Zentrum für Dialog und Gebet in Oświęcim

Albert Bebel

Walbrzych, 1.3.2005

 


Im Mai laufendes Jahres werden wir den 60. Jahrestag des Endes des II. Weltkrieges und der Befreiung der KZs und hitlerischen Gefängnisse feiern. Ich bin einer von denen, die die Befreiung erlebt haben und möchte euch, liebe Jugendliche, einige meine Reflexionen und Erinnerungen aus jener Zeit weitergeben.

Ich komme aus einer Emigrantenfamilie, die 1920 auf der Suche nach Brot und Arbeit für fünf Jahre aus Polen nach Frankreich wegfahren musste.

1940, nachdem das nazistische Deutschland Frankreich überfallen hatte, beteiligte ich mich aktiv im Kampf gegen den Okkupanten, in einer polnischen Widerstandsbewegung, die auf dem Gebiet Nordfrankreichs (Kreis Lens) wirkte – Waffen- und Partisanenversteck in unserer Wohnung, Sabotage in einer Grube, Propagandamaterialiendruck und ihre Verteilung, Hilfe für die Opfer der Repressionen des Gestapo und französischen Polizei usw.. Im September 1942 bin ich über die französische Polizei verhaftet worden. Nach Torturen wurde ich in Arras in die Hände der Gestapo übergeben zur Ermittlungsverfahrensbeendigung. Im März 1943 bin ich über das deutsche Kriegsgericht zu 5 Jahren Haft verurteilt und nach Deutschland deportiert worden, wo ich bis 11.4.1945, dem Tag der Befreiung durch die Amerikanische Armee, in Gefängnissen in Anrath bei Krefeld, in Hagen und in Wolfenbuttel war. In Wolfenbuttel lag ich entkräftet in einem Gefängnislazarett, dann in einem Stadtkrankenhaus. Am 17.5.1945 bin ich, dank der Hilfe der Armee der Alliierten, nach Frankreich zurückgekehrt. Da habe ich erfahren, dass meine Mutter verhaftet und nach Ravensbrück deportiert worden war, von wo sie erst im August 1945 zurückgekommen ist, und mein Stiefvater, Bronislaw Kania, wurde wegen Partisanentätigkeit mit einem Fallbeil hingerichtet.

1951 bin ich mit meiner Frau und meinem Sohn nach Polen gekommen.

Ich möchte unterstreichen, dass man mit mir in den Gefängnissen in Anrath und in Hagen brutal umgegangen ist, aber in dem letzten, in Wolfenbuttel, war es furchtbar. Schon um 4 Uhr morgens hat man uns in eine Rüstungsfabrik gefahren. Es gab da Sklavenarbeitsverhältnisse. Der Hunger hat nie nachgelassen. Ich stahl mich in eine Wachküche hinein, wo ich mich zusätzlich ernährte, um zu überleben. Man hat uns auch nach Braunschweig gefahren. Da mussten wir die Stadt, gezwungenermaßen (unter einem Gewehrlauf), enttrümmern. Es war lebensgefährlich, weil es da viele Blindgänger gab. Es kam manchmal vor, dass wir ins Gefängnis in der Kolonne zu Fuß zurückgingen. Während dessen begleiteten uns häufig feindliche Rufe der Stadteinwohner und wir wurden auch oft mit Steinen beworfen.

Unter den Betriebsarbeitern und Aufsehern gab es dennoch einen Menschen   „mit dem menschlichen Antlitz“. Der Mann hieß Albert Beichal und kam aus Wolfenbuttel. Er beteiligte sich am I. Weltkrieg. Eine Zeitweile brachte er mir entweder ein Brotstück oder Kartoffelschalen, die ich dann in eine alte Konservendose hineinstopfte und für einige Minuten in einen Ofen steckte, und danach aufgegessen habe (ohne Salz und keine andere Würzen, ohne Kleie würde es kein Schwein essen). Ich war damals 18 und nach der Befreiung wog ich 45 Kilo. Man hätte darüber viel schreiben können, das Gedächtnis ist aber unzuverlässig, außerdem bin ich auch schon 80 Jahre alt und ein Kriegsversehrter. Für das Leid, das der deutsche Faschismus mir und meiner Familie angetan hat, hege ich gegen das deutsche Volk keinen Groll, weil es unter denen auch ehrliche Leute gab, die Patrioten und Antifaschisten waren und für die gerechte Sache und Menschenwürde kämpften und starben.

Die Initiative der polnischen und deutschen Jugendlichen, um die historische Wahrheit davon, was wir während der Kriegszeit in Konzentrationslagern und Gefängnissen erlebt haben zu vermitteln, ist sehr zu schätzen. Sie haben sich große Anerkennung und Dankesworte verdient. Diese Initiative ist besonders wichtig, weil lebende Zeugen des schrecklichen Geschehens jedes Jahr unvermeidlich aus der Welt scheiden.

Hochachtungsvoll,

Albert Bebel

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58-301 Wałbrzych

Maximilian Kolbe Werk in Walbrzych

Übersetzt von Anka Bibrzycka

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