Zentrum für Dialog und Gebet in Oświęcim

2008 Diana Gellert

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Erste Erfahrung 2006

Eine Mimose in Auschwitz

Wallfahrt anlässlich des 65. Todestages der hl. Teresia Benedicta a cruce (Edith Stein)

Mein Name ist Diana, ich bin 24 Jahre alt und mit der Bezeichnung „Mimose" meine ich mich. Eine Person, die mir sehr nahe steht, gab mir einst diesen Spitznamen aufgrund meiner (so heißt es) sensiblen Seele. So, nun beschloss die Mimose also nach Auschwitz zu fahren - zum Erstaunen von Freunden und Bekannten. Warum nur?! Und das bei dem Hintergrund einer eigenen nicht ganz leichten Lebensgeschichte, geprägt durch Demütigungen und auch Misshandlungen ... Kann das denn überhaupt gut gehen?! Ja, es kann, denn der Anlass war der 65. Todestag von Edith Stein und sie selbst war es, die mich dazu einlud. Mir dies zu glauben, ist jedem freigestellt. Ich denke, was am meisten für Verwirrung sorgte, war die Aussage: „Ich mache eine Wallfahrt nach Auschwitz." Wallfahrt?! Auschwitz?! Ist Auschwitz denn nicht der Ort, an dem man eher seinen Glauben verlieren kann? Ich war ungewiss, was mich dort erwarten würde. Doch das, was ich dann tatsächlich erleben durfte, war entgegengesetzt aller Vorstellungen. Ja, ich habe Zeugnisse einer unvorstellbaren Unmenschlichkeit gesehen. Dabei konnte nur der Teufel selbst seine Hand im Spiel gehabt haben. Aber ich durfte auch begreifen, dass wenn man es wagt über das Grauen hinaus zu schauen, erkennt man, dass die Liebe stärker ist als alles andere, der Tod nicht das letzte Wort hat und, ja, dass der Tag kommen wird, an dem der Herr die Toten aus ihren Gräbern holen wird. Mir kam immer mehr das Gefühl auf, dass Auschwitz hierbei eine wichtige Rolle spielen wird. Und wie erging es nun meiner Seele? - Mit schlecht zuwachsenden Narben auf ihr fuhr ich hin und geheilt kam ich wieder. Die Toten beschenken reich, wenn man es ihnen nur erlaubt. Sie lehrten mich, dass egal, ja wirklich total egal, was einem auf Erden zustoßen kann, Er es ist, der alles rein wäscht! Mit auf den Weg gaben sie mir eine vorher ungekannte Weisheit, Dankbarkeit und viel, viel Mut für das, was noch vor mir liegt. Das alles ist möglich, wenn man nur sein Herz dafür öffnet. Denn dies ist eine Zeit, in der große Gnaden ausgeschüttet werden - auch in Auschwitz.

Diana Gellert, Rostock

2008

Eine besondere Aktion in einer besonderen Situation

- Volontariat im Zentrum für Dialog und Gebet in Oświęcim -

Mein Name ist Diana Gellert und ich bin 25 Jahre alt. Vom 01. August 2008 bis zum 31. Oktober 2008 war ich als Freiwillige im Zentrum für Dialog und Gebet in Oświęcim tätig. Nun sind drei Monate nicht die gewöhnliche Zeitdauer für einen Frei-willigendienst, doch das allein ist wahrscheinlich nicht das ungewöhnlichste an der Situation. Diese Zeit war für mich keine Vorbereitung auf ein Studium oder vielleicht eine Überbrückung bis ich einen neuen Job beginne, was man wohl am ehesten vermuten würde. Nein, zu diesem Zeitpunkt war mir bereits klar, dass ich im Januar 2009 in eine katholische karikative Schwesterngemeinschaft gehen würde - sprich eine Vorbereitung auf einen Ordenseintritt. Also im wahrsten Sinne des Wortes eine besondere Aktion in einer besonderen Situation. Durch eine Wallfahrt nach Auschwitz zum 65. Todestag von Edith Stein im Sommer 2007 lernte ich das Zentrum für Dialog und Gebet kennen und überzeugt von dem neuen Lebenstrieb, der dort „am Rande von Auschwitz“ erwuchs. Also bewarb ich mich direkt bei Dr. Deselaers um einen Freiwilligendienst im Zentrum für die drei Monate. Dieser Wunsch wurde mir erfüllt.

Der Liebe wegen

Ja, aber was genau waren denn nun meine Motivationen, mag sich jetzt manch einer fragen. Eine Vorbereitung auf einen Ordenseintritt? Ein darauf folgendes Studium wäre plausibler. Oder wenn eine Organisation mich dorthin entsandt hätte oder ich zumindest an einem Projekt teilgenommen hätte, etwas organisiert hätte - vielleicht im politischen Bereich oder ..., ja, alles das wäre verständlich. Doch alles das traf auf mich nicht zu. Mein einziger Beweggrund war die Liebe. Aus Liebe tut man durchaus Dinge, die nicht immer verstanden werden können, ja, sogar verrückt erscheinen. So führte mich die Liebe zu meinen eigenen Wurzeln (Familiengeschichte in Polen), die teilweise unerklärliche Verbundenheit mit dem Judentum, die immer wiederkehrende Konfrontation (seit meiner Jugend) mit dem Thema Holocaust und in erster Linie die große Liebe zu Edith Stein nach Oświęcim und zu den Gedenkstätten Auschwitz und Birkenau, denn kaum irgendwo sonst ist die Präsenz der Heiligen so spürbar wie dort. Bei der Entscheidung für das Volontariat hörte ich einfach nur auf mein Herz, das sagte, dass mir der Dienst dort Wegzerrung sein würde für das, was vor mir liegt.

Keine sichtbar großen Dinge -
Sprachlosigkeit und andere Schwierigkeiten

Wie aber sah mein Dienst im Zentrum für Dialog und Gebet nun aus? Eigentlich wäre die Antwort ganz einfach: Helfen, wo man gerade gebraucht wird - in der Küche, in den Zimmern, in der Bibliothek und wenn es möglich ist, bei der Betreuung von Gästen. Doch was sich so einfach anhört, kann manchmal auch schwierig sein. Ein Hauptproblem lag in Sprachlosigkeit zweierlei Art. Die erste Sprachlosigkeit lag an meinem gescheiterten Versuch Polnisch zu lernen, doch die größere Sprachlosigkeit war die gegenüber der Thematik Auschwitz, mit der man unweigerlich ständig konfrontiert ist. So brauchte ich selbst etliche Wochen, um diese zu überwinden und in Worte fassen zu können und somit überhaupt ein Gesprächspartner für die Gäste zu werden. Zudem machte ich den Fehler mich selbst unter Druck zu setzen, dass ich doch in dieser Zeit etwas Sichtbares leisten müsste und vergaß dabei, dass ich dem Zentrum eigentlich schon einen großen Dienst leistete: durch das Gebet. Ich brauchte einige Zeit, um dies zu erkennen und mit der Erkenntnis kam das Verstehen. dass vor allem wenn ich in den Gedenkstätten betete, ich den Segen auch mit ins Haus bringe. Umso bewusster ich dies als meinen Anteil, meinen Dienst für das Zentrum verstand, umso mehr weitete sich meine Seele und ermöglichte, dass die Gnade, die durchaus in den Gedenkstätten Auschwitz und Birkenau zu finden ist, meine Seele durchdrang und Licht ins Dunkel brachte.

Heilung durch Berührung

Auch auf andere Weise bin ich in dieser Zeit auch reich belohnt worden. Mit großer Dankbarkeit schaue ich auf wunderbare Begegnungen mit Gästen, mit dem Personal des Zentrums, mit anderen Freiwilligen in Oświęcim, mit dem Karmelkloster und vor allem mit den Überlebenden des NS-Regimes zurück. Diese Begegnungen machten alle Schwierigkeiten weg, denn sie sind mir sehr wertvoll geworden. Und einige dieser Begegnungen sind mehr als einfaches Aufeinandertreffen gewesen, denn sie waren wirklich Berührung von Seelen und ich merkte, dass auch bei sich dadurch eine innere Heilung vollzog. So werde ich die Gedenkstätten Auschwitz und Birkenau und vor allem das Zentrum für Dialog und Gebet „am Rande von Auschwitz“ als einen Ort in Erinnerung behalten, an dem Menschen sich nicht nur begegnen, sondern eine tiefere Berührung kommen können, wie es vielleicht nur an diesem Ort möglich ist. Und diese Berührung kann heilen und Heilung ist dringend notwendig, denn die Wunde Auschwitz ist noch lange nicht verheilt und ich wünsche dem Zentrum für Dialog und Gebet Gottes reichen Segen für seinen Dienst, der der ist Raum für Begegnung zu schaffen und somit solch heilende Berührungen zu ermöglichen.

Stehen zu meinem Gott

Im Kontakt mit den Gästen blieb nie die Frage nach meiner weiteren Laufbahn aus und oft brachte mich dies in die Situation Antwort stehen zu müssen auf die Frage nach Gott im Zusammenhang mit Auschwitz. Gerade am Anfang war das schwer zu beantworten, wo ich doch noch mit meiner eigenen Sprachlosigkeit zu tun hatte. Und selbst als ich in Worte fassen konnte, wurde diese Frage nie zur Routine, zu etwas, wofür es keine Standartantwort gab, die man einfach dahersagen konnte. Dadurch lernte ich mit immer größerer werdender Festigkeit über meinen Gott zu sprechen - selbst im Zusammenhang mit der so einem empfindsamen Thematik Auschwitz.

Wirklich eine Vorbereitung

Der Herr versprach, dass die drei Monate mir Wegzerrung sein würde und der Herr hält stets, was Er verspricht. Zu groß war stets Seine Treue zu mir, als dass ich Ihm hätte untreu werden können und Seine Prophezeiungen zu missachten. Und dass diese Zeit für mich letztendlich wirklich Vorbereitung war, geht vielleicht bereits aus meinem Bericht hervor. Ja, ich weiß, ungewöhnlich ist diese Art von Vorbereitung und es scheint, als hätte ich auf meinem geraden Weg zum Ordenseintritt noch einmal eine Schleife gezogen und doch bin ich mir gewiss, dass diese Schleife wertvoll und notwendig war. Und trotz oder besser vielleicht gerade wegen mancher Schwierigkeit schaue ich mit großer Dankbarkeit im Herzen auf diese Zeit zurück.

Mein Dank

Mein besonderer Dank gilt dabei dem Zentrum für Dialog und Gebet in Oświęcim, das mir den Aufenthalt dort ermöglicht hat und für all die Unterstützung, die ich von Seite des Zentrums in dieser Zeit erhalten habe. Und vor allem geht mein Dankeslied im Herzen an meinen Schöpfer und meinem Herrn für all’ Seine Güte, Treue und Barmherzigkeit, von der ich in dieser and auch schon in anderen Zeiten mit vollen Händen schöpfen durfte.

„Das will ich mir zu Herzen nehmen, / darauf darf ich harren:
Die Huld des Herrn ist nicht erschöpft, / sein Erbarmen ist nicht zu Ende.
Neu ist es an jedem Morgen; / groß ist deine Treue.
Mein Anteil ist der Herr, sagt meine Seele, / darum harre ich auf ihn.“

- Klagelieder 3, 21-24


Im Gebet verbunden,

Diana Gellert

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