Zentrum für Dialog und Gebet in Oświęcim

Briefe von ehemaligen Häftlingen

  • Urszula Schulz

    Puszczykowo, den 13. Februar 2005

     

    Liebe Ewelina Matyjasik, lieber Pawel,

    liebe Kinder!


    Ich möchte Euch von einigen meiner Gefühle und Reflexionen erzählen, weil ihr Polen seid – ihr seid jung - und wohnt so nahe an der verdammten Stätte, dass es euch sicherlich psychisch etwas belastet. Ich glaube, dass es nicht ohne Bedeutung ist, dass man so nahe an dem Lager ist, und dass es im gewissen Grade eure Gedanken und euren Charakter beeinflusst.

    Das, was wir erlebt haben, war schrecklich und ich hoffe, dass es sich nicht wiederholt. Ich möchte nur erwähnen, dass ich, als ich verhaftet wurde, 19 Jahre alt war. Es fällt mir schwer, ein Rezept zu finden, um euch einen Ratschlag zu geben, wie ihr leben sollt. Obwohl ich damals da war, glaube ich, dass ich kein Recht habe, euer Leben zu beeinflussen. Lebt möglich normal und ehrlich. Eins steht fest. In der Zukunft sollt ihr den Politikern, die ihr wählt, zuschauen. Guckt ihr ihnen auf die Hände, kontrolliert ihre Tätigkeiten, dass es dazu nicht komme, dass solche Unmenschen wie Hitler zu Macht kommen. Ich kann es nicht begreifen, wie es sein konnte, dass das deutsche Volk, dass mitten im angeblich kulturell entwickelten Europa lebte, Hitler zu seinem Führer wählte und dann seine Verachtung der anderen Nationen unterstützte. Ich glaube nicht an diese Entschuldigung der Deutschen, dass sie von seinen Verbrechen nicht gewusst haben.

    In euch steckt also die Kraft der Zukunft.

    Ich weiss, dass es für euch eine grosse Belastung ist, ich kann euch aber nichts anderes sagen. Eigentlich bedauere ich euch, junge Menschen, die ihr statt normal zu leben und Freude am Leben zu haben, und Glück und Unbekümmertheit zu genießen, bewusst oder unbewusst mit dem Mal des Lagers belastet wurdet.

    Mein Name ist Urszula Schulz, geb. Łopińska, im Lager unter dem Familiennamen Łopińska. Ich bin am 19. Mai 1923 in Posen (Poznań) geboren. Ich bin 81 Jahre alt.

    Meine Adresse:
    ul. Gwarna 7
    62-041 Puszczkowo k. Poznania

    Ich gruesse euch ganz herzlich, ihr lieben Kinder. Lebt ihr glücklich,

     


    Urszula Schulz


    PS. Ich bedauere es sehr, dass ich nie die Gelegenheit hatte, eure Stadt zu besuchen und zu besichtigen. Ich war doch damals da, in Birkenau (Brzezinka) und während ich auf dem Feld gearbeitet habe, habe ich die einheimischen Menschen von weitem gesehen, wie sie da gelaufen oder mit dem Fahrrad gefahren sind. Es hat meine Sehnsucht nach der Freiheit vergrößert.
    Ich küsse und grüße Euch noch mal, liebe Kinder,


    U. Schulz

    Übersetzung Anka Bibrzycka

  • Danuta Potaczala - Tochter von Stanislaw Konieczny

    Meine Reflexionen

    zum 60. Jahrestag der Befreiung des KL Auschwitz – Birkenau

    Am 27. Januar 2005 sind seit der Befreiung des deutschen, nazistischen Lagers des Todes in Auschwitz – Birkenau 60 Jahre vergangen. Man muss die Millionenmasse von Menschen in Erinnerung bringen, die unschuldig ein unmenschliches Leid ertrugen und die in Gaskammern und Krematorien vernichtet wurden.

    Das Konzentrationslager Auschwitz wurde 1940 von der Regierung des Deutschen Reiches gebaut und wurde vom Budget des Dritten Reiches bis zum Ende (Januar 1945) unterhaltet. Aus den ökonomischen Gründen war es auf dem Gebiet des okkupierten Polens lokalisiert.

    In der ersten Zeit seines Bestandes, bis zum Frühjahr 1942, war das Lager Auschwitz überwiegend für polnische Häftlinge gedacht und es hatte zum Ziel die Vernichtung der polnischen Intelligenz, der politischen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Eliten Polens. Das Gelände des Lagers vergrößerte sich mit der zunehmenden Anzahl der Häftlinge, so dass man es zu einem riesenhaften Vernichtungskombinat umgewandelt hat. Das Lager wurde im Lauf der Jahre ein Vernichtungslager, besonders für Juden, Polen und für Menschen aus anderen Völkern – für die Einwohner der Länder, die von dem Deutschen Reich besetzt waren oder mit ihm kollaboriert haben.

    Die Verbrechen, die man im KL Auschwitz – Birkenau und in den anderen Lagern verübte, die Unterdrückung der Völker, die Verachtung und Erniedrigung, sollen nie vergessen werden. Die Grausamkeit des Krieges 1939 – 1945 überschritt die Grenzen des menschlichen Begreifens und Verstehens. Mit dem Ausbruch des II. Weltkrieges wurden alle Moralwerte des kulturellen Erbe Europas erschüttert. Die grausame Rücksichtslosigkeit der Nazis verurteilte alle besetzte Völker zu Torturen, Sklaverei und Vernichtung. Die deutschen Nazis haben die Todesbetriebe – die Konzentrationslager gebaut. Dies waren Stätten der Erniedrigung und der Vernichtung, wo unter unbeschreibbaren psychischen und physischen Qualen Millionen von Menschen starben.

    Den Rassenwahnsinn und das Machtstreben der deutschen Nazis haben wir, die polnischen politischen Gefangenen der nazistischen Gefängnisse und Konzentrationslager, unsere Familien, die zu Sklavenarbeit ins Innere Deutschland zwangsweggefahren wurden und Einwohner des ganzen okkupierten Landes erlitten.

    Ich schreibe darüber um zu unterstreichen, dass es unsere Pflicht ist, uns die Erinnerung an die deutschen Verbrechen einzuprägen und es den nächsten Generationen der jungen Polen und jungen Deutschen weiterzugeben. Die Worte: „Menschen haben Menschen dieses Schicksal bereitet!“ sollen zum Ausdruck bringen, dass solche Tragödien nie wieder wiederholt werden dürfen.

    Jedem muss es bekannt sein, was hier damals vorgefallen ist.

    Papst Johannes Paul II hat an der „Todeswand“, auf der Gelände des Museums Auschwitz, während seiner ersten Reise nach Polen im Juni 1979 gesagt: „... ich beuge meine Knie vor der Golgota unserer Zeiten... “

    Pater Maximilian Kolbe, der in einem Hungerbunker am 14. August 1941 mit der Phenolspritze ermordet wurde, ist das Zeugnis der erschütternden Wirklichkeit.

    Am 17. Oktober 1971 hat Papst Paul VI den Pater Maximilian Kolbe seliggesprochen und am 10. Oktober 1982 hat ihn Papst Johannes Paul II heiliggesprochen.

    Dieser polnische Heilige fördert uns in dem großen Werk der deutsch-polnischen Versöhnung und ist in unserem Gedächtnis als ein Symbol der Warnung und Bezeugung lebendig.

    Ich bin der Mitglied des Verbandes ehemaligen politischen Häftlinge hitlerischen Gefängnisse und Konzentrationslagern mit dem Sitz in Lublin. Auf unserer Fahne steht ein Bild von dem Heiligen Maximilian Kolbe.

    Sei das Maximilian Kolbe Werk, das in Deutschland von Herrn Alfons Erb gegründet wurde, eine weitere Bezeugung der Arbeit im Geist der Versöhnung!

    Wir wollen und müssen uns darum bemühen, dass polnische und deutsche Jugendliche die tragische Vergangenheit des II Weltkrieges kennenlernen:

    - man soll den jungen Menschen die mündliche und schriftliche Überlieferung über die Tragik der Kriegszeit zugänglich machen. Das sollte durch häufigere Treffen der Gruppen von Jugendlichen aus Polen und Deutschland mit ehemaligen Häftlingen und anderen Zeugen der verbrecherischen Zeiten erfolgen;

    - man sollte Tätigkeiten in dem Bereich: Gedenkstättereisen, Besuche der Massennekropolen, Kennenlernen des Volksmartyriums und Archivdokumenten, die sich in den Museumssammlungen befinden u. Ä. entwickeln und intensivieren;

    - die Schulbücher für Kinder und Jugendliche sollten historisch bestätigte und nicht verfälschte Inhalte zu bestimmten Themen umfassen. Solche Einstellung hängt von den Bildungsministerien und den redlichen Historikern ab;

    - man soll den Jugendlichen die Prinzipien beibringen, gute, partnerschaftliche und freundliche Beziehungen aufzunehmen, u.a. soll es klargemacht werden, dass kein junger Deutscher sich mit der Schuld an den Kriegsverbrechen belastet fühlen soll, aber dass es ihm bewusst sein soll, wie der Okkupationsterror war und wie viele unmenschliche Taten man damals in Polen, besonders in den deutschen nazistischen Konzentrationslagern verübt hat;

    - man soll unter den Jugendlichen Moralprinzipien im Geiste des Dekalogs und der Verantwortung für eigene Taten begründen.

    Als der II. Weltkrieg 1939 ausgebrochen ist, war ich 4 Jahre alt, 6, als mein Vater 1941 verhaftet wurde. Ich bin eine Tochter von Stanislaw Konieczny (*1908 - +1991). Am 27. Mai 1941 wurde mein Vater in Majdan Sopocki verhaftet, danach in Zamosc und im Schloss in Lublin gefangengehalten. Man hat ihn dann ins KL Auschwitz gefahren, wo er die Lagernummer 19548 bekommen hat.

    Bis Oktober 1944 war er Häftling des Lagers Auschwitz – Birkenau, danach man hat ihn nach Oranienburg – Sachsenhausen geschickt. Er wurde während der Evakuierung des Lagers auf dem Weg nach Schwerin durch die Armee der Aliierten befreit.

    Mein Vater war im Moment der Verhaftung 33 Jahre alt, er war verheiratet und hatte vier Kinder im Alter von 10, 9 und 6 (das war ich) Jahren und sein jüngster Sohn war gerade erst 1 Monat und 7 Tage alt.

    Um 5 Uhr morgens sind einige Gestapoagenten mit Gewehrgepolter in die Wohnung eingedrungen und haben meinen Vater verhaftet.

    Zwei Jahre danach, im Juni 1943, wurden wir, d.h. ich, das 8-jährige Mädchen, meine Mutter und meine Geschwister infolge der Repressionen der Deutschen, während der Pazifisierung der Zamojszczyzna (die Region von Zamość, süd-östliches Polen) verhaftet und nach Deutschland in die Zwangsarbeit gefahren.

    Glücklicherweise har sich unsere ganze Familie nach dem Kriegsende 1945 wiedergefunden. Wir sind in ein armes, durch den Krieg zerstörtes Land zurückgekehrt.

    Mich an Euch wendend, Ihr Jugendlichen beider Nationen, der polnischen und der deutschen, möchte ich unterstreichen, dass ihr heutzutage noch Schüler oder Studenten seid, morgen aber, d.h. in der nächsten Zukunft, wenn ihr schon recht ausgebildet sein werdet, wird das Schicksal unserer Nationen in eure Hände gelegt. Verspielt nicht die Chance, ein glückliches Morgen für euch selbst, für eure Familien, euere Land und die Nachbarvölker zu schaffen.

    Alfons Erb (1907 – 1983), der Gründer und Ehrenpräsident des Maximilian Kolbe Werkes, hat u.a. gesagt: Als ein Deutscher und Christ fühle ich mich verpflichtet, da für Frieden und Versöhnung zu arbeiten, wo der Hass und die Verachtung der Menschenwürde am meisten herrschten - in Polen. Mit höchster Achtung neige ich mich respektvoll vor dem Leid, das den Kindern, Frauen und Männer das deutsche Volk angetan hat – es soll nie wieder Krieg geben, es soll nie wieder Konzentrationslager geben.

    Mögen die Worte von Alfons Erb euer gegenwärtiges Leben bereichern.

    Danuta Potaczała

    - Tochter von einem Häftling des KL Auschwitz, Nr. 19548
    - Mitglied des Verbandes ehemaliger politischer Häftlinge hitlerischer Gefängnisse und Konzentrationslager, im Vorstand des Kreises Lublin,

    Droga Męczenników Majdanka 67 
    20-325 Lublin

    Lublin, den 18. Februar 2005

    Übersetzt von Anka Bibrzycka

  • Czeslaw Arkuszynski

    Warszawa, 4. Februar 2005

     

     

    Zentrum für Dialog und Gebet

    In Oswiecim.

    Sehr geehrter Pfarrer Dr. Manfred Deselaers!


    Die Aufgabe, die das Zentrum für Dialog und Gebet in Oswiecim für deas Werk der Versöhnung und gemeinsamer Zukunftsverantwortung erfüllt, verdient höchste Anerkennung und Wertschätzung der Menschen, die die wagemutige Aufgabe auf sich genommen haben, Bedingungen für gegenseitiges Verständnis und Achtung unter verschiedenen Rassen, Bekenntnissen und Volkszugehörigkeiten zu schaffen.

    Das Leben liefert uns täglich Beispiele, wie schwer diese Aufgabe ist und wie ungeheuer viel Zeit wir benötigen, um die Menschheit zu Geschwisterlichkeit zu führen, zu Verzicht auf Fremdenangst und Rache für das, was unsere Vorfahren getan haben.

    Einige Beobachtungen und Gedanken:

    [...]

    Ich apelliere an die Jugend Deutschlands! Lasst Euch von den Propagandisten unter dem Zeichen des schwarzen gebrochenen nazistischen Hakenkreuzes nicht einreden, es habe polnische Konzentrationslager gegeben. Solche Lager gab es auf dem Gebiet Polens nie. Auf dem Gebiet Polens, im von nazistischen Deutschen okkupierten Land waren nazistische Konzentrations- und Vernichtungslager, die einen wie die anderen von Deutschen gegründet. Das Lager Auschwitz-Birkenau war gleichzeitig ein Konzentrationslager und ein Vernichtungslager, während es z.B. in Treblinka nur ein Vernichtungslager gab, das die deutschen Nazis allein dafür geründet hatten, um etwa 700 000 Juden zu vergasen und zu verbrennen. Es gab mehr solcher Lager. Im Polen der Jahre 1939 bis 1945 gab es keine mit den Hitlerdeutschen kolaborierende Organisation. Weder tat das das polnische Rote Kreuz, noch die Caritas, noch der Hauptfürsorgerat. In vielen Ländern des heutigen Europa, die damals von Hitlerdeutschland besetzt waren – in Ländern, die sich heute herausnehmen, von „polnischen Konzentrationslagern” zu schreiben – gab es Organisationen, ja sogar Regierungen, die mit den nazistischen Deutschen kolaborierten. Jugendliche der Welt! Nehmt die Euch angebotenen Lügen nicht als Wahrheit! Andernfalls werdet Ihr Euch nie versöhnen und mögen!

    Ich erinnere mich an das Jahr 1937. In Spala – dem damaligen Sitz des Präsidenten der Republik Polens Ignacy Moscicki – wurde ein „Jamboree” organisiert, ein internationales Pfadfindertreffen. Es waren Pfadfinder beiderlei Geschlechts aus der ganzen Welt gekommen. Ich war 13 Jahre alt, aber ich erinnere mich, wie die schottischen Pfadfinder in karierten Röcken und großen khakifarbenen Filzhüten mit polnischen Pfadfinderinnen spazieren gingen. Diese integrierte, aber gleichzeitig komplett untereinander gemischte Jugend bildete ein Bild, dass die Hoffnung einflößte, dass es gut ist, wenn sich die Jugend verbindet, dass eine Vision einer friedvollen, guten Welt entsteht. Wir wissen, dass es so nicht kam. Am „Jamboree” nahmen, wie ich mich erinnere, weder die sowjetischen Komsomolzen noch die Mitglieder der „Hitler Jugend” teil. Dennoch, meine ich, sollten junge Leute der Länder der Europäischen Union heute eine große Organisation gründen nach dem Vorbild der Pfadfinder, sich große humanistische Ziele vornehmen, internationale Treffen organisieren, gemeinsam die Ferien verbringen, viele Sportdisziplinien betreiben, verschiedene Sprachen lernen, an ökumenischen Gebeten teilnehmen, gemeinsam singen und spielen, sich gegenseitig lieben, aber konkurieren in dem, was anspruchsvoll, gut und edel ist. Dann wird sich die schlimme Geschichte nicht wiederholen, dass ein Olympiasportler (Janusz Kusocinski) von anderen Sportlern aus dem benachbarten Land erschossen wird.

    Noch eine Reflexion. Adolf Hitler war ein Charismatiker. Er kam an die Macht, als in Deutschland eine große Wirtschaftskrise war. Das kam seinen mörderischen Gedanken entgegen. Er begeisterte eine enorme Menge Menschen für den Kampf gegen die an der schlechten Wirtschaftslage Schuldigen. Schuldig, seiner Ansicht nach, waren natürlich die Juden. Das redete er dem ganzen Volk ein. Später hat er den populären Slogan von der notwendigen Vergrößerung des „Lebensraumes” ausgegeben. So hat er den Zweiten Weltkrieg hervorgerufen. Solange er große militärische Erfolge errang, unterstützte ihn das ganze deutsche Volk. Aber später, als man sich nach der Niederlage in Stalingrad zurückziehen musste, verlor er die volle Unterstützung. Der Krieg zog sich in die Länge, Deutschland wurde von den Flugzeugen der Allianten bombardiert, und es starben Menschen im eigenen Land, hinter den Frontlinien. Viele Deutsche haben dann über den Sinn des Krieges nachgedacht. Auf diesem Hintergrund entstand Streit in deutschen Familien. Ein polnischer Literat, Leon Kruczkowski, brachte das in seinem Drama „Die Familie Sonnenbruch” (polnisch: „Niemcy”) zum Ausdruck. Ich habe in meinen Erinnerungen „Sich nicht totschlagen lassen” („Nie dac sie zabic”) meinen Kontakt mit einem Deutschen erwähnt, mit meinem Meister im Lager Wansleben am See, mit Alfred (?) Hahmann. Hahmann war, so sagte 1997 der Bürgermeister von Wansleben, „ein Nazi”. Aber damals, als um mich herum täglich Menschen an Hunger starben, hat er mir mit einem Stück Brot und mit einer Zigarette geholfen, die ich im Lager für ein Stück Brot verkaufte, um zu überleben! Man kann Hohmann nicht verurteilen, weil er „Nazi” war. Vielleicht war er es, aber er hat sich vermenschlicht. Ich habe ihm die Tragödie der Juden in Birkenau erzählt, und er hat mich nicht der „Gestapo” ausgeliefert. Was für ein „Nazi” war er also? Und als ich in eben diesem Wansleben am See 10 Tage lang in der Bäckerei Hoffmann Brot stahl, soll ich glauben, dass der Bäcker das nicht gemerkt hat? Ich bin heute überzeugt, dass er es gesehen hatte, aber so tat, als sähe er es nicht, weil SS-Männer daneben standen und er sich darüber im Klaren war, was die Folgen wären, wenn er es aufgedeckt hätte. Das ist Toleranz.

    Ich habe an diese Episode erinnert, weil ich zeigen will, dass die heutigen Deutschen mit sich selbst nicht versöhnt sind. Es passt nicht in den Kopf des heutigen Bürgermeisters, dass Hahmann damals aufgehört haben könnte, „Nazi” zu sein. Mit anderen Worten, die heutigen Deutschen haben weiterhin mit sich selbst echte Probleme. Das dauert noch einige Generationen.

    Geschätzter Pfarrer Dr. Deselaers!

    Das sind unerschöpfliche Themen. Vielleicht versuche ich in einem folgenden Brief auf die vielen konkreten Fragen der Jugendlichen zu antworten. Die Fragen sind kurz, aber die Antworten lassen sich nicht in einen Satz fassen.

    Ich grüße von Herzen,

    hochachtungsvoll

    Czesław Arkuszynski

    * * * *

    Warszawa, 10. Februar 2005

     

    Hier sind meine Antworten auf einige Fragen der Jugendlichen aus Deutschland, Österreich, Polen...

    .:. Nicole Zach, Daniela Lazenhofer, Sylwia Rapp aus Hollabrunn - Österreich:

    Verlangt über die Direktion Euerer Schulen, dass das Erziehungsministerium in Euerem Land in die Schulbücher für Geschichte pflichtmäßig eine Lektion über die Konzentrationslager und Vernichtungslager einfügt, die vom nazistischen Deutschland in Europa vor und während des Zweiten Weltkrieges gegründet wurden. Nach solch einer Lektion organisiert dann selbst Seminare - Wissensteste zu diesem Thema. Es gab schließlich auf dem Gebiet von Österreich zwei große Konzentrationslager in Mauthausen und Gusen und einige kleinere in anderen Ortschaften.

    .:. Frauke Brünning, Mirjam Laux aus Hadamar sowie Katarina Hartwig und Anja Linding aus Jena - Deutschland:

    Ich habe mich über Euer Bewußtsein und die angemessene Bewertung dessen, was geschehen war, gefreut. Wir, die ehemaligen Häftlinge, geben Euch keinerlei Schuld. Klärt aber die anderen jungen Deutschen auf, wenn sie die Geschichte anders bewerten als ihr. Was die Erziehung in den Schulen angeht, siehe meine Forderung oben. Den Jugendlichen aus Jena widme ich die Kapitel meiner Arbeit "Wansleben am See" (das ist in der Nähe von Jena) und "Befreiung".

    .:. Mirjam, Martina und Maria aus Großkrotzenburg - Deutschland, sowie Verena Muckenhuber, Ines Beer, Andrea Hagendorfer aus Hollabrunn - Österreich:

    Es gibt im Leben manchmal Erlebnisse, die eine tiefe Furche in die Erinnerung eingraben. Diese Furche läßt sich nicht zuschütten. Deshalb erzählen wir dauernd. Wir bitten Euch, die Jugend, um Weitergabe dieser Erinnerungen. Wir haben keinen Haß in uns, aber ich kann mich denen nicht anschließen, die darüber ohne Leid, Groll erzählen. Ich leide unter der durch den Krieg verspäteten Erziehung, durch die Schäden an der körperlichen und psychischen Gesundheit, am Verlust des Vaters, am Verarmen des Familienvermögens und ähnlichen Folgen des Krieges. All das hat mein späteres Leben geprägt und ärmer gemacht.

    .:. Nadine Brothagen, Juliane Noack usw. aus Mönchengladbach, Deutschland:

    Mädchen! Ihr geht einen guten Weg. Weiter so!

    .:. Michał Chrzan aus Oświęcim - Polen und Pfeiffer aus Hollenbrunn - Österreich.

    Euere Neugier kann nur vertiefstes Wissen über das Entstehen und die Ziele des Nationalsozialismus beantworten. Fragt Euere Geschichtslehrer danach, auch die Ethiklehrer.

    .:. Katarina Groiss, Daniela Lazenhofer, Sylvia Rapp aus Hollabrun - Österreich, sowie Anna Wonsack aus Hünfelden, und auch Katarina Hartwig und Anja Lindig aus Jena- Deutschland

    Die, die an Gott gleuben, machen ihm nie Vorwürfe. Wer gegen die göttlichen Normen verstossen hat, die sich aus dem Dekalog ergeben - der möge sich um die Zukunft seiner Seele sorgen. Immer muss man Gott um Hilfe in der Not und um ein besseres Morgen bitten. Als ich an Tyfus im Sterben lag, habe ich gebetet, wenn ich nur bei Bewußtsein war; als ich die Freiheit wiedergewonnen hatte - habe ich Gott gesucht, um ihm Dank zu sagen für die glückliche Fügung meines Schicksals in den Konzentrationslagern. Nie hatte ich die Hoffnung verloren.

    .:. Ewelina Matyjasik aus Oświęcim - Polen:

    Ich habe schon in meinem ersten Brief versucht, kurz die Umstände zu erklären, die es Hitler erleichterten, in Deutschland die Macht zu ergreifen. Er versprach dem Volk eine Verbesserung seiner Lebensbedingungen und im Grunde ist ihm das auch gelungen. Viel zu schnell, lawinenhaft, riß er das ganze deutsche Volk mit sich. Neben ihm war kein so charismatischer Deutscher da. Und wenn es ihn doch gab, dann hatte er nicht genug Mut. Die Konsequenzen seiner Ideologie kennen wir. 60 Jahre nach dem Krieg haben sich die deutschen Führer bei den Völkern der Welt entschuldigt für die Verbrechen der Nationalsozialisten. Anständige Deutsche haben länger gelitten als wir gelitten haben. Ewelina - vergleiche das Handeln der Nazis mit den Wörten, die sie auf dem Gürtel ihrer Uniformen geschrieben hatten "Gott mit uns". Das war doch Gotteslästerung.

    .:. Auf die übrigen Fragen der deutschen und österreichischen Jugendlichen antworte ich :

    - Nach dem Krieg war ich ganz mit Lernen und Arbeit beschäftigt. Unser Denken floh Lagerthemen. Wir hatten keine Lust, die schwarzen Epochen unseres Lebens zurückzurufen. Jedoch jeder Mensch ist ein Individuum. Ich habe oft ehemalige nazistische Konzentrationslager in Polen, Deutschland und Österreich besucht. Mein Bruder dagegen ist zu dem Thema erst nach 50 Jahren zurückgekehrt.

    - Wie ich das Verhalten von SS-Männern bewertete? Natürlich habe ich es verurteilt. Ich habe für sie Verachtung.

    - Hass gegenüber dem Deutschen Volk habe ich nicht gefühlt, obwohl Verachtung mir gegenüber - dem Polen - noch viele Jahre nach dem Krieg in Deutschland begegnet ist. Andererseits bin ich seit den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit einem Deutschen aus Hannover befreundet.

    - Wie die Wiederholung solch einer finsteren Geschichte verhindern? In Deutschland und Österreich auf dem Weg ständiger Erinnerung daran, was während des II. Weltkrieges geschehen ist. Aber es gibt auf der Welt viele Brennpunkte des Bösen und wir können nicht sicher sein, dass sich Massenmorde nicht wiederholen. Außerdem hatten wir nach dem Krieg schon viele Beispiele von Streit zwischen Völkern und Gesellschaftsordnungen, in deren Folge hunderttausende Menschen starben. Ich denke, der Weg, Hass zu bremsen, ist Erziehung. Eine große Rolle haben auch die Kirchen der verschiedenen Konfessionen. Das ist ein schwerer, mühseliger und langer Weg.

    - Die Jugendlichen aus Hadamar - Frauke Brünning, Mirjam Laux aus Deutschland, denken richtig. Durch weitmöglichste Verbreitung der Wahrheit über Auschwitz, durch Überzeugen von Gleichaltrigen zu einem Besuch der Gedenkstätte in Oswiecim - so kann man sicher Einfluss auf die Bildung von ethischen Charaktern haben, die widerständig sind gegen die Einladung, Hass und Fremdenfeindlichkeit zu säen.

    Ich grüße Euch, junge Freunde.

     

    Czesław A. (131603)

     

    [Übs. MD]

  • Polnischer Verband ehemaliger politischer Häftlinge hitlerischer Gefängnisse und Konzentrationslager - Lublin

    Lublin, den 22.2.2005

     

     

    Zentrum für Dialog und Gebet in Auschwitz / Oświęcim

     

    Mit Bezug auf das Schreiben, das wir bekommen haben und auf den Vorschlag einer weiteren Zusammenarbeit zwischen Jugendlichen aus Polen und Deutschland, schicken wir unsere Bemerkungen und Anregungen zu und schließen Berichte von Häftlingen deutscher Konzentrationslager aus dieser Zeit an.

    Liebe Jugendliche!

    Wir hoffen, dass ihr die Generation seid, die in Frieden und mit dem Willen des Verstehens dessen, was in der Kriegszeit 1939 - 1945 passiert ist, zu leben wünscht.

    Ihr habt uns gefragt, wie ihr am besten Eure Kenntnisse und Rückschlüsse davon, was ihr erfahren habt und was ihr berührt habt, den weiteren Generationen übermitteln könntet? Wir sind davon fest überzeugt, dass ihr das selber, ohne unsere Hilfe am besten macht.

    Uns, die ehemaligen Häftlingen der Konzentrationslager und der Gefängnissen freut es, dass die deutschen und polnischen Jugendlichen sich begegnen, dass sie miteinander diskutieren und sich bemühen, die Wahrheit und die Ursachen, warum es dazu gekommen ist, kennenzulernen.

    Viele von uns ehemaligen Häftlingen treffen sich ständig mit polnischen und deutschen Jugendlichen. Das Interesse daran ist auf beiden Seiten immer groß. Die Frage, wie ist unsere gegenwärtige Einstellung den Deutschen gegenüber, hat keine große Bedeutung. Es ist inzwischen schon die dritte Generation aufgewachsen. Für diese Generation ist es bestimmt nicht einfach zu verstehen, dass ihr Land, das so eine reichhaltige Geschichte und hochentwickelte Kultur hat, die Vernichtung der anderen Nationen anstrebte. Wie sich das alles ergeben hat, wir wissen es, sowohl die, die litten, als auch die, die unterdrückten.

    Heutzutage gibt es die Möglichkeit, sich miteinander besser kennenzulernen. Die Jugendlichen werden es bestimmt gut nutzen. Jedes Jahr kommen ins Museum in Majdanek junge Leute aus Deutschland, die da ihren Freiwilligendienst leisten (Aktion Sühnezeichen Friedendienste) und mit denen wir uns treffen und zusammenarbeiten.

    Wir sind organisiert in der Maximilian Kolbe Gesellschaft. Gemeinsam besuchen wir die ehemaligen Häftlinge. Wir führen mit ihnen Gespräche davon, was sie erlebt haben und wie es ihnen heutzutage geht, wie sie das Leben schaffen. In der Weihnachtszeit hat uns eine Freiwillige, Friederika Römer, dabei begleitet. Sie hat uns erzählt, dass man bei ihr zu Hause von dem Krieg und Holocaust oft gesprochen hat. Es hat ihr aber nicht gereicht, dass ihr die Geschichte bekannt war, sie wollte sie auch verstehen.

    Nicht nur Auschwitz - Birkenau ist die Geschichte der KZs, da es in Polen, in Deutschland und in anderen Ländern mehrere Konzentrationslager gab. Die Verhältnisse da waren ähnlich.

    An dieser Stelle wollen wir die Worte des Papstes Johannes Paul II zitieren, die er während der Reise 1987 bei der Begegnung mit den ehemaligen Häftlingen im Lager in Majdanek gesagt hat: „Hört ihr nicht auf, denen Zeugen zu sein, die hier gestorben sind. Hört ihr nicht auf, eine Warnung für all die Generationen zu sein, die euch folgen werden, denn ihr seid durch das Stigmata der schrecklichen Erfahrung bezeichnet. Es ist nicht nur die Erfahrung unserer Nation, aber auch vieler anderen Völker, deren Namen hier aufgeschrieben sind. Es sollen sich alle daran erinnern, sei es das Memento für alle Generationen, dass der Mensch kein Henker für den anderen Menschen werden darf, dass die Menschen Brüder bleiben müssen".

    Heutzutage gibt es Verhältnisse dafür, dass unsere Nationen, die polnische und die deutsche, in Freundschaft leben könnten. Die Zusammenarbeit der jungen Generation muss sich auf Wahrheit und Verzeihung stützen. Man muss auch verstehen, was in der Vergangenheit passiert ist.

    Seien unsere Bemerkungen für die engere Zusammenarbeit zwischen deutschen und polnischen Jugendlichen im weiteren Engagement behilflich.

    Mit freundlichen Grüssen,
    der Vorstand

    Polski Związek b. Więźniów Politycznych hitlerowskich Więzień i Obozów Koncentracyjnych
    Zarząd okręgu
    20-325 Lublin
    Ul. Droga Męczenników Majdanka 67
    Büro geöffnet Mittwochs von 10.00 bis 13.00
    Tel.: +48 (81) 744 56 37
    Informationen über das Konzentrationslager Majdanek

    Übersetzt von Anka Bibrzycka

  • Maria Mielińska

    Świebodzice, 25.02.2005

    Ich beantworte die Fragen der Jugendlichen

    Am 8. März 1944 wurde ich, als 16 jähriges Mädchen von der Gestapo verhaftet. An diesem Tag fand die Pazifizierung des Ortes statt. Die alten Einwohner wurden erschossen und die jungen wurden in Autos gepackt und in Gefangenschaft geschickt.

    Ich wurde in Radomsko in Haft gehalten. In diesem Gefängnis fingen die Torturen des Verhörs durch die Gestapo an. Man hat solche Methoden angewendet, dass es eine unmenschlichen Qual war. Nach einer Woche wurden die Häftlinge aus dem Pawiak-Gefängnis weiter transportiert. Wir wurden an diesen Transport angeschlossen. Die Verhältnisse waren schrecklich: in Viehwagons, ohne Nahrung und in der Kälte.

    Es hat 2 Wochen gedauert, bis wir in Ravensbrück angekommen sind. Es hat die Hölle angefangen, als wir das Tor des Lagers überschritten haben. Die SS-Frauen waren wie Bestien: sie schlugen uns und traten, wenn eine von uns nicht richtig in Reih und Glied antreten konnte. Ich habe viel geweint, dass ich zu einem solchem Schicksal verurteilt worden war. Ich konnte mich mit diesen Verhältnissen gar nicht abfinden; das Schlagen ohne Ursache... Es reichte nicht, dass die Menschen wie Skelette aussahen, es hat ihnen Spaß gemacht, sie gänzlich zu vernichten. Das Essen war ekelhaft: getrocknete, bittere Kohlrübe, die mit dem Sand gemischt war, das Brot, das aus gemischtem Getreide- und Kastanienmehl gebacken war. Man hat es von Hunger gegessen, weil es nichts anderes gab. In Ravensbrück habe ich 7 Wochen verbracht. In dieser Zeit wurde ich einem Experiment untergezogen. Man spritzte mir in die Scheide eine weiße, mir bis heute unbekannte Flüssigkeit ein. Danach bekam ich hohes Fieber und kriegte starke Bauchschmerzen. Es war wirklich sehr schmerzhaft.

    Das Experiment hat ein Mann geführt, der eine SS-Uniform trug. Wir mussten uns jeden Tag, zwei Wochen lang, nackt im Revier stellen. Man untersuchte uns und machte Fotos. Nach sieben Wochen sind wir in Neubrandenburg zu einer sehr schweren Arbeit weggefahren worden. Wir haben da im Wald ein neues Lager gebaut. Diese Arbeit war sehr schwer, bei Zement und Ziegelstein. Man musste schwere Wagen oft hochschieben. Die Anhöhen waren manchmal so groß, dass uns vor Anstrengung die Augen aus den Augenhöhlen traten, man durfte aber keine Pause machen, weil die Ausseherin sofort zur Bewusstseinlosigkeit schlug. Jeder Tag war eine Hölle. Die Appelle fanden jeden Tag morgens und abends je zwei Stunden statt, während dessen man unbewegt stehen musste.

    Ihr fragt, woher wir die Kraft geschöpft haben, um weiter zu leben. Nicht alle waren in der Lage, das auszuhalten. Viele zogen es vor, ihr Leben in den bestromten Stacheldrähten zu beendigen. Ob wir Hass auf die Henker hatten? Ja, sehr große sogar, es fehlen mir die Worte, um sie zu benennen. Es waren grenzenlose Bestien. Ich hege keinen Groll gegen das deutsche Volk. Es ist an der Bestialität nicht der Schuldige. Hitler hat die Leute für diese mörderische Arbeit ausgewählt. Ob ich Deutsche nachher hasste? Ich habe persönlich viele Kontakte zu deutschen Bürgern und ich schätze sie sehr. Ich schätze es, dass sie sich für diese grauenhafte Geschichte interessieren und uns angemessen den Möglichkeiten helfen. Sie haben ein großes Herz für uns und wollen das Unrecht, das uns ihre Mitbürger der alten Generation angetan haben, wiedergutmachen.

    Ich hoffe, dass es sich nie wiederholt, und dass die Bestien nicht mehr existieren.

    Maria Mielinska

    geborene Zafoń
    geb. 29.09.1926
    von März 1944 bis Mai 1945 Ravensbrück – Neubrandenburg Nr. 30953

    ul. Piłsudskiego 7/2
    58-160 Świebodzice

    Übersetzt von Anka Bibrzycka

  • Norbert Widok

    Posen, den 28.2.2005

     

     

    An das Zentrum für Dialog und Gebet in Oswiecim


    In Antwort auf den Brief vom 18.1. des laufendes Jahres und zu dem Thema Stellung nehmend, wollen wir das, was geschehen ist, nicht vergessen. Zum 60. Jahrestag der Lagerbefreiung möchte ich Ihnen meine Bemerkungen und Ansichten dazu mitteilen.

    Ich bin ein Häftling, der über 67 Monate in hitlerischen Gefängnissen und Konzentrationslager verbracht hat. Wegen meiner Beteiligung an der Verteidigung des Landes wurde ich Mitte September 1939 verhaftet. Ich war zum Ordnungsdienst berufen und danach, als Gymnasiast, in Rahmen der Pflichtschulung der sog. P.W. (przysposobienie wojskowe - militärische Ausbildung) in ein Selbstverteidigungskommando eingegliedert worden. Dies war die Ursache meiner Verhaftung und Festsetzung in unterschiedlichein Gefängnissen und Konzentrationslager. Ich habe dort verschiedene Demütigungen und Erniedrigungen der Menschenwürde erlitten, zu den ich aber in meinen Gedanken ungern zurückkehre, weil der Albtraum der Erlebnisse mir keine Ruhe lässt.

    Während meines langen Aufenthaltes gab es unterschiedlichen Perioden, während denen ich keine Lebenslust mehr hatte. Der starke Glaube und das Vertrauen auf Gott, und vor allem auf den Schutz der Gottesmutter, haben mir die Überlebenskraft gegeben. Sie haben mir auch den Willen gegeben, bis zur Freiheit auszuharren. Weitere Faktoren, die mir geholfen haben, waren meine Deutschkenntnisse, und dass ich damals jung, gesund und durchtrainiert war.

    In dem fast fünfjährigen Zeitraum habe ich mich in verschiedenen Situationen befunden, weil ich in vielen Gefängnissen und in vielen Lagern, in verschiedenen Umständen und in unterschiedlicher Umgebung von Menschen und Orten gewesen bin. Ich kehre zu diesen Zeiten ungern zurück, aber heutzutage, nachdem ich darüber genau nachgedacht habe, finde ich es sehr wichtig, der jungen Generation einige von den Reflexionen und Erfahrungen des II. Weltkrieges weiterzugeben.

    Es ist mir klar, dass Geschichte von Menschen gestaltet wird und je nach dem, wer sie macht und wem sie dient, so wird sie auch interpretiert und vorgestellt.

    Ich halte es für richtig, dass die noch lebenden Zeitzeugen die Möglichkeit haben, die tatsächliche Geschichte den Jugendlichen weiterzugeben. Es sind nicht mehr so viele von uns Zeitzeugen am Leben geblieben, die noch etwas erzählen können. Erst seit paar Jahren dürfen wir davon erzählen, weil es vorher ein Tabuthema war. Ich hatte die Möglichkeit, mich mit polnischen und deutschen Jugendlichen zu treffen. An mir zehren unterschiedliche Gefühle. Eins kann ich sagen – alles hängt von dem Mensch ab.

    Durch die Sozial-, Wirtschafts- und Staatspolitik gestalten Menschen ihre Existenz und ihr Leben. Die letzten Jahre haben uns unmissverständliche Beispiele dafür gegeben. Mit Rassismus, Gewalt, Fanatismus erreicht man nichts Gutes. Deswegen ist es wichtig, über die Vergangenheit nachzudenken, weil es die beste Lebenslehre ist. Um das noch Mal nicht erleben zu müssen, muss man in die Geschichte zurückgreifen. Man muss daran denken, wer in die Vergangenheit nicht zurückkehrt, der ist zu Unrechterfahrung und Erniedrigung der Menschenwürde verurteilt. Für die, die noch am Leben sind und sich an diese Zeiten noch erinnern können, ist es wichtig, die wahre Geschichte, angemessen den Kräften, weiterzugeben, denn von manchen Leuten werden die geschichtlichen Tatsachen ziemlich oft verfälscht.

    Heute, nach 60 Jahren ist das Interesse an der Geschichte des II. Weltkrieges ein wenig gestiegen.

    Das zeugt davon, dass sich die Weltgesellschaft auf gegenseitige Verständigung sowie religiöse und nationale Toleranz richtet. Es ist der einzige Weg, der zur Versöhnung der Nationen führen kann. Es ist das Gebot der Zeit und der Zukunft, damit wir in Ruhe, ohne Hass, Arroganz und in gegenseitiger Achtung leben können.

    Wir müssen uns alle gemeinsam an die Vergangenheit erinnern und nach Liebe und Freundschaft streben, was ich, der langjährige Häftling, allen Menschen der guten Willens wünsche.

    Norbert Widok

    Polnischer Verband       
    ehemaliger politischer Häftlinge
    hitlerischer Gefängnisse und Konzentrationslager - Posen
    61-713 Poznan
    Aleja Niepodleglosci 16/18
    Polen

    Privatadresse:
    Norbert Widok
    ul. Laskowska 106
    62-051 Wiry
    Polen

    Übersetzt von Anka Bibrzycka

  • Albert Bebel

    Walbrzych, 1.3.2005

     


    Im Mai laufendes Jahres werden wir den 60. Jahrestag des Endes des II. Weltkrieges und der Befreiung der KZs und hitlerischen Gefängnisse feiern. Ich bin einer von denen, die die Befreiung erlebt haben und möchte euch, liebe Jugendliche, einige meine Reflexionen und Erinnerungen aus jener Zeit weitergeben.

    Ich komme aus einer Emigrantenfamilie, die 1920 auf der Suche nach Brot und Arbeit für fünf Jahre aus Polen nach Frankreich wegfahren musste.

    1940, nachdem das nazistische Deutschland Frankreich überfallen hatte, beteiligte ich mich aktiv im Kampf gegen den Okkupanten, in einer polnischen Widerstandsbewegung, die auf dem Gebiet Nordfrankreichs (Kreis Lens) wirkte – Waffen- und Partisanenversteck in unserer Wohnung, Sabotage in einer Grube, Propagandamaterialiendruck und ihre Verteilung, Hilfe für die Opfer der Repressionen des Gestapo und französischen Polizei usw.. Im September 1942 bin ich über die französische Polizei verhaftet worden. Nach Torturen wurde ich in Arras in die Hände der Gestapo übergeben zur Ermittlungsverfahrensbeendigung. Im März 1943 bin ich über das deutsche Kriegsgericht zu 5 Jahren Haft verurteilt und nach Deutschland deportiert worden, wo ich bis 11.4.1945, dem Tag der Befreiung durch die Amerikanische Armee, in Gefängnissen in Anrath bei Krefeld, in Hagen und in Wolfenbuttel war. In Wolfenbuttel lag ich entkräftet in einem Gefängnislazarett, dann in einem Stadtkrankenhaus. Am 17.5.1945 bin ich, dank der Hilfe der Armee der Alliierten, nach Frankreich zurückgekehrt. Da habe ich erfahren, dass meine Mutter verhaftet und nach Ravensbrück deportiert worden war, von wo sie erst im August 1945 zurückgekommen ist, und mein Stiefvater, Bronislaw Kania, wurde wegen Partisanentätigkeit mit einem Fallbeil hingerichtet.

    1951 bin ich mit meiner Frau und meinem Sohn nach Polen gekommen.

    Ich möchte unterstreichen, dass man mit mir in den Gefängnissen in Anrath und in Hagen brutal umgegangen ist, aber in dem letzten, in Wolfenbuttel, war es furchtbar. Schon um 4 Uhr morgens hat man uns in eine Rüstungsfabrik gefahren. Es gab da Sklavenarbeitsverhältnisse. Der Hunger hat nie nachgelassen. Ich stahl mich in eine Wachküche hinein, wo ich mich zusätzlich ernährte, um zu überleben. Man hat uns auch nach Braunschweig gefahren. Da mussten wir die Stadt, gezwungenermaßen (unter einem Gewehrlauf), enttrümmern. Es war lebensgefährlich, weil es da viele Blindgänger gab. Es kam manchmal vor, dass wir ins Gefängnis in der Kolonne zu Fuß zurückgingen. Während dessen begleiteten uns häufig feindliche Rufe der Stadteinwohner und wir wurden auch oft mit Steinen beworfen.

    Unter den Betriebsarbeitern und Aufsehern gab es dennoch einen Menschen   „mit dem menschlichen Antlitz“. Der Mann hieß Albert Beichal und kam aus Wolfenbuttel. Er beteiligte sich am I. Weltkrieg. Eine Zeitweile brachte er mir entweder ein Brotstück oder Kartoffelschalen, die ich dann in eine alte Konservendose hineinstopfte und für einige Minuten in einen Ofen steckte, und danach aufgegessen habe (ohne Salz und keine andere Würzen, ohne Kleie würde es kein Schwein essen). Ich war damals 18 und nach der Befreiung wog ich 45 Kilo. Man hätte darüber viel schreiben können, das Gedächtnis ist aber unzuverlässig, außerdem bin ich auch schon 80 Jahre alt und ein Kriegsversehrter. Für das Leid, das der deutsche Faschismus mir und meiner Familie angetan hat, hege ich gegen das deutsche Volk keinen Groll, weil es unter denen auch ehrliche Leute gab, die Patrioten und Antifaschisten waren und für die gerechte Sache und Menschenwürde kämpften und starben.

    Die Initiative der polnischen und deutschen Jugendlichen, um die historische Wahrheit davon, was wir während der Kriegszeit in Konzentrationslagern und Gefängnissen erlebt haben zu vermitteln, ist sehr zu schätzen. Sie haben sich große Anerkennung und Dankesworte verdient. Diese Initiative ist besonders wichtig, weil lebende Zeugen des schrecklichen Geschehens jedes Jahr unvermeidlich aus der Welt scheiden.

    Hochachtungsvoll,

    Albert Bebel

    ul. Olimpijska 1/1
    58-301 Wałbrzych

    Maximilian Kolbe Werk in Walbrzych

    Übersetzt von Anka Bibrzycka

  • Stefania Bajer

    Poznan, den 4. März 2005

    An das Zentrum für Dialog und Gebet

    in Auschwitz / Oswiecim


    Vielen Dank für den Brief, den ich anlässlich des 60. Jahrestags der Befreiung des KL Auschwitz – Birkenau bekommen habe. Es hat mich sehr gerührt, dass es so viele Jugendliche gibt, die sich für die KZs interessieren und die alles tun wollen, um eine Wiederholung der Geschichte zu verhindern. Ich habe mich deswegen entschlossen, ein Paar Worte von mir dazu zu schreiben.

    Am Anfang möchte ich mich vorstellen. Mein Name ist Stefania Bajer, geborene Golebiewska. Ich bin am 23. Juni 1927 in Leszno Wielkopolskie geboren. Ich war politischer Häftling in den folgenden Konzentrationslagern: Ravensbrück Nr. 56384, Neuengamme Nr. 6362 – Nebenlager Bad Salzgitter und Bergen-Belsen. Während des Krieges habe ich in Warschau gewohnt (seit 1939). Die Situation dort war sehr spannend. Es gab Razzien auf den Strassen, man hat das Wegführen der Zwangsarbeiter ins Dritte Reich durchgeführt, es gab Erschießungen und Verhaftungen, es gab Terror. Polen haben angefangen sich zu wehren. Es sind Untergrundorganisationen entstanden, man hat angefangen illegale Blätter auszugeben und in den Wäldern verbreitete sich die Partisanenarmee. Zusammen mit meinen Schulkameradinnen wollte ich gegen den Okkupanten auch etwas tun. Im Frühling 1942 bin ich mit meinen zwei Kolleginnen in die illegale Pfadfinderorganisation „Szare Szeregi“ („Graue Reihen“) eingetreten. Seit dem Herbst 1942 waren wir zu einer Untergrundorganisation AK (Landsarmee) delegiert, wo wir eine Schulung als Meldegängerinnen angefangen haben. Kurz vor dem Warschauer Aufstand haben wir den Fahneneid geleistet. Während des Aufstandes waren wir auf einem Melderposten in dem Stadtteil Warschau – Ochota in der Filtrowastrasse 43 in Einsatz. Dieser Aufstand ist über die Kaminski Waffen - Brigade, die in Dienst der SS stand, blutig und schnell untergedrückt worden. Bei der Pazifisierung haben wir am 11. November 1944 den Befehl bekommen, Warschau gemeinsam mit der Zivilbevölkerung zu verlassen. Andernfalls wären wir als Aufständler sofort erschossen worden. Das haben wir auch getan und über Zieleniak und das Lager in Pruszkow sind wir ins KL Ravensbrück gelangt.

    Ihr habt sicherlich schon viel von der Gräuel der KZs gehört; von dem Schock, den das Wegnehmen aller persönlichen Sachen, der Verlust des eigenen Namens und die Nummerverleihung verursacht haben.

    Liebe Freunde! Ihr fragt, was uns geholfen hat, diese schwierige Zeit zu überleben. Es waren unsere Jugend (wir waren damals 17), unsere Freundschaft, gegenseitige Hilfe und Unterstützung und die Hoffnung, dass der Krieg schnell zu Ende wird. Soweit wie es möglich war haben wir uns bemüht uns zusammenzuhalten, weil wir es instinktiv empfunden haben, dass unsere Chance des Überlebens dadurch steige. Dabei war auch unser Glaube an Gott und Seine Gerechtigkeit wichtig. In dieser Stelle möchte ich Euch von einem Vorkommnis erzählen. Mitte September 1944 sind einige Deutsche in Zivilkleidung nach Ravensbrück gekommen. Unser Block musste sich zu einem Appell aufstellen und zu fünft an einen Tisch, an dem einige Zivilisten gemeinsam mit SS-Männern saßen, herankommen. Sie haben sich uns angesehen, unsere Hände und Beine, wie auf einem Sklavenmarkt. Hier muss ich erwähnen, dass ich von uns Dreien am magersten aussah. Dann haben sie manche von unseren Nummern auf eine Liste eingetragen. Wir wussten es nicht, wofür das Ganze war, ob es sich um einen Transport ins Unbekannte oder um eine Erschießung handelte. Man hat die Nummern von allen meinen Freundinnen aufgeschrieben, nur nicht die meine. Ich war ganz verzweifelt, weil ich gedacht habe, dass sie uns trennen werden. In dieser Verzweiflung habe ich meine Angst überwunden und ich habe mit meinem nicht gerade dem besten Deutsch gemeldet, dass ich ums Eintragen meiner Nummer auf diese Liste bitte, weil ich das Schicksal meiner Freundinnen teilen will. Er hat auf mich geschaut und hat nichts gesagt. Ich habe aber gesehen, dass er meine Nummer auf diese Liste eingetragen hat. Ich überlegte schon häufiger, was ihn in diesem Moment lenkte. Mir war dem Weinen nach vor Glück, dass ich von meinen Freundinnen nicht getrennt wurde. Es hat sich nach ein Paar Tagen ergeben, dass diese ca. 300 Frauen, deren Nummern man damals aufgeschrieben hatte, zu einem Lager in Neuengamme (einem Nebenlager des Lagers in Bad Salzgitter) zur Arbeit in einer Munitionsfabrik geschickt wurden. Wir haben da an den Maschinen sehr schwer gearbeitet.

    Anfang April 1945 wurden wir evakuiert. Man hat uns in unbedeckte Viehwagons gepackt. Der ganze Transport setzte sich aus Häftlingen zusammen, die aus unterschiedlichen Konzentrationslagern kamen. Der Zug ist am Bahnhof in Celle angehalten. In dieser Zeit sind wir von der Alliiertenluftwaffe bombardiert worden. Nach den Angaben des deutschen Historikers M. Bertram, zählte dieser Transport ca. 4000 Häftlinge und nach der Bombardierung sind nur noch ca. 1100 am Leben geblieben. Die SS-Männer haben dann die Überlebenden nach KL Bergen-Belsen über 3 Tage zu Fuß getrieben, ohne denen was zum Essen und Trinken zu geben. Jeder, der weiter zu gehen nicht mehr in der Lage war oder der langsam war, wurde erschossen. Ich war schon so schwach und müde, dass es mir ganz egal war, ob sie mir das Leben nehmen. Hier muss ich betonen, dass meine Freundinnen (obwohl sie selbst auch am Ende der Kräfte waren) haben mich zu dem weiteren Weg angespornt. Ich habe es geschafft. Am 15 April 1945 haben uns die Engländer befreit.

    Unsere Freundschaft hat die Zeitprobe überstanden.

    Ihr fragt, wie unser Leben in Freiheit weitergelaufen ist. Direkt nach dem Kriegsende habe ich versucht diese Zeit, die ich im Lager verbracht hatte, aus dem Gedächtnis zu löschen. Ich habe darüber nicht gesprochen und daran nicht gedacht. Im Albtraum sind aber diese Ungeheuerlichkeiten schon öfters zu mir zurückgekehrt. Nach dem Aufwachen war ich dann immer wieder froh, dass es schon alles vorbei ist. Ich war auch froh, dass meine Kinder eine bessere, glücklichere Kindheit haben und dass sie sich mit den Erinnerungen, den Grausamkeiten des Krieges nicht auseinandersetzen müssen.

    Erst nach den vielen Jahren, als die alten Dämonen des Rassismus, der Intoleranz und des Antisemitismus wiederauflebten, wurde es mir klar, dass man darüber weiter nicht schweigen darf. Wir müssen daran erinnern, es soll all den verschiedenen Revisionisten und dem wiedererweckenden Rassismus eine Warnung sein. Es muss klar gemacht werden, dass die Zeugen der grausamen Zeiten immer noch am Leben sind und dass sich die Vergangenheit nie wieder wiederholen darf.

    Am Anfang des dritten Jahrtausends, wenn sich das alte Europa wiedervereinigt, wenn die Grenzen wieder geöffnet werden, wenn dank der modernen Kommunikationsmittel die Entfernungen immer kleiner werden, möchte ich Euch, den jungen Menschen sagen:

    Begegnet Euch, um euch gegenseitig besser kennen zu lernen, sprecht miteinander, um sich besser verstehen zu können, lernt Euch einander und die anderen Menschen zu achten, auch wenn ihr Äußerliches und ihre Denkensweise anders als Eure sind. Tut das alles dafür, dass ihr das Drama unserer Generation nicht erleben müsst.

    In einer Kirche in Niepokalanow (ein Wallfahrtsort in der Nähe von Warschau) haben die Überlebenden eine Gedenktafel als Andenken an den Heiligen Maximilian Kolbe und an all die anderen Menschen, die in Jahren 1939 – 1945 in den KZs ihr Leben verloren haben, spendiert. Die Worte möchte ich hier zum Schluss zitieren:

    „Um Andenken
    nicht um Rache
    ersuchen unsere Schatten,
    Unser Schicksal soll für Euch
    eine Warnung,
    nicht eine Legende sein.
    Wenn die Menschen verstummen,
    werden die Steine rufen.“

    Mit herzlichen Grüssen,


    Stefania Bajer

    Übs. Anka Bibrzycka

  • Irena Zbyszyńska

    Für die, die den Albtraum des Holocausts erlebt haben, ist die Rückkehr zu den tragischen Erinnerungen eine ständige psychische Tortur, die in Worten schwer auszudrücken ist. Wie konnte es überhaupt dazu kommen? Auf solche unmenschliche Art hat man die grundsätzlichen Moralwerte, das Menschenrecht aufs Leben, aufs Existieren angetastet. Diese Frage scheint heute rein rhetorisch zu sein, denn wie soll man sie beantworten? Die Schuld kann man den Nazis, den totalitären, destruktiven, repressiven Regimen aufbürden. Wir wissen genau, dass sie es ausgezeichnet verstehen, den Menschenverstand mit ihren Irrtheorien umzupflügen. Das deutsche Volk, das, übrigens recht stolz auf eine große Menge von berühmten Wissenschaftlern in vielen Gebieten ist, bestand doch nicht nur aus Sympathisanten des Nationalsozialismus. Es war eine lähmende Angst. Das Hitlerregime konnte, genauso wie die anderen Regime, seine Gegner beispielhaft bestrafen. Aber die freien, demokratischen Länder schauten der Vernichtung unserer Nation zu, es gab unter ihnen nicht viele Gerechte. Es gab doch (vielleicht etwa beschränkte) Druckmittel oder Protestformen gegen die entarteten Programme der Vernichtung von Millionen von Menschenwesen, die die deutschen Nazis ungestraft realisiert haben, die vorhanden waren.

    Haben es die tragischen Ziele der politischen Korrektheit verlangt? Man hat uns das Recht auf Existenz verweigert, man hat uns sogar das Recht abgesprochen, Tränen an den Gräbern unserer nahestehenden Personen zu vergießen, weil sie ohne ihre Identität, ohne Name und nur mit den ihnen angegebenen Nummern umkamen. Aus der Tiefe unserer gequälten Herzen reißt sich längst ein seit langem unterdrückter Schrei los. Man darf nie wieder zulassen, dass so ein wahnsinniges Szenario sich irgendwo wiederholt und dass es irgendjemanden mehr betrifft. Das den jungen Generationen von unseren tragischen Erfahrungen Erzählen muss dagegen eine effektive Barriere sein. Gleichzeitig muss man sich mit dem großen Appell an sie wenden, dass sie sich so stark wie möglich dafür einsetzen, Menschenköpfe vom Bazillus Intoleranz und Hass zu befreien.

    Achtung für Menscheswesen, das Gute und Hilfe, die man den Andren in Not leistet, das sind Botschaften, die unser unvergessener Papst Johannes Paul II. so schön verkündete.

    Ich hatte die Gelegenheit dazu, Kontakte mit deutschen Jugendlichen aufzunehmen. Diese Kontakte erfüllen mich mit Optimismus, sie verheißen Positives. Das Engagement der jungen, sensiblen Menschen, Menschen auf der Suche nach Wissen, nach Wahrheit, ist wunderbar. Man soll diese Aktivität unterstützen und in diese Tätigkeit Gelehrte, Moralautoritäten und Geistliche verschiedener Konfessionen anschließen. Meiner Meinung nach haben Eltern und Pädagogen die Hauptrolle dabei. Sie haben nämlich den überwältigenden Einfluss auf Bildung des Menschengeistes, dem Geist der Toleranz und der Menschenfamilie entsprechend. Ich glaube auch, dass demokratische Staatsregierungen verpflichtet sind Rechtsmittel zu erarbeiten, um Personen und Zentren, die destruktive und hetzende Losungen verbreiten, zu bestrafen. Wie es scheint, in Deutschland werden solche Strafen schon angewendet. Obwohl Versöhnung und Verbesserung den zwischenmenschlichen Beziehungen nicht einfach zu erreichen sind, es ist möglich diese Ziele zu verwirklichen. Wir, die Opfer des Holocausts, haben gegenüber den Millionen von Opfern diese Verpflichtung.

    Ich selbst wurde mit meiner sechsköpfigen Familie ins Getto in Lodz eingesperrt. Seit der Gründung bis zur Liquidation des Gettos habe ich da gemeinsam mit anderen Kindern bei Renovierung und Auftrennen der Uniformen von den deutschen Soldaten gearbeitet. Aus der ganzen Familie bin nur ich und mein Bruder am Leben geblieben. Mein Bruder wurde aus dem KL Auschwitz befreit, heutzutage wohnt er in den USA.

    Ich heiße Irena Zbyszynska

    Stowarzyszenie Zydow Kombatantow -
    oddział Warszawski
    [Vereinigung der jüdischen Kriegsteilnehmer
    Abteilung Warschau]
    Pl. Grzybowski 12/16
    PL
    00 194 Warszawa

    Übersetzung Anka Bibrzycka

  • Leokadia Słopiecka

    An das Zentrum für Dialog und Gebet in Oswiecim

     


    Ich habe vom Kollegen Krzepina die zum 60. Jahrestag der Befreiung des KL Auschwitz herausgegebene Publikation des Zentrums bekommen, mit der Bitte, dass ich zu den da enthaltenen Aussagen junger Polen und Deutscher zum Thema der hitlerischen Okkupation und unserer Jugend Stellung nehme. Ich habe lange nachgedacht, worüber ich schreiben soll. Vielleicht darüber, dass die Sadisten im Hakenkreuzzeichen damit prahlten, welcher von ihnen mehr unschuldige Opfer tötet, oder dass sie sich im Ausdenken der raffiniertesten Torturen zu überbieten suchten? Unsere Jugend, das waren ein Tränenmeer, Torturen, Ströme von unschuldigem Blut und Leichenhaufen. Niemand, der nicht im Konzentrationslager in Haft gehalten war, ist in der Lage zu begreifen, was diese Lager waren. Es waren nicht nur Todeslager, sondern auch eine Art von Laboratorien. Dort hat man an Menschen, wie an Kaninchen oder Ratten, unterschiedliche gemeine Versuchsmethoden getestet. Niemand kann beschreiben, was in den Konzentrationslagern geschah. Kein Film wird es wiedergeben, Menschesverstand ist nicht in der Lage, das zu begreifen.

    Katarina Groiss, Daniela Lazenhofer, Sylwia Rapp aus Hollabrunn in Österreich fragen, was uns die Kraft gegeben hat, ein Konzentrationslager zu überleben. Im Moment der Verhaftung hat man mein viermonatiges Kind von der Mutterbrust getrennt und auf den mit Schnee bedeckten Hof geworfen. Es ist ein Schmerz, der sich nicht beschreiben lässt und den ich heute immer noch empfinde. Ich war jung, ich wollte am Leben bleiben, um zu meinem Kindchen und meiner Familie zurückzukommen. Glaube an den Sieg über Faschismus und Liebe zu den mir nächststehenden Personen waren die Faktoren, die mir Überlebenskräfte einflössten.

    Anna Wonsack aus Hünfelden in Deutschland interessiert sich für mein Verhältnis zu Gott. Liebe Anna, ich kann nicht mehr beten. Ich verüble es Ihm, dass er solche furchtbaren Grausamkeiten zuließ. Ich kann nicht mehr an seine Liebe und Güte glauben. Ich stelle immer die gleiche Frage: Warum? Bis heute habe ich aber keine Antwort gefunden.

    Katarina Hartwig und Anja Lindig aus Jena in Deutschland fragen nach unsere Reaktionen auf die Befreiung. Im ersten Moment ist es eine unbeschreibbare Freude, deswegen, dass sich unsere Hoffnung auf die Befreiung erfüllt hat, und dass man der räuberischen Hydra ihren Kopf abgerissen hat. Ich wollte mich satt essen, ich wollte wissen, ob mein Kind lebt, schließlich wollte ich die mir wichtigsten Menschen, die überlebt haben, umarmen, und danach einfach in Ruhe sterben. Das waren meine ersten Wünsche, die ich übrigens nicht eingehalten habe, weil ich dann doch weiterleben wollte. Als wir aus der Hölle auf der Erde befreit worden sind, hatten wir Misshandlung, Erniedrigung, unbeschreibbaren Hunger, eine Arbeit, die über unsere Kräfte ging und die Kälte, die bis Mark und Bein drang, und anderen Methoden des Quälens hinter uns. Im Lager haben wir jeden Tag dem Tod in die Augen geschaut, wir haben zwischen Leichen gelebt, wir haben den Geruch der brennenden Leichen geatmet. Bis heute verfolgt mich der Albtraum der damaligen Tage. Mein Vater und meine Schwester wurden ermordet. Ich habe mein Kind rachitiskrank gefunden. Es hatte ein dickes Leibchen, Durchfall und aufgesperrte Augen. Die Dorfbewohner haben es aus Mitleid aufgezogen. Mein Herz war voll Hass und ich dachte, dass mein Leben ohne Hass nicht weiter gehen wird. Es ist zum Glück anders geworden. Dank den Mitgliedern vom Maximilian Kolbe-Werk habe ich wieder angefangen, an die Menschengüte zu glauben. Ihre Herzlichkeit und aufrichtiges Mitleid haben getan, dass ich die angebotene Hand angenommen habe. Seit Jahren arbeite ich ehrenamtlich im Kontaktbereich zwischen ehemaligen Häftlingen und Jugendlichen in Polen und Deutschland im Maximilian Kolbe – Werk. Der Hass ist aus dem Herzen spurlos verschwunden, was mich auch sehr freut.

    Nicole Zach, Natalya Vonic, Daniela Eder aus Hollabrunn in Österreich fragen danach, wieviel Zeit vergehen musste, bis wir in der Lage waren, über unsere schwierigen Erlebnisse zu erzählen. Liebe Freunde, heutzutage fällt es mir immer noch nicht einfach davon zu sprechen, was ich damals erlebte. Obwohl ich es mir sehr wünschen würde, bin ich nicht in der Lage, das zu vergessen. Uns, d.h. mir und meinen Unglückgenossen aus dem Lager, ist es bewusst, dass wir über die Bestialität, über das Leiden und über den Tod von Millionen von Opfern, darunter auch deutschen Opfern, nicht schweigen dürfen und darüber laut und immer wieder sprechen müssen. Es freut uns sehr, wenn junge Leute sich für die Gründe und Folgen der Tragödie des II. Weltkrieges interessieren. Wir, die ehemaligen Häftlinge/Innen gehören zu den, die an diese sehr dunkle Vergangenheit rastlos erinnern. Wir tun es nicht deswegen, um Hass zu erwecken, sondern deswegen, um es nie wieder ru einer Wiederholung der Konzentrationslager kommen zu lassen. Wir legen besonderen Wert auf Kontakte mit Vertretern der jungen Generation. Die Zukunft liegt in ihren Händen. Unsere beiderseitigen, herzlichen Kontakte mit den Lehrern und Schülern des Gymnasiums in Bad Kissingen, die wir durch das Maximilian Kolbe – Werk angeknüpft haben, dauern schon seit 13 Jahren. Deswegen appelliere ich, die ehemalige Häftlingsfrau des KL Ravensbrück Nr. 33804, die am Lebensabend steht, an die jungen Menschen, dass sie es um keinen Preis dazu kommen lassen, dass man unschuldige Kinder, Frauen und Männer gemein ermordet. Ich möchte mich bei den Jugendlichen, die sich beim Kennenlernen unserer Erlebnisse engagieren, vom ganzen Herzen bedanken. Ich glaube daran, dass ihr euch für Freundschaft und Frieden zwischen Nationen aktiv einsetzen werdet. Ich grüße herzlich sowohl die, die im Maximilian Kolbe – Werk arbeiten, als auch Lehrer und Schüler des Gymnasiums in Bad Kissingen. Gemeinsam mit anderen Organisationen und Schülen bilden sie einen breiten Kreis von Erbauern eines Gebäudes der Versöhnung und des Friedens.

    Nie wieder Krieg und seine Tragödien!

    Leokadia Slopiecka

    ul. Poznanska 2
    58-303 Walbrzych

    Übersetzt von Anka Bibrzycka
  • Marian Majerowicz

    Ich, Marian Majerowicz, ehemaliger Häftling des KL Auschwitz – Birkenau, habe die Lagernummer 157715 auf dem linken Arm tätowiert. Angemessen meinen Kräften und dem Gesundheitszustand, werde ich über die verbrecherische Maschinerie der Vernichtung sprechen, die während des II. Weltkrieges ausgelöst wurde.

    Nach 60 Jahren seit den tragischen Geschehnissen ist es der Welt immer noch zu wenig bekannt, sie erinnert sich zu wenig daran. Deswegen sollen wir, die ehemaligen Häftlinge der Konzentrationslager und Ghettos, als Zeugen der Vernichtung des jüdischen Volks die lebendige Erinnerung der tragischen Tage tragen.

    Ich bin lebendiger Zeuge dieser traurigen und gleichzeitig tragischen Geschichte. Ich habe die Pflicht, meine tragischen Erlebnisse mitzuteilen.

    Nach der Liquidation des Ghettos in Zawiercie (Schlesien) im Juni 1943 wurde die fünfköpfige Familie (Eltern und drei Kindern – Jungs, unter deren der jüngste 3 Jahre alt war) unter unmenschlichen Verhältnissen ins KL Auschwitz – Birkenau hinausgefahren. Die Selektion wird an der Rampe in Auschwitz durchgeführt. Die Mutter will ihr Kind nicht abgeben, und an dem gleichen Tag wurden sie getötet und im Krematorium verbrannt. Nach der Liquidation des Ghettos bleiben wir, d.h. ich mit einer Gruppe ausgesuchter Personen, in Zawiercie. Wir sind in einer Fabrik außer Betrieb untergebracht. Wir arbeiten da beim Sortieren von Ausrüstung und gebrauchten Armeekleidungen, die aus der Ostfront bezogen wurden. Nach zwei Monaten wurde ich mit meinen Kameraden in Wagons verladen und nach Auschwitz geschickt. Da treffe ich meinen Vater, der schwer zu erkennen war. Am 18. Januar 1944 wurde die Nummer meines Vaters während einer Selektion in eine Liste eingetragen. Am 21. Januar 1944 wird nach dem Abschiednehmen mein Vater vergast und danach in einem Krematorium verbrannt. Ende Januar 1944 komme ich mit einer Gruppe von 150 Häftlingen ins Nebenlager Guntengrube – Jaworzno, ca. 30 km von Auschwitz entfernt. In diesem Lager haben wir 150 Juden aus Tschechien getroffen. Ein Teil von den Häftlingen arbeitete in einer Kohlengrube, in sehr schweren Verhältnissen, der andere Teil beim Bau des zweiten Nebenlagers.

    Am 18. Januar 1945 wird das Lager liquidiert. Wir wurden in offene Kohlewagons verladen und in wahnssinniger Kälte nach Auschwitz gebracht. Hier wurde ein Transport formiert, der ca. 1200 Personen zählte, und es fängt der sogenannte „Totenmarsch“ an.

    Es ist schwer zu beschreiben, in welchen tragischen Verhältnissen die Mithäftlinge starben - in unwegsame Gegend getrieben, ohne Essen und Trinken, geschlagen und misshandelt, und dann erschossen und in Straßengräben reingeworfen.

    Die Befreiung kam genau am 9. Mai 1945 auf dem Gebiet Tschechiens. Aus dem Transport sind nur 160 Personen am Leben geblieben.

    Die Erinnerung, die ich hier beschrieben habe, ist nur ein sehr kleiner Teil davon, was ich erlebt habe. Für den normalen, durchschnittlichen Mensch ist es schwer zu begreifen, in welchen Verhältnissen die Menschen starben. Das kann man in keiner Weise erzählen, beschreiben, filmen.

    Für Juden bedeutet Auschwitz, neben Treblinka und Majdanek und anderen kleineren Lagern, das größte Gräberfeld, wo man die Asche der nahestehenden Personen schwer finden kann.

    Die Menschen starben in Gaskammern und von Kugeln und Schlägen nur deswegen, dass sie Juden waren. „Der Arzt“ Josef Mengele, der im Lager Selektion durchführte, entschied zeigend mit dem Finger, wer am Leben bleiben darf und wer sterben muss.

    Auschwitz ist ein Symbol des Holocausts geworden und die Welt darf es nicht vergessen. Wir müssen es den Jugendlichen laut sagen, weil das Lager in Oswiecim nur noch ein Museum für sie bedeutet. Man muss den Jugendlichen bewusst machen, dass Menschen anderen Menschen ein solches Schicksal bereitet haben. Es war eine Frucht von Hass, Intoleranz also all dessen, was der deutsche Faschismus repräsentierte.

     

     

    Marian Majerowicz

     

     

    Stowarzyszenie Zydow Kombatantow -
    oddział Warszawski
    Pl. Grzybowski 12/16
    00 194 Warszawa

    Übersetzung Anka Bibrzycka

  • Marta Baruk

    Meine Erinnerungen aus den Konzentrationslagern

     


    Am 9. August 1944 wurde ich zusammen mit vielen anderen Warschauern aus Warschau herausgetrieben. Man hat uns nach Pruszków, einen Ort in der Nahe von Warschau gebracht. Dort hat man die Transporte vorbereitet, die an unterschiedliche Orte gehen sollten. Mit einem solchem Transport bin ich direkt nach Auschwitz gekommen. An dieser Stelle werde ich nicht beschreiben, in welchen Verhältnissen wir gefahren sind und wie man mit uns umgegangen ist. Seit dem ersten Moment der Evakuierung war es einfach eine Hölle.

    Als man uns in Birkenau aus dem Zug ausgeladen hat, haben die Menschen zu weinen angefangen. Ich habe die Frage gestellt: Warum weint ihr? Die Antwort lautete: Kind, weißt Du doch nicht wo man uns hingebracht hat?! Schau mal auf die qualmenden Schlote. Das sind Krematorien, in denen Menschen verbrannt werden. Eine große Angst kam über mich - ich bin gerade aus einer Hölle mit dem Leben davongekommen und man hat mich direkt in die andere gebracht. Die Menschen da haben furchtbar geweint, sie haben sich gegenseitig in Umarmungen ermutigt. Der Mut hat uns jeden Tag begleitet und die Erwachsenen haben ihn immer neu genährt. Dieses Mutmachen hat uns geholfen, das Grauen der Konzentrationslager zu überleben. Unserer innerlicher Glauben, dass wir davonkommen, war sehr stark.

    Sie, liebe Frauen aus Deutschland, stellen die Frage, ob wir daran geglaubt haben, dass wir wieder in Freiheit leben werden und wie wir auf die Befreiung reagiert haben. Der Glaube daran, dass wir überleben werden, war wackelig. Wir waren sehr abgemagert und von der überfordernden Arbeit abgezehrt. Im Lager Neustadt–Glewe hat man uns mit Schaufeln und Spitzhacken in den Händen zu einem Wald geführt. Dort haben wir Schützengraben vorbereitet. Wir haben vom Tagesanbruch bis zum Sonnenuntergang mit einem Stück Brot und Wassersuppe ohne ein bisschen Salz gearbeitet. Diese Mahlzeit haben wir erst abends gegessen. Das Leben hat in uns kaum geschwelt. Was die Befreiung angeht, wir haben sie ohne Begeisterung angenommen. Am dringendsten war für uns, uns satt zu essen. Die anderen Sachen sind in den Hintergrund getreten.

    Frau Anna Wonsack aus Deutschland fragt nach unserer Einstellung zu Gott. Persönlich habe ich meinen Glauben an Gott verloren. Aus den Gesprächen mit meinen Kolleginnen und Kollegen weiß ich, dass sie diesen Glauben auch eingebüsst haben. Es gibt in dem „Gebet des Herrn“ folgende Worte: „Unser tägliches Brot gib uns heute“ und dieses Brot gab es nicht, und wenn doch, dann war es so eine winzige Menge, als ob man gar nicht gegessen hatte. Sie fragen, ob der Glaube eine Stütze, eine Grundlage für weiteren Lebensaufbau sein kann? Meine Antwort darauf ist: ganz sicher nicht! Früher war ich eine sehr religiöse Person, aber im Verlauf der Jahre und mit der zunehmenden Lebenserfahrung habe ich verstanden, dass der Glaube nirgendwohin führt. Man muss einfach Mensch sein, man muss an den eigenen Schwächen arbeiten können und zu anderen Menschen ohne Rücksicht auf seine Religions- oder Staatsangehörigkeit freundlich sein. Hitler – er war ein besessener Mensch, der seine schändlichen Pläne mit dem Segen des Papstes verwirklichte. Hat er nach dem Attentat auf sein Leben nicht im Reichstag „Ich bin unsterblich!“ geschrieen?! Das deutsche Volk anerkennt doch auch die Religion und Gott. Und warum haben sie dann Hitler über Gott gestellt?

    Als die Befreiung kam, war ich minderjährig. Danach hatte ich keine Zeit, über die Hölle des Lagerlebens nachzudenken. Ich habe mich bemüht jeden Tag zu genießen und Freude am Leben zu haben und das tue ich bis heute. Träume von diesen Zeiten waren und sind immer noch ein Albtraum für mich.

    Ich habe ein Viertel des Jahrhunderts gebraucht, um in der Lage zu sein, über die Lagerhölle erzählen zu können. Nach jedem Vortrag bin ich sehr nervös und habe starke Kopfschmerzen. Dieser Zustand dauert dann nachher immer ein paar Tage. Heutzutage ist es schwer über den Hass zu sprechen, weil nur noch wenige von den Henkersknechten am Leben sind. In diesen grauenhaften Zeiten waren unseren Herzen mit Hass überfüllt, der von dem Tod so vieler unschuldiger Menschen erregt wurde. Die Henkerschlächter in den Konzentrationslagern – es waren ausgewählte Menschen mit einem sadistischen, psychopatischen Charakter.

    Man hat jahrelang gebraucht, um seine Einstellung zu dem deutschen Volk zu ändern. Heutzutage sind sie nicht dieselben Menschen! Sie sind freundlich, herzlich, lächelnd. Sie knüpfen gerne Kontakte mit uns und sind bei der Tätigkeit des Maximilian Kolbe Werkes e.V. behilflich. Es ist unmöglich alles zu nennen, was für uns geleistet wird, weil es aus Rücksicht auf unser Alter und unseren Gesundheitszustand riesige Bedürfnisse gibt. Wir bitten das deutsche Volk um die weitere Zusammenarbeit mit dem Maximilian Kolbe Werk e.V.. Es ist eine Organisation, die ein riesiges Vertrauen genießt.

    Die Menschen aller Welt wünschen sich in Frieden zu leben. Es gibt aber immer wieder Kriege, es kommen immer wieder unschuldige Menschen ums Leben... Reicht es nicht, dass jeden Tag Millionen von Menschen wegen Naturkatastrophen und verschiedenem anderen Unglück und auch wegen Krankheiten sterben? Kriege werden von dem Verlangen reicher zu sein, von Rachsucht, Intoleranz oder über religiöse Gründe verursacht.

    Es bleibt mir nichts anderes, als an die Nationen aller Welt um weise Staatsführer zu appellieren, die vernünftig denken und die Auswirkungen den Entscheidungen, die sie treffen voraussehen können. Man soll die vorgesehenen Ziele nicht aus einer Laune erreichen, sondern das Wohl aller Völker in Betracht ziehen.

    Es soll nie und nimmer wieder in keinem Staat der Welt einen so ungeheueren Friedhof ohne Gräber wie in Auschwitz–Birkenau geben.

    Marta Baruk, Elzbieciak

    ul. Kruczkowskiego 5/1
    PL-58-309 Walbrzych

    Übersetzt von Anka Bibrzycka

  • Danuta Pancerz

    Ich versuche kurz die Hölle meiner Kindheit zu beschrieben.

    Als Deutsche in Polen einmarschierten, begannen Pogrome. Im vierten Pogrom starben meine Eltern, mein Bruder und die ganze Familie – zusammen 30 Personen. Ich blieb allein übrig. Die Gestapo nahm mich ins Getto. Ich arbeitete als Zwangsarbeiterin im Arbeitslager beim Erdwachsbergwerk. Ich arbietete als Schmelzerin und beim Abtransport von Ton. Diese Arbeit war sehr schwer. Das Leben im Getto war ein Leben in ständiger Angst und Hunger. Ich war 2 Jahre im Getto. Eines Tages begannen die Deutschen Leute mit Autos wegzufahren und zu erschiessen. Man hörte Schüsse und Schreie von Menschen. Ich hatte Glueck, ich konnte fliehen. Die Deutschen haben mich eine lange Zeit gesucht.

    Ich uberlebte dank der Hilfe guter Menschen.

    Ich antworte auf die Fragen:

    1. Ich war sehr jung und ich wollte leben.

    2. An Gott dachte man immer wieder und besonders in  Not.
    Wir haben im Fernsehen gesehen, wie am 60-ten Jahrestag Mrenschen verschiedener Nationalitäten gebetet haben.

    3. Wenn es um die Deutschen geht, es waren nicht alle schlecht. In jedem Volk gibt es verschiedene Menschen, aber die in Auschwitz waren Sadisten. Es ist unvorstellbat, wie sie Menschen quälten. Während ich davon schreibe, was ich erlebt habe, zittern mir die Hände.

    Ich danke den Leuten, die an Auschwitz erinnern, besonders Herrn Krzepina, dem Preses unseres Kolbevereines.

    Herzliche Gruese

     

    Pancerz Danuta

    ul. Przemysłowa 2/10
    58-300 Wałbrzych

  • Zbigniew Damasiewicz

    Brzesko, 21.03.2005

     

     

    An das Zentrum für Dialog und Gebet in Oswiecim

     


    Bevor ich versuche, die uns gestellten Fragen zu beantworten, möchte ich Ihnen über meine eigenen Eindrücke und über Eindrücke meiner Kolleginnen und Kollegen, d.h. wie wir Auschwitz-Birkenau nach einem Zeitabstand wahrnehmen, schreiben.

    Ich möchte Stellung zur Broschüre vom 18.01.2005 und zu den da berührten Problemen, die sich auf den Aufenthalt in Konzentrationslagern beziehen, nehmen. Diese Broschüre, die zum 60. Jahrestag der Befreiung des KL Auschwitz-Birkenau herausgegeben wurde, haben wir von Zentrum für Dialog und Gebet in Oswiecim und vom Maximilian Kolbe Werk aus Freiburg bekommen. In erster Linie möchte ich mich allen Interessierten vorstellen.

    Ich heiße Zbigniew Damasiewicz. Am 3. Mai 1949 wurde ich in Brzesk durch die Krakauer Gestapo verhaftet. Danach wurde ich ins Gefängnis in Tarnow transportiert. Sei dem 14.6.1940 bin ich im KL Auschwitz gewesen. Dort habe ich Lagernummer 260 bekommen. In Auschwitz bin ich bis August 1944 gewesen. Von dort wurde ich vom Block Nr. 11 ins KL Sachsenhausen strafrechtlich transportiert, wo ich die Nr. 94113 bekommen habe. Danach hat man mich ins KL Natzweiler / Kommando Kochendorf transportiert, wo ich die Nr. 33587 bekommen habe. Im April 1945 wurde ich nach Dachau transportiert. Dort habe ich die Nr. 150112 bekommen. Am 29. April 1945 wurde ich durch die Amerikanische Armee befreit. Ich möchte erwähnen, dass ich am Tag der Verhaftung 17 Jahre und 5 Monate alt war, ich war also bestimmt nicht älter als manche von Euch, die Ihr uns sehr interessante Fragen stellt. Man möchte in diesem Alter die Wahrheit über Fragen, für die man sich interessiert, kennen. Die uns gestellten Fragen möchte ich möglichst ausführlich beantworten. Wenn wir auf die Felder der größten Völkerkämpfe um Freiheit und Würde des Menschen, und auf das grenzlose Gelände von Auschwitz-Birkenau schauen, dann kommt uns immer wieder die dramatische Frage vor: Was ist passiert, dass es zu solch einer großen Tragödie gekommen ist? Wo soll man nach ihren Uhrsachen und Anfängen suchen?

    In der Zeit der Entstehung der totalitären Systeme ist eine Strömung hervorgetreten, die man „Szientismus“ genannt hat, und die den Verstand vergötterte. Nach dieser Strömung war der Verstand die größte Autorität. Gott war unwichtig, unwichtig waren auch Liebe, Gefühle, Herzlichkeit, Barmherzigkeit und Freundschaft. Man ist vom Dekalog (den zehn Geboten) abgegangen, Gewalt und Macht wurden anerkannt und in diesem Geiste hat man die Jugendlichen großgezogen.

    Der alttestamentliche Kampf des Davids gegen Goliat hat sich in Wirklichkeit nicht auf den Blättern des Alten Testaments, sondern auf den gewaltigen Feldern von Auschwitz-Birkenau gespielt. Dort ist ein wehrloser Häftling des schrecklichen Vernichtungslagers, von der Ungeheuerlichkeit des Hungers, der Krankheiten und von Gewalt gequält, gegen anderen Menschen Auge in Auge gestanden. Der andere Mensch war aber mit einer schlicht unvorstellbaren Macht bewaffnet und das hier war der falsche Schritt. Ich habe mit polnischen Lehrerinnen, weiblichen Häftlingen im KL Auschwitz-Birkenau mehrmals gesprochen. Sie haben das Verhalten von jungen SS-Männern beobachtet und in unseren Gespräche äußerten sie ihre Meinung dazu folgendermassen: Man muss die Jugendlichen unbedingt anders erziehen. Anders heißt, dass man ihre Erziehung auf andere, als die hitlerischen Muster, Moralwerte, und auf eine andere Botschaft und Weltausschauung stützen soll. Der Mensch soll den anderen Menschen achten, gestützt auf Gott und den Dekalog, was bestimmt für die richtige Erziehung unserer Generationen Frucht bringen wird.

    Im Antwort auf Fragen von Anna Wonsack aus Hunfelden in Deutschland würde ich sagen: Mein Verhältnis zu Gott ist von Glauben und Liebe durchdrungen. Dank der Vorsehung Gottes habe ich diese Hölle auf der Erde erlebt. Ich bin der Meinung, dass Glauben die Grundlage meines Lebens ist, weil Gott die Menschen mit dem Kreuz prüft, die er in sein Herz geschlossen hat, und ihre Seelen werden durch Schmerz werden geformt und bereichert.

    Die Frage von Katrin Groiss, Daniela Lazenhofer und Sylvia Rapp aus Hollabrunn, ob Gott uns Kräfte gab, um das alles überleben zu können, würde ich wie oben begründen.

    Die Frage von Frau Katarina Hartwig und Anja Lindig würde ich wie folgt beantworten: Als ich an eigenem Leib erfahren habe, wie die SS-Männer und die Lagerleitung uns behandelt haben, habe ich nie daran geglaubt, dass ich das Lager überleben werde. Man ist mit uns wie mit Vieh umgegangen. Hunger, Krankheiten und Selektionen nach den Apellen, die für viele in der Gaskammer ihr Finale fanden, haben uns besonders vernichtet. Man hat die Häftlinge, bei denen man Fleckfieber und andere Krankheiten festgestellt hatte, vergast. Ich habe eine solche Selektion überstanden. Diese Selektion führte der Lagerarzt Hauptsturmführer Entress durch. Ich war aber nach der Rekonvaleszenzzeit, deswegen hat er mich am Leben gelassen; aber ca. tausend andere Häftlinge wurden vergast.

    Der Himmelswille war mir doch gefällig – ich habe vier Konzentrationslager überstanden, und wurde aus Dachau durch die US-Armee befreit. Die Befreiung des Lagers ist seltsam abgelaufen, weil die Front 35 km vom Lager entfernt war. Wir sind von einer Sturmgruppe der Armee der Vereinigten Staaten befreit worden, aber gleichzeitig wurde uns verboten, das Lager zu verlassen, wegen der sich zurückziehenden deutschen Armeeabteilungen. Es wäre nämlich möglich, dass sie uns, Häftlinge, liquidieren wollen werden. Die amerikanischen Soldaten sind unsere Wachmänner geworden. In der Nacht sind Artilleriegeschosse über das Lager geflogen, man hörte das Gebrumm der Panzerwagen... Bei Anbruch des nächsten Tages wurde uns bewusst, dass wir freie Menschen sind. Nach der Befreiung sind fünftausend von uns wegen Hunger und Krankheiten gestorben. Ins Lager sind Sanitäreneinheiten und Ärzte der US Armee mit dem Militärseelsorger gekommen. Wir haben für unsere Rettung ein Dankgebet gehalten. Ich habe daran teilgenommen und war wegen der Befreiung außerordentlich zufrieden und glücklich.

    Die Frage der Damen Katrin Groiss, Daniela Lazenhofer und Sylvia Rap würde ich so beantworten: Diese Erinnerungen kann man nicht aus unserem Gedächtnis weglöschen. Sie sind in uns lebendig, besonders kommen sie zu uns in der Nacht, in Albträumen wieder. Um das zu vergessen, haben wir immer versucht, in solcher Umgebung zu sein, die mit den Lagern nichts zu tun hatte. Wir haben davon auch nicht gesprochen. Aber wenn wir uns im Kollegenkreis trafen, war das Lager immer das Hauptthema, obwohl wir es nicht vorhatten, davon zu reden.

    In Antwort auf die Fragen von Herrn Pfeiffer aus Hollabrunn und Frau Christina Steffen aus Montabaur muss ich gestehen, dass ich keinen Hass gegen Deutsche, weder während der Befreiungszeit noch später, empfand. Polen – das christliche Volk – empfinden keinen Hass gegen andere Nationen und sogar gegen die, die ihnen Unrecht zugefügt haben, sogar solche, wie die aus der Zeit des II. Weltkrieges. Diese Zeit hat mir eins hintergelassen, nämlich, dass ich es nicht ertragen kann, der deutschen Sprache zuhören, weil ich das Gefühl ständig habe, dass jemand mit einem Knüppel hinter mir herläuft.

    Meine Antwort auf die Fragen, die mir Frau Angela Hartwig aus Jena gestellt hat, suchen sie bitte in meinem Vorwort, der Bewertung der jungen SS-Männer durch polnische Lehrerinnen. Ich bin der Meinung, dass die Nationen Europas ihre Wurzen, d.h. das Christentum, die Zivilisation der Liebe und des Lebens, wiederherstellen sollen. Man kann es nicht dazu kommen lassen, dass die Totalitarismen mit einer unerhörten Kraft wiedererleben. Es ist sehr tragisch, dass die stürmische Entwicklung der Technik von der Niederlage des Menschen begleitet ist, die in Richtung immer größerer Barbarei und Bestialität geht. Wir sollten uns der Bewegung des wiederauflebenden Christentums in Europa anschliessen, andernfalls werden wir zu neuen Auschwitz-Birkenaus führen.

     

    Zbigniew Damasiewicz

    Ul. Kosciuszki 60a
    PL-32-800 Brzesko

    Übersetzt von Anka Bibrzycka
  • Maria Sołtys

    Wałbrzych 11.4.2005

     


    Mein Nachdenken

     


    Es fällt uns sehr schwer, zu den Erinnerungen, zu der schrecklichen Kriegszeit, zur Hitlerokkupation und zu Vernichtungslagern, die über das Land verstreut waren, zurückzukehren.

    Als Kind musste ich mit meiner Mutter Lager in Zwierzyniec, in Zamosc, in Lublin - in der Krochmalnastrasse und das Vernichtungslager in Majdanek überstehen. Das alles hat uns betroffen, weil es den Krieg gab und weil wir Polen waren, die gerade in Lubelszczyzna (das Gebiet um Lublin) gewohnt haben. Die Deutschen rächten sich dort an der Zivilbevölkerung für Aktivitäten der Partisanen besonders. Für die Verteidigung des Landes und der dortigen Bevölkerung haben die Partisanen ihr eigenes, junges Leben sehr oft geopfert. Es waren riesige patriotische Aufbrüche unter den Polen, es war ein patriotisches Einsetzen für die Heimat, das wir heute sehr schätzen.

    Wir möchten heutzutage, dass junge Leute mit Hass und Feindschaft brechen, den anderen Mensch schätzend und achtend, und absehen davon, wer er ist und ob er schwarz oder weiß ist. Man soll in jedem Mensch einen Mensch, einen Bruder sehen. In Not muss man jedem eine brüderliche Hand, liebe- und verständnisvoll geben.

    Es könnte meine Botschaft an die jungen Leute, an die Schüler sein, weil man es, wie Nicole Zach, Daniela Lazenhofer und Sylwia Rapp aus Hollabrunn in Österreich erwähnt haben, in Lehrbüchern nicht finden kann.

    Ich schätze die Begegnungen der Jugendlichen, die heutzutage stattfinden, sehr. Besonders schätze ich Begegnen mit Gebet, wobei sich Verständigung und Liebe durchdringen und für die Ärmsten, die trotz Wohlstand in der Welt so viele gibt, Hilfe geleistet wird. Durch die Volontariatsarbeit werden Arme und Kranke unterstützt.

    Es ist sehr traurig und es tut mir leid, dass man so wenig die Erlebnisse der ehemaligen Häftlinge, der Zeitzeugen, die Gott überleben und Freiheit erleben gelassen hat, publiziert. Es ist gut, dass die Zeugen der ungeheuerlichen Leiden und Erlebnisse noch am Leben sind. Jugendlichen, wie Ewelina Matyjasik aus Oswiecim, können durch Treffen mit den Zeitzeugen, wie z.B. mit Frau Halina Birenbaum oder mit Herrn Smolen, diese Geschichte kennenlernen. Wie sehr das Leben des Mensches wertvoll ist, können den jungen Menschen besonders die weitergeben, die diese Tragödie der Jahren erlebt haben, damit es keine Unterdrückung, keine Vernichtungslager und Kriege mehr gäbe.

    Heute ist es sehr wichtig, dass Schüler aus Deutschland das Gefühl der Zugehörigkeit zu der Nation, die anderen Nationen so viel Böse und Leid angetan hat, haben. Diese Schüler wollen mit den Zeugen des furchtbaren Geschehens einen Kontakt aufnehmen, sie wollen Vernichtungsstätten, die heutzutage Gedenkstätten sind, besuchen. Dass soll dazu beitragen, dass solche Erfahrung keiner mehr machen müsse, was Katarina Hartwig und Anja Lindig aus Jena in Deutschland erwähnt haben. Sie finden es bewundernswert, dass die ehemaligen Häftlinge ihnen ihre Erlebnisse vermitteln wollen, und den sie mit großer Aufmerksamkeit zugehört haben. Die Häftlinge tun es offen und ohne Groll an den deutschen Schülern, und damit sie es irgendwann den weiteren Generationen weitergeben könnten, was der Faschismus verursacht hat und dass die Menschheit in der Zukunft ähnliche Katastrophen vermeiden könnte - was Verena Muckenhuber, Ines Beer und Andrea Hagendorfer aus Hollabrunn in Österreich erwähnen.

    Junge Leute fragen uns, die Zeitzeugen, was uns die Kräfte gab, um die Konzentrationslager überleben zu können. Es war sicherlich unser tiefer Glauben an Gott und daran, dass er uns nicht verlässt. Wir haben auch daran geglaubt, dass diese Hölle irgendwann zu Ende sein wird. Gott hat uns jeden Tag Überlebenskräfte verliehen. Der gute Gott war und ist unser bester Vater und Beschützer, der zum Fall des Bösen, das Hitler verursacht hat, geführt hat. Katarina Groiss, Daniela Lazenhofer und Sylwia Rapp aus Hollabrunn in Österreich fragten uns danach.

    Zeit heilt alle Wunden. Es fällt schwer, das ganze Leben im Hass zu erleben. Als ich noch vor 15 – 20 Jahre die deutsche Sprache auf der Strasse oder im Zug gehört hatte, hat es bei mir Schluchzer verursacht. Es mussten viele Jahre vergehen, bis wir in der Lage waren, über unsere Erlebnisse erzählen zu können und obwohl mir die Erinnerungen nicht gleichgültig sind, ich erzähle es sehr oft unter Tränen. Es ist die Antwort auf die Frage nach unsere Reaktionen, die Nicole Zach, Natalya Vonic, Daniela Eder aus Hollabrunn in Österreich gestellt haben. Pfeiffer aus Hollabrunn fragt, ob wir Hassgefühl den Henkerknechten entgegenbrachten. Man kann nicht sagen, dass wir für sie Liebe empfanden, weil es Satane in der Menschenhaut waren. Man kann aber die Deutschen, die durch die Henker als Nation auch oft ermordet wurden, nicht hassen. Es sind auch Menschen, denen man vergeben soll, mit denen man in Frieden leben soll und gegen die man freundlich sein soll. Christina Steffen aus Montabaur in Deutschland hat danach gefragt. Die Welt ist klein und wir müssen uns gegenseitig achten und unterstützen, dass es nie und nirgendwo zu einem schrecklichen Kriegen, Morden und Gaskammern käme.

    Es ist meine Botschaft an die junge Leute. Es ist unmöglich, die schreckliche Erlebnisse zu vergessen, man kann es nur verzeihen.

    Maria Sołtys

    ul. Hetmańska 78/3
    58-314 Wałbrzych

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