Zentrum für Dialog und Gebet in Oświęcim

1998 Respekt für die religiöse Würde aller Menschen

Respekt für die religiöse Würde aller Menschen

Gespräche über den religiösen Umgang mit Auschwitz

Auf Einladung des Zentrum für Dialog und Gebet in Auschwitz trafen sich vom 13. bis 16. Dezember 1997 in Oświęcim (Auschwitz) und Krakau im Dialog erfahrene Juden und Christen aus Polen, Deutschland und den USA, um gemeinsam über den religiösen Umgang mit Auschwitz nachzudenken. In diesem oft spannungsreichen Bereich, für den zeichenhaft die Auseinandersetzung um die Bedeutung von Symbolen (Kreuz, Davidstern, Leere) steht, war es das erste Anliegen, eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen, um auf die jeweils verschiedenen Sensibilitäten hören und offen miteinander reden zu können. Das Treffen hatte den Charakter eines privaten Austausches ohne den Anspruch der Teilnehmer, irgendwelche Institutionen oder Gruppen offiziell zu vertreten.

Ergebnis dieser Begegnung ist eine Liste von Fragen, die als Einladung zum Nachdenken und zum Gespräch veröffentlicht wird. Die Teilnehmer hoffen, daß so ein Prozeß in Gang kommt, der hilft, Spannungen abzubauen und Wege zu finden, die zu einer Stärkung des Respektes vor der religiösen Würde aller Menschen beitragen.

Teilnehmer:

Henryk Halkowski, Krakau.

Hanspeter Heinz, kath. Priester, Professor für Pastoraltheologie, Universität Augsburg.

Łukasz Kamykowski, kath. Priester, Professor an der Päpstl. Theolog. Akademie in Krakau.

Herbert Immenkötter, kath., Professor für Kirchengeschichte, Universität Augsburg.

Klaus Kienzler, kath. Priester, Professor für Fundamentaltheologie, Universität Augsburg.

Michael A. Signer, Rabbi, Professor of Judaism, University of Notre Dame, USA.

Stefan Wilkanowicz, kath. Journalist, Vizepräsident des Internat. Rates der staatlichen Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau.

Manfred Deselaers, Zentrum für Dialog und Gebet in Auschwitz.

Oświęcim, Februar 1998


Die religiöse Bedeutung des Ortes Auschwitz-Birkenau

Was bedeutet Auschwitz aus christlicher und aus jüdischer Sicht?

Welcher Bezug ist für das Nachdenken über Auschwitz der angemessenste: ist es ein Friedhof, ein Massengrab, ein Schlachtfeld? Welche Konsequenzen ergeben sich aus dem jeweiligen Bezug für die verschiedenen religiösen Gemeinschaften?

Was können wir tun, um das Problem der Alternative von Chri­stia­ni­sie­rung oder Säku­la­ri­sie­rung/Atheisierung von Au­schwitz zu überwinden?

Sind die Zeugnisse der Auschwitz-Überlebenden die höchste Autorität, um die religiöse Identität des Lagers zu bestimmen? Und wenn ja - welche Zeugnisse?

Sollten, weil einige sagen, daß Gott in Auschwitz-Birkenau abwesend war, keine religiösen Symbole oder Zitate heiliger Bücher innerhalb oder in der Nähe des Lagers sein?

Gibt es aus religöser Sicht eine eigene Geografie für Auschwitz-Birkenau, die einige Orte im Lager "heiliger" macht und mehr Respekt verlangen läßt als andere (Krematorien, die Rampe, die Zelle von Maximilian Kolbe)?

Sollten aus religiöser Sicht die Gebäude und die physische Umgebung von Auschwitz-Birkenau erhalten, wiederhergestellt, oder dem Verfall überlassen werden?

Was ergibt sich aus der Tatsache, daß sowohl die Erde (Asche) als auch der Himmel (Rauch) der "Beerdigungsplatz" für die Opfer von Auschwitz-Birkenau war (vgl. Paul Celan, Todesfuge)? Bedeuten diese Bilder, daß das, was in diesem und in anderen Lagern geschehen ist, weltweite Konsequenzen hat, weil der Rauch und die Asche den Himmel durchdringen?

Religiöse Begegnung in Auschwitz

Was ist der Sinn von "religiöse Würde der Person?" Hat jeder Mensch das Recht, seine religiöse Überzeugung offen und öffentlich auszudrücken?

Was sind die Konsequenzen von religiöser Würde in Auschwitz für Opfer, Gläubige, Touristen?

Wie sollten die Besucher von Auschwitz und Birkenau die besonderen Bedürf­nisse der Bevölkerung respektieren, die in der Nähe der Lager lebt?

Wie können wir unsere religiöse Überzeugung verwirklichen oder ihnen ent­sprechend handeln, ohne offensichtlich Menschen mit anderen Überzeugungen zu kränken? Was z.B. ist eine angemessene Reaktion auf eine christliche Meßfeier im Lager? Wer sollte die letzte Autorität haben, um darüber zu ent­scheiden?


Was ergibt sich aus der Tatsache, daß einige religiöse Symbole (das Kreuz) oder einige Märtyrer (Maximilian Kolbe) entgegengesetzte Antworten provozie­ren können?

Wie sollen wir mit verschiedenen Identitäten umgehen, wenn sie einander widersprechen? Ein Beispiel: Ist das Kreuz im Lager ein Zeichen der Christia­nisierung von Auschwitz oder eine Gelegenheit, etwas über religiöse Identität zu lernen? Ein anderes Beispiel: Ist das Tragen einer israelischen Fahne ein Zeichen religiöser Überzeugung?

Wie können wir den Unterschied bestimmen zwischen privatem Ausdruck einer Person, die Auschwitz besucht, und religiöser Zeremonien von Gruppen? (Gibt es einen Unterschied zwischen einer kleinen Gruppe, die betet, und der Wal­fahrt einer Diözese?)

Welchen Beitrag kann eine religiöse Perspektive zu dem Problem der sich verschiebenden Stereotypen (z.B. "polnische" Konzentrationslager und "deutsch-jüdische" Versöhnung) leisten?

Gibt es eine konstruktivere Annäherung an den religiöse Bedeutung von Auschwitz, als eine einzelne Gruppe zum Sündenbock zu machen?

Welche Bedeutung für das christlich-jüdische Gespräch hat die Tatsache, daß aus deutscher Perspektive Christen sich überwiegend auf der Täterseite finden, aus polnischer Perspektive auf der Opferseite?

Welche Interventionen von Juden, die nicht in Polen leben, können zu einem konstruktiven oder destruktiven Dialog über das Lager beitragen?

In welcher Beziehung zueinander stehen eine Diskussion über die religiöse Würde des Menschen in Auschwitz und die Ziele von ökumenischem Pluralis­mus und interreligiösem Dialog?

Ziele eines Besuches in Auschwitz

Was sollte getan werden, um Auschwitz vor Banalisierung durch die Insensibilität der Besucher für die Würde der Opfer oder durch Gewaltbe­wunderung zu schützen?

Welche Werte und fundamentale Fragen können durch den Besuch im Lager bei jungen Leuten geweckt werden?

Was ergibt sich aus dem Besuch des Lagers für junge Menschen, die durch die Massenmedien an eine Kultur der Gewalt gewöhnt sind?

Zu welchen gegenwärtigen und zukünftigen Taten treibt uns Auschwitz: Ver­gebung? Versöhnung? Wiedergutmachung? usw. Welche kon­kreten Schritte diesbezüglich können wir unternehmen, die über die Fest­stellung hinausführen, daß alle religiösen Gemeinschaften "mehr Zeit brau­chen", um zu ihren Ergeb­nissen zu kommen?

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