühlen?
    Wiesław J. Wysocki:
    Zeugnisse religiösen Lebens von Häftlingen
    Manfred Deselaers:
    Die Perspektive der Täter – das Beispiel des Kommandanten Rudolf Höß
    Teresa Świebocka:
    Die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau – Geschichte und Symbolik.
    Łukasz Kamykowski:
    Der Blick auf  “Auschwitz” – eine polnische Sichtweise
    Sacha Pečarič:
    Die Unfähigkeit zu sprechen
    Michael Signer:
    Jüdische Theologie nach der Shoah in den USA
    Klaus Kienzler:
    Christliche Theologie nach Auschwitz in Deutschland
    Michele de Goedt:
    Erlösungstheologie nach Auschwitz?
    Łukasz Kamykowski:
    Theologie des Dialoges 
    Marek Nowak:
    Dialogerfahrungen in Polen
    Hanspeter Heinz:
    Dialogerfahrungen in Deutschland

    Dialog an der Schwelle von Auschwitz
    Herausgegeben von Manfred Deselaers
    Verlag Wydawnictwo UNUM
    Zentrum für Dialog und Gebet Osiwecim
    Krakau 2003
    228 S.
    15,- Euro


    Bestellungen richten an:

    pax christi-Bewegung
    Sekretariat der deutschen Sektion

    Postfach 13 45, 61103 Bad Vilbel
    Feststr. 9, 61118 Bad Vilbel
    Tel.: 06101 20 73
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    oder an:

    Wydawnictwo UNUM
    ul. Kanonicza 3
    31-002 Kraków
    POLEN
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    e-mail: unum@ptt.net.pl
    Bei Abnahme von mind. 10 Exemplaren: 10 €.

  • Wohnort: Oswiecim

    Miejsce zamieszkania: Oswiecim
    Wohnort: Oswiecim
    My home town: Oswiecim

    opracowala, herausgegeben von, edited by:
    Elzbieta Glowacka

    Centrum Dialogu i Modlitwy w Oswiecimiu
    Oswiecim 2005

    16,- Zl.

     


    Die Idee, die nachstehende Publikation „Wohnort: Oświęcim“ zu verfassen und damit eigene Gedanken und Gefühle zum Ausdruck zu bringen, entstand aus dem Bedürfnis, über den Ort zu reflektieren und zu schreiben, an dem wir geboren sind und in dem wir leben, und der für viele Menschen in der ganzen Welt als Ort der Vernichtung eine symbolische Bedeutung hat.

    Die Stimme der Einwohner der Stadt Oświęcim ist eine Stimme von Menschen, die hier ihre Kindheit und Jugend, Momente des Glücks und der Trauer erlebt haben. Sie möchten ihre Erfahrungen anderen mitteilen und die Fragen aller beantworten, die kaum begreifen können, wie man auf diesem Fleck Erde leben kann.

    Wer hat an dem Projekt mitgearbeitet? An der Publikation arbeiteten Schülerinnen von Oświęcimer Schulen: Aneta Brombosz, Małgorzata Smętek, Urszula Bieniek, Barbara Wawro, Paula Borkowska  und Anna Ślęczka, Absolventin der Schlesischen Universität. Das Projekt wurde von Elżbieta Głowacka aus dem Zentrum für Dialog und Gebet in Oświęcim geleitet.

    Die Autorinnen haben sich im Zentrum für Dialog und Gebet in Oświęcim im Herbst 2002  im Rahmen des Projekts „Wohnort: Oświęcim“ kennengelernt, an dem sie in den danach folgenden Monaten zusammen mit anderen Gleichaltrigen teilnahmen. Der erste Teil des vom Zentrum für Dialog und Gebet für Jugendliche aus Oświęcim organisierten Projekts ist im Juni 2003 zu Ende gegangen. Gemeinsame Erlebnisse, neue Erfahrungen, besonders die den Dialog mit anderen betreffenden, haben viele Erinnerungen und Impulse hinterlassen. Sie haben auch viele Teilnehmende zum Nachdenken gebracht: über die eigene Person, über den Wohnort, darüber, welche Rolle dieser Ort im Leben der in Oświęcim wohnenden Menschen spielt.

    Impulse, die in bedeutendem Maße zur Herausgabe dieser Publikation in polnischer, deutscher und englischer Sprache beigetragen haben, waren Kontakte mit den Gästen der Oświęcimer Erde, aber auch die Reise der Jungen Botschafter aus Oświęcim nach Deutschland.

     


    Ausgewählte Texte

  • Buch: GOTT UND AUSCHWITZ

    Das Buch enthält Texte zu den drei wichtigsten Ereignissen im Zentrum für Dialog und Gebet in Oświęcim im Jahr 2006: das Seminar über Edith Stein (9.Mai), Besuch von Papst Benedikt XVI (28. Mai) und das Seminar „Gott in den Düsternissen der Geschichte" (23.-24. November)

     

    GOTT UND AUSCHWITZ

    über Edith Stein, den Besuch von Papst Benedikt XVI.
    und Gott in den Düstenissen der Geschichte

    Hrsg. von M. Deselaers, L. Łysień, J. Nowak
    Übersetzt von Elżbieta Wawrzyniak-Buschermöhle

    UNUM Verlag, Kraków, 2010

     

    Inhaltsverzeichnis

    Vorwort (Walter Kardinal Kasper)
    Vorwort (Stanisław Kardinal Dziwisz)
    Einleitung

    TEIL I. Edith Stein

    WACŁAW DŁUGOBORSKI
    Edith Steins Eintritt in die Politik: Breslau 1918-1919

    ANNA GRZEGORCZYK
    Der Einfluss des Denkens Edith Steins auf die Philosophie des 21. Jahrhunderts

    MARIAN ZAWADA OCD
    Die Bedeutung Edith Steins für die zeitgenössische Spiritualität

    STANISŁAW KRAJEWSKI
    Der Fall Edith Stein

    ROMUALD JAKUB WEKSLER-WASZKINEL
    Edith Stein als Herausforderung

    MANFRED DESELAERS
    Edith Stein und die Verantwortung der Kirche

     

    TEIL II. Benedikt XVI.

     STANISŁAW KARDINAL DZIWISZ
    Begrüßung von Papst Benedikt XVI. im Zentrum für Dialog und Gebet in Oświęcim [Auschwitz], 28. Mai 2006

    ÖKUMENISCHES GEBET in Birkenau, 28. Mai 2006

     ANSPRACHE von Benedikt XVI. im Ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, 28. Mai 2006

     GENERALAUDIENZ von Benedikt XVI. in Rom am 31. Mai 2006

     ANSPRACHE von Benedikt XVI. an das Kardinalskollegium und die Mitglieder der Römischen Kurie, 22 Dezember 2006

    MANFRED DESELAERS
    Die Bedeutung der zwei Papstbesuche in Auschwitz

     
    TEIL III. Gott in den Düsternissen der Geschichte

    JOANNA BARCIK
    Die fordernde Anwesenheit Gottes

    GRZEGORZ CHRZANOWSKI OP
    Die traditionelle Theodizee angesichts von Auschwitz - Thomas von Aquin und Hannah Arendt

    MANFRED DESELAERS
    Gott und das Böse. Anthropologisch-theologische Reflexion

    ZBYSZEK DYMARSKI
    Von Gott oder vom Menschen sprechen

    JAN ANDRZEJ KŁOCZKOWSKI OP
    Hat Gott in Auschwitz gelitten? Wo war Gott in jenen Tagen? Warum schwieg er?

    LESZEK ŁYSIEŃ
    Im Halbdunkel der Zweitdeutigkeit. Die flackernde Weise der Anwesenheit Gottes in den vom Menschen geschaffenen Höllen

    PIOTR SIKORA
    Die Düsternisse der Anwesenheit Gottes

    KAROL TARNOWSKI
    Verantwortung Gottes - Verantwortung des Menschen

    KRZYSZTOF WIECZOREK
    Werdet ihr wirklich wie Gott sein: Die Suche nach Sinn des Leiden als Kampf des Menschen mit Gott

    PODIUMSDISKUSSION
    In welcher Sprache vom Bösen sprechen?

     

    DIETGER DEMUTH CSsR
    Geleitwort zur Mitherausgabe der deutschen Übersetzung

     

    Einleitung

     

    Die vorliegende Sammlung, die wir dem Leser übergeben möchten, enthält Texte dreier wichtiger Ereignisse des Jahres 2006 im Zentrum für Dialog und Gebet in Oświęcim [Auschwitz]: ein Edith Stein gewidmetes Seminar (9. Mai), der Besuch von Papst Benedikt XVI. (28. Mai) und das Seminar Die Anwesenheit Gottes in den Düsternissen der Geschichte (23.-24. November).

    Als wir mit den Vorbereitungen für die Seminare begannen, wussten wir noch nicht, dass uns der Heilige Vater besuchen wird. Nun lassen sich glücklicherweise alle drei Ereignisse zu einem Ganzen zusammenfügen, welches zu einem Zeugnis dessen wird, wovon Benedikt XVI. sagte:

    „Gottlob wachsen im Umkreis dieser Stätte des Grauens mit der Reinigung des Gedächtnisses, zu der sie uns drängt, vielfältige Initiativen, die dem Bösen eine Grenze setzen, dem Guten Kraft geben wollen. Eben durfte ich das Zentrum für Dialog und Gebet segnen. [...] So dürfen wir hoffen, dass aus dem Ort des Grauens Besinnung wächst und dass das Erinnern hilft, dem Bösen zu widerstehen und der Liebe zum Sieg zu verhelfen"1.

     

    Die Entstehung dieses Buches zeugt davon, dass wir uns im Bewusstsein der Verantwortung, zu der diese uns aufruft, für die Stimme von Auschwitz geöffnet haben. Es ist zugleich ein Zeichen der Hoffnung, dass aus dem Andenken einer sehr schwierigen Vergangenheit Gutes erwachsen kann.

     

    Im Angesicht von Auschwitz steht unser Glaube vor der Herausforderung der Zeugnisse der Opfer. Diese sind völlig unterschiedlich. Zu einem der wichtigsten Zeugnisse wurde in den letzten Jahren die Stimme Edith Steins, der Karmelitin Teresa Benedikta vom Kreuz, die wegen ihrer jüdischen Abstammung in Auschwitz umkam. Die katholische Kirche sprach sie selig (1987), heilig (1998) und erklärte sie zur Mitpatronin Europas (1999). Um die Bedeutung dieser wichtigen Persönlichkeit gerade auch im Kontext des christlich-jüdischen Dialogs besser verstehen zu können, haben wir ihr in Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau und der Krakauer Provinz der Unbeschuhten Karmeliten ein Seminar gewidmet. Dieses bot vielen Repräsentanten des polnischen Denkens, die auch institutionell mit Leben und Werk der Patronin Europas verbunden sind, die Gelegenheit zur Begegnung. Professor Wacław Długoborski, ein ehemaliger Häftling des Lagers Auschwitz-Birkenau und langjähriger Leiter der historischen Abteilung des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau in Oświęcim [Auschwitz], stellte die wenig bekannte Periode des politischen Engagements der jungen Studentin aus Breslau in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg dar. Professor Anna Grzegorczyk, Direktorin des Edith-Stein-Forschungszentrums in Poznań [Posen], analysierte den Einfluss des Denkens Edith Steins auf die zeitgenössische Philosophie. Der Karmelitenpater Dr. Marian Zawada, Direktor des Edith-Stein-Zentrums für Geistliche Kultur „Communio Crucis" in Kraków [Krakau], sprach über ihre Bedeutung für die christliche Spiritualität. Professor Stanisław Krajewski, der Co-Vorsitzende des Polnischen Rates der Christen und Juden, legte den „Fall Edith Stein" aus jüdischer Perspektive dar. Der Priester Dr. Jakub Romuald Weksler-Waszkinel, der den Holocaust überlebte, ist derzeit Dozent für Philosophie an der Katholischen Universität Lublin. Er sprach über Edith Stein als Herausforderung für das Andenken der Kirche im Kontext des christlich-jüdischen Dialogs. Dr. Manfred Deselaers vom Zentrum für Dialog und Gebet in Oświęcim [Auschwitz] stellte Aspekte der Verantwortung der Kirche im Zusammenhang mit dem Brief Edith Steins an Papst Pius XI. dar.

     

    Der Besuch Papst Benedikt XVI. im Zentrum für Dialog und Gebet in Oświęcim [Auschwitz] war für uns von ungeheurer Bedeutung. In der Zeit zwischen dem Besuch des „polnisches" Papstes Johannes Paul II. (1979) und dem Besuch des „deutschen" Papstes Benedikt XVI. ist eine ganze Epoche schwierigen christlich-jüdischen Dialogs enthalten, der weiterhin eine Herausforderung für beide Seiten bleibt. Aus diesem Grund entstand vor einigen Jahren das Zentrum für Dialog und Gebet in Oświęcim [Auschwitz]. Johannes Paul II. segnete die Anfänge dieses Werkes. Der Besuch von Papst Benedikt XVI. und dessen Segen, der auch den Karmelitinnen galt, wurde zur Bestätigung des Sinns dieses Werkes und zur Herausforderung, das Engagement für Versöhnung, Frieden und Hoffnung weiterzuentwickeln. Das Andenken an den herzlichen Verlauf dieser Begegnung hilft uns sehr dabei.

    Im Angesicht von Auschwitz von Gott zu sprechen, ist nicht einfach. Beim Besuch im ehemaligen Konzentrationslager begann Papst Benedikt XVI. seine Ansprache mit folgenden Worten: „An diesem Ort des Grauens, einer Anhäufung von Verbrechen gegen Gott und den Menschen ohne Parallele in der Geschichte, zu sprechen, ist fast unmöglich [...]" Dieser Ansprache gingen langes Schweigen und Gebet voraus. Aber selbst das Gebet geht einem hier nicht leicht von den Lippen: „An diesem Ort versagen die Worte, kann eigentlich nur erschüttertes Schweigen stehen - Schweigen, das ein inwendiges Schreien zu Gott ist: Warum hast du geschwiegen?"

    Der Papst traf sich mit ehemaligen Häftlingen. Gerade die Verbundenheit mit ihnen, Liebe und Solidarität mit den Opfern, enthüllen den tieferen Sinn und die Perspektive des Gebets: „In solchem Schweigen verbeugen wir uns inwendig vor der ungezählten Schar derer, die hier gelitten haben und zu Tode gebracht worden sind; dieses Schweigen wird dann doch zur lauten Bitte um Vergebung und Versöhnung, zu einem Ruf an den lebendigen Gott, dass er solches nie wieder geschehen lasse".

     

    Die Idee, ein Seminar mit dem Titel Die Anwesenheit Gottes in den Finsternissen der Geschichte zu organisieren, entstand in den Herzen von Menschen, die sich mit Oświęcim [Auschwitz] verbunden fühlen. Dr. Joanna Barcik, die Enkelin eines ehemaligen Häftlings, des langjährigen Kustos und Vizedirektors des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau Tadeusz Szymański, besuchte ihren Großvater häufig, der bis an sein Lebensende auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers wohnte. Dr. Leszek Łysień war mehrere Jahre lang Kaplan in der Pfarrei Maria Königin von Polen und wohnte gleich neben dem ehemaligen Lager Birkenau. Für sie war die Idee ihres Freundes, des Priesters Manfred Deselaers, inspirierend, der seit über 10 Jahren im Zentrum für Dialog und Gebet arbeitet. Unter dem Eindruck der Last und der Herausforderung der Fragen, die sich uns von diesem Ort her aufdrängten, wollten wir das Bedürfnis ausdrücken, Antworten zu suchen und eine Perspektive der Hoffnung zu skizzieren. In Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Religionsphilosophie der Philosophischen Fakultät der Päpstlichen Theologischen Akademie in Kraków [Krakau] veranstalteten wir deshalb ein Seminar, zu dem sich Philosophen und Theologen aus Kraków [Krakau], Gdańsk [Danzig], Bielsko-Biała [Bielitz-Biala], Katowice [Kattowitz] und anderen polnischen Städten versammelten. Ein wichtiger Teil der gemeinsam verbrachten Zeit, Gespräche und Diskussionen an der Schwelle zu Auschwitz war die Kreuzwegmeditation auf dem Gelände des ehemaligen Lagers Birkenau, die uns von neuem die Bedeutung des Schweigens und des Sich-in-die-Stimme-der-Zeugen-Hineinvertiefens bewusst machte. Wer diese vernimmt, muss anders philosophieren.

    Unter Zuhilfenahme des Denkens u.a. von E. Lévinas, E. Fackenheim, H. Arendt, H. Jonas versuchten die Philosophen in ihren Vorträgen, im Bewusstsein der tiefen Unvollkommenheit der Sprache und der ungeheuren Schwierigkeiten, die das Thema aufwirft, um die Fragen zu ringen, welche aus dem Herzen des Schmerzes selbst und dem Entsetzen der geschichtlichen Finsternisse emporsteigen. Wo war Gott, wo ist er - allmächtig, barmherzig, gut, liebevoll - während die Eruption des Bösen ihren Zenit erreicht, während alles in den Abgrund der Seelenlosigkeit und der Beliebigkeit versinkt. Erscheint nicht in solchen Momenten die Welt und das Leben auf ihr als „dumme, laute und bedeutungslose Erzählung eines Idioten" von Shakespeare? Welchen Blickwinkels bedarf es, um in solch einer Situation nicht der düsteren Verzweiflung zu verfallen, welche die radikale Sinnlosigkeit von allem verkündet? Vielleicht desjenigen, von dem Konstanty Michalski schreibt: „ Da ich nur in das mich umgebende Feuer blickte, war es nicht schwer, in seinen Flammen zwei seit Jahrhunderten wirkende Kräfte der Liebe und des Hasses zu erkennen"2.

    Die Frage nach der Anwesenheit Gottes im Pandämonium der Geschichte muss, soll sie voller Erhabenheit erklingen, gleichzeitig die Frage nach der Anwesenheit des Menschen sein. Greifen wir zu J. B. Metz, einem für die Auschwitz-Problematik besonders sensiblen Theologen: „Die theologische Frage nach Auschwitz heißt ja nicht nur: Wo war Gott in Auschwitz? Sie heißt auch: Wo war der Mensch in Auschwitz? Was mich an der Situation „nach Auschwitz" immer besonders tief berührt und beunruhigt hat, war das Unglück, war die Verzweiflung derer, die diese Katastrophe überlebt haben. Soviel sprachloses Unglück, so viele Selbstmorde! Hier sind offensichtlich Menschen an der Verzweiflung am Menschen gescheitert, an dem, wozu Menschen gegenüber Menschen fähig sind. So hat diese Katastrophe die metaphysische und moralische Schamgrenze zwischen Mensch und Mensch tief abgesenkt, sie hat das Band der Solidarität zwischen allem, was Menschenantlitz trägt, verletzt. So etwas überstehen nur die Vergesslichen. Oder die, die schon erfolgreich vergessen haben, dass sie etwas vergessen haben. Aber auch sie bleiben nicht ungeschoren. Denn man kann auch auf den Namen des Menschen nicht beliebig sündigen"3.

    Wie sich zeigt, berühren wir, wenn wir auf Gott und das Böse hinweisende Fragen berühren, irgendein abgründiges Geheimnis. Hier ist nichts einfach, in keinem Fall kann man zur Tagesordnung übergehen. Es bedarf eines radikalen Denkens, aber zugleich bedarf es einer tiefen Empfindsamkeit des Denkens, um nicht zu sagen, einer Frömmigkeit des Denkens. Einerseits kann der moralische Sinn des Menschen mit dem Ausmaß des nicht zu rechtfertigenden Bösen nicht zurechtkommen, welches die Menschheitsgeschichte durchzieht. Deshalb richtet er die Anklage an die Adresse Gottes. Die Anklage kann die ganze Farbpalette annehmen. Von der Negation des Absoluten, über gnostische oder pseudognostische Überlegungen bis zu solchen Anklagen, wie sie Konrad aus Mickiewiczs Ahnenfeier4 erhebt: „Lügner, wer nannte dich Liebe, Du bist nur Weisheit"... Andererseits wissen wir schließlich: es waren Menschen, die Menschen dieses Schicksal bereiteten... Aber was nun? Wie also mit diesem Thema ringen, das bodenlos zu sein scheint, das schmerzt und jegliche Werkzeuge eines logischen Diskurses verwirft? Eines ist sicher: ein mit den Werkzeugen der Logik bewaffneter Verstand genügt genauso wenig wie kaltes unengagiertes Denken. Um mit den von den Teilnehmern dieser Konferenz aufgeworfenen Fragen zu ringen, bedarf es eines besonderen Heroismus des Denkens. Ja mehr noch: „es bedarf der Liebe im Denken". Lassen wir nochmals Konstanty Michalski zu Wort kommen: „Wenn man heute von Heroismus schreibt, muss sich in einem eine ganze innere lebendige Werkstatt entzünden. Die muss man entzünden mit einer Liebe, die stärker ist als der Tod"5.

     

    Die Textsammlung, die der Leser im vorliegenden Buch vorfindet, ist, wie schon gesagt, die Frucht eines gemeinsamen Lauschens auf die Stimme von Oświęcim [Auschwitz]. Nicht ohne Bedeutung ist auch die Tatsache, dass sich durch diese Initiative ein Netz von Freunden entwickelt, die das Bewusstsein der gemeinsamen Verantwortung und die Kraft der Hoffnung verbindet: „dass das Andenken der Vergangenheit hilft, sich dem Bösen entgegenzustellen und zu erreichen, dass die Liebe triumphiert." 

    Manfred Deselaers, Leszek Łysień

     

    1 zit nach: http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/speeches/2006/may/documents/hf_ben-xvi_spe_20060528_auschwitz-birkenau_ge.html [Stand: 04.02.2009]

    2 K. Michalski, Między heroismem a bestialstwem, Kraków [Krakau] 1949, S.11.

    3 zit. nach: J. B. Metz, Zum Begriff der neuen Politischen Theologie 1967-1997, Mainz 1997, S. 154.

    4 polnisch: Dziady

    5 K. Michalski, Między heroismem a bestialstwem, a.a.O., S.21.

     

    Copyright © 2010 by Zentrum für Dialog und Gebet in Oświęcim

    Finanziert mit Hilfe der Solidaritätsaktion RENOVABIS.

    ISBN 978-83-7643-042-3

    Wydawnictwo UNUM, ul. Kanonicza 3, 31-002 Kraków, Polen
    tel: +48 (12) 422 56 90, E-Mail: unum@ptt.net.pl

    _________________

    Die deutsche Ausgabe von „Gott und Auschwitz“ kann von Interessenten bei Renovabis (in Einzelexemplaren) kostenlos bestellt werden.

    Bestellungen per Mail an presse@renovabis.de oder telefonisch unter 08161-5309-39, -47 oder -49.

     

  • Buch DIALOGUE AT THE EDGE OF AUSCHWITZ

    dialogue-at-the-edge-of-auschwitz

    Dialogue at the Edge of Auschwitz – Perspectives for a Theology After Auschwitz

    Dialogue at the edge of Auschwitz is not easy, because we touch wounds which are still open. Nevertheless it is possible.

    In this book we present some fruits of more than 15 years of dialogue at the Centre for Dialogue and Prayer in Oświęcim. In 1997, we started to organize seminars ‘At the threshold of Auschwitz’. These are international and interreligious encounters with former prisoners, Christian and Jewish, with students from Poland, Germany, Israel, the United States and other countries, with professors, rabbis, priests. We present now a selection of some lectures in an English translation. They represent not only deep theological reflection about Auschwitz, but also quite different perspectives and approaches. We put them in sequence as Polish, Jewish and German voices.

     

     

     

    Table of Contents

    Manfred Deselaers
    The Significance of Perspectives for a Theology after Auschwitz

    Polish Voices

    Łukasz Kamykowski
    An Overview of Auschwitz from the Polish Perspective

    Marek Nowak
    Experience of Dialogue in Poland – A Study in Prehistory

    Henryk Seweryniak
    Theology after Auschwitz – Polish Perspective

    Krzysztof Kaucha
    Perspectives of Polish Fundamental Theology after Auschwitz

    Jewish Voices

    Michael Signer
    American Jewish Theology after Auschwitz

    Sacha Pecaric
    Inability of talking

    Alon Goshen-Gottstein
    The Question of God and Auschwitz

    German Voices

    Klaus Kienzler
    “Theology after Auschwitz” in the Federal Republic of Germany after 1945

    Gregor Maria Hoff
    An Impossible Place, a Necessary Language 

    Hanspeter Heinz
    Coming Together for the Sake of God

    Dialogue at the Edge of Auschwitz
    – Perspectives for a Theology After Auschwitz

    Wydawnictwo UNUM
    Centre for Dialogue and Prayer
    Kraków-Oświęcim 2014
    ISBN 978-83-7643-110-9

    The book costs 35,-PLN.

    Please order it here:

    Centrum Dialogu i Modlitwy
    ul. Kolbego 1
    PL-32-602 OSWIECIM
    kasia@cdim.pl

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