Zentrum für Dialog und Gebet in Oświęcim

1980-04-28 Deutsche Bischofskonferenz - Über das Verhältnis der Kirche zum Judentum

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Über das Verhältnis der Kirche zum Judentum

Erklärung der deutschen Bischöfe vom 28. April 1980

Inhalt

I. Jesus Christus - unser Zugang zum Judentum

II. Das geistliche Erbe Israels für die Kirche
1. Die Heilige Schrift des Alten Testaments
2. Der Glaube an den einen Gott
3. Der Schöpfungsglaube
4. Der Mensch - das „Abbild“ Gottes
5. Der Bund
6. Der Dekalog und das Gewissen
7. Die messianische Hoffnung
8. Das Gebet
9. Grundhaltungen vor Gott
10. Exodus, Pascha, Leiden, Gericht, Auferstehung

III. Die Grundaussagen der Schrift und der Kirche über das Verhältnis von Kirche und Judentum
1. Das Zeugnis des Neuen Testaments
a) Vorbemerkung
b) Kritische Aussagen über die Juden
c) Positive Aussagen über die Juden
2. Aussagen der katholischen Kirche
a) Das II. Vatikanische Konzil
b) Die „Richtlinien und Hinweise“ vom 1. Dezember 1974
c) Aktivitäten und Aussagen der Päpste
d) Weitere kirchliche Verlautbarungen
3. Aussagen anderer Kirchen

IV. Glaubensunterschiede
1. Das Reich Gottes im Messias Jesus
2. Der Glaube an Jesus Christus
3. Das Problem des Gesetzes

V. Umdenken gegenüber dem Judentum
1. „Die Juden“
2. „Die Pharisäer“
3. Gesetzesfrömmigkeit
4. „Gottesmörder“
5. Antisemitismus
6. Gebet
7. Schuld und Sühne

VI. Gemeinsame Aufgaben
1. Verwirklichung des Willens Gottes
2. Teilnahme am prophetischen Protest
3. Friedensarbeit in aller Welt
4. Erwartung eines „neuen Himmels und einer neuen Erde“
5. „Gott alles in allem“


I. Jesus Christus - unser Zugang zum Judentum

Wer Jesus Christus begegnet, begegnet dem Judentum. Er ist nach dem Zeugnis des Neuen Testaments als „Sohn Davids“ (Röm 1,3) und „Sohn Abrahams“ (Mt 1,1; vgl. auch Hebr 7,14) „seinem Fleisch nach“ aus dem Volk Israel hervorgegangen (Röm 9,5). „Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt“ (Gal 4,4). Seiner menschlichen Natur nach war Jesus von Nazaret ein Jude; er kam aus dem Judentum. Er steht seiner Herkunft nach in der Geschichte des Volkes Israel (vgl. den Stammbaum Jesu Mt 1,1-17 und Lk 3,23-38).
Heute entdecken auch jüdische Autoren das „Jude-Sein“ Jesu. Martin Buber sah in Jesus seinen „großen Bruder“;  Schalom Ben-Chorin bekennt: „Jesus ist für mich der ewige Bruder, nicht nur der Menschenbruder, sondern mein jüdischer Bruder. Ich spüre seine brüderliche Hand, die mich faßt, damit ich ihm nachfolge... Sein Glaube, sein bedingungsloser Glaube, das schlechthinnige Vertrauen auf Gott, den Vater, die Bereitschaft, sich ganz unter den Willen Gottes zu demütigen, das ist die Haltung, die uns in Jesus vorgelebt wird und die uns - Juden und Christen - verbinden kann“.

II. Das geistliche Erbe Israels für die Kirche

Jesus Christus hat von seiner jüdischen Herkunft her ein reiches geistliches Erbe aus den religiösen Überlieferungen seines Volkes in die christliche Völkerwelt miteingebracht, so daß der Christ „mit dem Stamme Abrahams geistlich verbunden ist”  und dauernd auch aus diesem Erbe schöpft.

1. Als erstes ist auf die Heilige Schrift Israels, von den Christen „Altes Testament“ genannt, hinzuweisen. Wenn das Neue Testament von der „Schrift“ oder den „Schriften“ spricht oder Bezug nimmt auf das, was „geschrieben“ steht (vgl. z. B. Mt 4,6; Mk 1,2; Lk 24,44-46; Joh 19,36f.; 1 Kor 15,3f.; 2 Kor 4,13; Gal 3,10.13), bezieht sich das auf das Alte Testament. Das 11. Vatikanische Konzil lehrt: „Der liebende Gott, der um das Heil des ganzen Menschengeschlechtes besorgt war, bereitete es vor, indem er sich in einzigartiger Planung ein Volk erwählte, um ihm Verheißungen anzuvertrauen . . . Die Geschichte des Heiles liegt, von heiligen Verfassern vorausverkündet, berichtet und gedeutet, als wahres Wort Gottes vor in den Büchern des Alten Bundes.“  Das Alte Testament ist so für Juden und Christen gemeinsame Glaubensquelle, wenn für die Christen auch das „Neue Testament“ als besondere Glaubensquelle dazugekommen ist. Im Alten Testament spricht der Gott der Offenbarung, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der auch der Gott Jesu ist. Die vatikanischen „Richtlinien und Hinweise für die Konzilserklärung ‚Nostra Aetate‛ Art. 4“ vom 1. Dezember 1974 bemerken dazu: „Man soll bemüht sein, besser zu verstehen, was im Alten Testament von eigenem und bleibendem Wert ist . . ., da dies durch die spätere Interpretation im Licht des Neuen Testaments, die ihm seinen vollen Sinn gibt, nicht entwertet wird, so daß sich vielmehr eine wechselseitige Beleuchtung und Ausdeutung ergibt.“  „Man darf das Alte Testament und die sich darauf gründende jüdische Tradition nicht in einen solchen Gegensatz zum Neuen Testament stellen, daß sie nur eine Religion der Gerechtigkeit, der Furcht und der Gesetzlichkeit zu enthalten scheint, ohne den Anruf zur Liebe zu Gott und zum Nächsten (vgl. Dtn 6,5; Lev 19,18; Mt 22,34-40).”  Die Kirche hat mit Recht stets alle Versuche abgelehnt, die darauf hinausgingen, das Alte Testament aus ihrem Schriftenkanon zu entfernen und nur das Neue Testament gelten zu lassen.

2. Die Heilige Schrift Israels bezeugt vor allem den einen Gott: „Höre, Israel! Jahwe, unser Gott, Jahwe ist einzig!“ (Dtn 6,4). Dieser Satz ist das „Urcredo“ der jüdischen Religion, das täglich beim Morgen- und Abendgebet in der Familie wie im synagogalen Gottesdienst rezitiert wird. Auf die Frage des Schriftgelehrten: „Welches Gebot ist das erste von allen?“ antwortet Jesus: „Das erste ist: Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr! Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft“ (Mk 12,29f.). Das Konzil lehrt: Gott „hat sich dem Volk, das er sich erworben hatte, durch Wort und Tat als einzigen, wahren und lebendigen Gott so geoffenbart, daß Israel Gottes Wege mit den Menschen an sich erfuhr, daß es sie durch Gottes Wort aus der Propheten Mund allmählich voller und klarer erkannte und sie unter den Völkern mehr und mehr sichtbar machte (vgl. Ps 21,28f.; 95,1-3; Jes 2,14; Jer 3,17)“.

3. Dieser eine Gott ist auch der Schöpfer der ganzen Welt. In klassischer Prägnanz kommt das gleich im ersten Vers der Bibel zum Ausdruck: „Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde“ (Gen 1,1). Dieses Wort hält programmatisch fest, daß Schöpfer und Geschöpf nicht identisch, austauschbar und verwechselbar sind; es verhindert eine Vergötterung der Welt, obwohl Israel deren faszinierende Urordnung durchaus gesehen und sie in seinen Gebeten gepriesen hat. Dieses Wort bewahrt das Denken der Menschheit vor der gnostisch-neuplatonischen Interpretation der Welt, nach der die Welt eine Emanation („Ausfluß“) Gottes ist, und schützt vor jener Philosophie, nach der die Weltgeschichte die Selbstentfaltung Gottes (des „Weltgeistes“) ist. Durch Jesus und die Kirche ist die Schöpfungsbotschaft des Alten Testaments in die Völkerwelt gekommen. Sie hilft den Menschen, das richtige Verhältnis zur Welt zu gewinnen.
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